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Penny will Dauerparker abkassieren

Viele Berufspendler stellen sich auf den Parkplatz des Discounters am Bahnhof. Das könnte künftig teuer werden.

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© SZ/Uwe Soeder

Von Madeleine Arndt

Bautzen. Auf dem Gehweg, im Hinterhof, im Ringel um den Taxistand herum stehen die Autos am Bahnhof. Die Kapazität des Vorplatzes wird mit 60 Stellflächen angegeben. Durch abenteuerliche Parkvarianten sind es real etwas mehr. Dennoch reicht der Platz nicht für die Zahl der Berufspendler aus, die täglich am Rathenauplatz ihr Auto abstellen, um dann mit dem Zug weiterzufahren. Einige stellen sich deshalb frech nebenan auf den Kundenparkplatz des Penny-Marktes an der Tzschirner-Straße. Doch damit ist bald Schluss.

Der Leitung des Lebensmitteldiscounters sind diese Fremdparker, die nicht zum Einkaufen kommen, ein Dorn im Auge. Seit geraumer Zeit wird überlegt, wie man die Pendler von der Fläche runter bekommt. „Derzeit prüfen wir, ob wir den Parkplatz an einen externen Dienstleister übergeben“, erklärt Janina Klemm aus der Penny-Pressestelle. „Durch die Vorgabe einer Höchstparkdauer und das Abstrafen von Dauer- und Fremdparkern wäre es möglich, unseren Kunden immer einen kostenfreien Parkplatz zur Verfügung stellen zu können.“

Stadt kennt das Problem

Noch sind die Schranken zu den gut hundert Kundenparkplätzen vor dem Penny für jedermann geöffnet. Doch schon bald soll sich das ändern. Die Vertragsverhandlungen mit dem Dienstleister, der den Penny-Parkplatz verwalten soll, sind bereits in vollem Gange, wie die Pressestelle bestätigt. „Die Parkraumbewirtschaftung soll zeitnah erfolgen“, wird dort betont.

Dann verschärft sich wieder der Kampf um freie Stellplätze rund um den Bautzener Bahnhof. Das Problem ist auch der Stadt bekannt. „Dass die Situation angespannt ist, steht außer Frage“, sagt Stadtsprecher André Wucht. Während entlang der Dr.-Peter-Jordan-Straße größtenteils Parkverbot gilt, seien aber im östlich liegenden Wohngebiet links und rechts der Paulistraße genügend Parkflächen vorhanden. Mitte August will sich die Stadtspitze mit dem neuen Eigentümer des Bahnhofsareals treffen und das Parkplatzproblem ansprechen. So kursiert etwa die Idee, ein Parkdeck auf der Brache hinter der alten Dampflok zu schaffen. Von den Plänen bis zu ihrer Verwirklichung gehen allerdings noch einige Jahre ins Land. Laut Zeitschiene, die zwischen der Kreisverwaltung als Hauptmieter und dem Investor vereinbart wurde, soll das marode Bahnhofsgebäude bis 2019 saniert sein. Und im Zuge der Bauarbeiten werden mit Sicherheit Stellflächen vor dem Bahnhof wegfallen.

Noch können Pendler vor dem Empfangsgebäude ihre Autos kreativ positionieren. Wegen des geplanten Verkaufs des Hauses und der zugehörigen Stellflächen stellt die Bahn die Parkplätze jetzt kostenfrei zur Verfügung. Vor zwei Jahren sah das anders aus. Da hatte noch der Berliner Parkraumbewirtschafter Contipark die Fläche verwaltet. Pro Tag waren 2,75 Euro Gebühren fällig. Wer nicht zahlte, dem flatterte eine saftige Mahngebühr ins Haus.

Zufriedene Kunden

Heute kontrolliert nur das städtische Ordnungsamt in den umliegenden Straßen. Aber nicht über das übliche Maß hinaus, betont Stadtsprecher Wucht. Es sei denn, Anwohner beschwerten sich, weil eine Ausfahrt blockiert wurde. Autofahrer sollten jedoch künftig ein Auge darauf haben, ob am Penny-Markt ein neues Schild auf geänderte Parkbedingungen hinweist. Mit der Parkraumbewirtschaftung sind laut Penny-Pressestelle an anderen Standorten gute Erfahrungen gemacht worden. „Es gibt überwiegend positive Reaktionen von Kunden, die nunmehr wieder Parkplätze finden, die bisher von Langzeitparkern blockiert waren.“ Was Penny nicht mitteilt, ist, dass es auch verärgerte Kunden gab. So war eine Frau in einem Penny in Herne einkaufen gewesen und hatte vergessen, die Parkscheibe ins Auto zu legen. Als sie wiederkam, klemmte ein Strafzettel in Höhe von 30 Euro am Scheibenwischer. Den hatte der Kundin in der Zwischenzeit der Parkplatzverwalter ausgestellt.