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Perfekt bis unters Dach

Der Zentralgasthof Weinböhla ist fertig saniert. Nach 20 Jahren und über acht Millionen Euro Baukosten. Nur eine Kleinigkeit fehlt noch.

© Arvid Müller

Von Ines Scholze-Luft

Weinböhla. Da blinkt doch was Rotes. Und alle müssen hinschauen. Als die SZ mit Weinböhlas Bauamtschef Lutz Heinl und Christoph Krzikalla vom Hochbau im nun fertig sanierten Zentralgasthof unterwegs ist, geht es auch ins zweite Geschoss, in die Ende 2017 auf etwa 500 Quadratmetern eingezogene Bibliothek. An einem Ruhetag, ohne Besucher. Trotzdem bewegt sich was, das rote Licht am Empfangstresen, sein Blinken irritiert. Zum Glück kein Außerirdischer, der sich Zutritt verschafft hat. Es sind die Scanner für die Ausleihe.

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So sah die Fläche vorm Sanieren aus.
So sah die Fläche vorm Sanieren aus. © Christoph Krizikalla

Nicht das einzige Moderne zwischen all den Büchern, CDs und anderen Medien. Die Bibliothek punktet mit passwortgeschütztem Wlan und mehr Platz zum Arbeiten für die Leser, mit gemütlichen, schicken Sitzgruppen und Behindertentoilette. In Kürze wird es auch einen Wickelplatz geben, informiert Bibliothekschefin Delia Schmidt.

Die Etage darüber ist noch nicht ganz komplett, sie präsentiert sich jungfräulich saniert in Weiß und hellem Grau. Das künftige Vereinsreich. Möbel kommen noch. Schon ohne sie ist die mit Abstell-, Technik- und Nebenräumen rund 250 Quadratmeter große Fläche ein Hingucker. Aus den Fenstern zum Kirchplatz bietet sich ein grandioser Blick, bis hoch zum Rathaus und weit darüber hinaus. Die Fenster selbst fallen ebenfalls auf, ihnen fehlen die Griffe. Damit gar niemand erst auf die Idee kommt, sie zu öffnen. Wegen der Absturzgefahr. Wartungs- und Reinigungspersonal muss zusätzliche gesichert werden. Nur die Oberlichter gehen auf, fürs Belüften.

An der Dachkonstruktion wurde nichts geändert, sagt Lutz Heinl. Allerdings ist nun alles verkleidet, brandschutzgerecht hergerichtet, ordentlich beleuchtet, mit Heizung und Klimaanlage, neben der Tür ein großer Belüftungstrichter. Bei Bedarf lässt sich der Raum sogar trennen. Die hohe Decke verleiht dem Dachgeschoss Weiträumigkeit – trotz der vielen Balken und Stützen. Jede noch so kleine, flache Ecke ist in Ordnung gebracht. Da lässt sich vielleicht mal was unterbringen, darunterschieben, was sonst im Weg stehen würde. So viel wie möglich Fläche schaffen, das war die Aufgabe, ohne dass die ganz konkrete Nutzung schon feststand.

Hinter den Türen des Vereinsraumes gehen die Besonderheiten weiter. Mit dem ersten und zweiten Rettungsweg. Einer führt durch einen relativ engen Gang, zwei Wendeltreppen und übers Dach zur Rückfront des Hauses. Der andere über einen Rucksack ins Treppenhaus. Wobei eben dieser Rucksack – eine rundum eingehauste Treppe – nur vom Saalboden aus zu sehen ist, im Normalfall also nur für Hausmeister und Handwerker.

Und obwohl alle wünschen, dass die Fluchttreppen nicht gebraucht werden, ist natürlich alles vorbereitet für den Fall der Fälle, auch mit Sicherheitsbeleuchtung, über Batterie. Und für die Situation, dass sich im Haupttreppenhaus Rauch befindet. Dann soll eine Spüllüftung Abhilfe schaffen. Indem unten im Keller saubere Außenluft angesaugt und durchs Treppenhaus zum oberen Fenster geblasen wird, Unterstützung für die sogenannte Entrauchung.

Im Keller, wo das spezielle Lüftungssystem seinen Anfang nimmt, findet sich das letzte Quäntchen, das zum tatsächlich endgültigen Sanierungsabschluss im Zentralgasthof noch fehlt. Die brandschutztechnische Einhausung, der Umbau, für den Steuerkasten der Spüllüftung. Das wird demnächst, sagt Lutz Heinl. Der Steuerkasten befindet sich im Plakatlager des Zentralgasthofs. Nur wenn dort nichts lagert, darf die Spüllüftung betrieben werden. Aus dem Grund ist es jetzt ausgeräumt, wird allerdings gebraucht. Deshalb der Druck, den Steuerkasten zu verkleiden.

Im Raum nebenan ein Riesenventilator, der für den Luftstrom durchs Treppenhaus sorgt. Er darf durch nichts abgelenkt werden oder gar die Luft Richtung Keller blasen. Ein Blech vor der Gittertür soll das ebenso verhindern wie eine Metallstange, die die Tür offen hält. Aktiviert wird das System über die Brandmeldeanlage, die auf Rauch- und Handmelder reagiert.

Was hoffentlich nicht nötig wird, schließlich sollen die Weinböhlaer und ihre Gäste lange was haben vom sanierten Haus. Eines der schwierigsten Objekte überhaupt, sagt Lutz Heinl. Immerhin hat die Arbeit am Zentralgasthof die Gemeinde in fünf Bauabschnitten 20 Jahre lang beschäftigt. Und was hat das alles gekostet? Christoph Krzikalla verweist darauf, dass die Ermittlung der Gesamtkosten recht kompliziert ist. Und zudem im Laufe der Jahre auch schon wieder Mittel im Zuge der Instandhaltung in das Objekt geflossen sind. Deshalb kann er mit 8,8 Millionen Euro nur eine grob gerundete Bausumme nennen.