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JABS

Pendeln als Azubi

Die Berufsschule ist nicht in der selben Stadt, wie die Wohnung und der Betrieb - was mache ich nun?

© pexels.com

Alle zwei Monate muss ich vier Wochen lang täglich zur Berufsschule nach Leipzig fahren. Von Dresden aus sind das jedes Mal über 100 Kilometer. Aber ich habe keine Wahl, die nächste Berufsschule für Medienkaufleute gibt es nur dort. Also versuche ich das Beste daraus zu machen, nehme mir mein liebstes Hörbuch und steige bald wieder in eine Bahn zur Stadt des Buches (Leipzig , Anm. d. Red).

Statistiken lügen nicht

Wie mir geht es inzwischen sehr vielen Azubis in ganz Deutschland. Sie pendeln zur Arbeit oder Berufsschule, im Schnitt 42 km pro Tag. In den neuen Bundesländern sind es sogar 51 km, da die Ausbildungsdichte geringer ist. Außerdem mussten in den letzten Jahren viele Berufsschulen geschlossen werden, Schulen für spezielle Ausbildungsberufe gibt es manchmal sogar nur einmal bundesweit. Ein Azubi kann es sich in der Regel nicht leisten, eine oder gar zwei Wohnungen alleine zu unterhalten.

Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Das hat weitreichende Auswirkungen. Viele potentielle Azubis entscheiden sich gegen ihren Berufswunsch, da es logistisch nicht machbar ist. Ausbildungsbetriebe, gerade für spezielle Fachgruppen, erhalten zunehmend weniger Bewerbungen.

….und nun ?

Das Problem ist bekannt, Lösungsansätze gibt es auch schon. So gibt es bereits in sieben Bundesländern Azubi-Tickets für die Bahn und den öffentlichen Nahverkehr, teilweise werden diese auch vom Arbeitgeber bezahlt. Außerhalb der Großstädte soll das Verkehrsnetz ausgebaut werden, um auch die ländlichen Regionen besser einbinden zu können. Gleichartige Berufsschulen vernetzen sich miteinander, um ein größeres Spektrum an Ausbildungsberufen abdecken zu können.

Auch die Ausbildungsbetriebe haben reagiert: Mitfahrbörsen werden eingerichtet, Werkswohnungen angeboten oder gar E-Autos zur Verfügung gestellt.

Mit dem Ausbilder reden

Mein Arbeitgeber stellt mir in Leipzig einen Internatsplatz zur Verfügung, sodass ich nur einmal die Woche pendeln muss. Das ist schon mal eine riesige Erleichterung, der Zeitaufwand für mich sinkt beträchtlich. Für Sachsen habe ich mir ein Azubi-Ticket (https://www.dein-azubiticket.de/dein-azubiticket/) geholt, mein Ausbildungsbetrieb gibt mir auch hier einen Zuschuss. Als künftiger Azubi empfiehlt es sich deshalb schon im Bewerbungsgespräch mit dem Ausbildungsbetrieb eine Lösung zu finden.

Am Ende kann ich das Ganze auch positiv sehen: So viel Zeit, zu lesen oder Hörbücher zu hören, habe ich sonst selten.

Florian Lehmann// Azubi Medienkaufmann