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Personallücke im Hort gestopft

Für die Grundschüler konnte kurzfristig eine Lösung gefunden werden. Personal wird weiter dringend gesucht.

© Norbert Millauer

Von Peggy Zill

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Coswig. Große Freude bei den Eltern der Brockwitzer Grundschüler: Es müssen doch keine Betreuungsverträge für den Hort gekündigt werden. Die AWO Kinder- und Jugendhilfe gemeinnützige GmbH leiht sich einen Erzieher bei der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen bis Ende Dezember aus. „Und ab Januar können wir hoffentlich wieder eine eigene Fachkraft einstellen“, erklärt AWO-Sprecherin Ulrike Novy.

Diese gute Nachricht konnte zum Elternabend am Mittwochabend verkündet werden. „Wir freuen uns sehr“, sagt Elternvertreterin Annett Bode. Mehr als 30 Eltern seien zum Elternabend gekommen und hätten mit der Hortleiterin, Vertretern der AWO und einem Vertreter der Stadt über die Situation diskutiert.

„Die Stimmung war sehr angenehm. Alle sind sachlich geblieben“, beschreibt Annett Bode den Abend. Und die Eltern hätten sich viele Gedanken gemacht. Eine Mutter bilde zum Beispiel selbst Erzieher aus und schlug vor, Personal direkt am Ausbildungsinstitut zu suchen. Und auch alle anderen Eltern können helfen, indem sie sich umhören und weitererzählen, dass die AWO Erzieher für Brockwitz braucht. „Wir haben gesagt, dass wir mit ins Boot geholt werden wollen. Die AWO soll mit uns reden, egal wie schlecht die Nachrichten sind, damit sie nicht wieder so überraschend kommen“, so Annett Bode. Transparenz sei allen wichtig.

Weil im September zwei Mitarbeiter, die sich in der Probezeit befanden, gekündigt haben, fehlt seit Anfang des Monats Personal im Brockwitzer Hort. Zum 1. November sollten deshalb die Betreuungsverträge für 16 Viertklässler gekündigt beziehungsweise bis Januar stillgelegt werden. Ursprünglich hätte das noch viel mehr Kinder betroffen. Am Montag konnte aber eine Fachkraft, die für 32 Wochenstunden angestellt ist, neu anfangen. Und durch die Hilfe der Volkssolidarität gibt es nun eine weitere 32-Stunden-Kraft. Deshalb wird es bis Januar keine Kündigungen von Betreuungsverträgen geben. „Jetzt können wir erst mal aufatmen“, sagt Annett Bode. Auch wenn sie weiß, dass für die Zukunft Kündigungen nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden können. Denn arbeitslose Erzieher gibt es wenige, dafür umso mehr freie Stellen.

Laut Bundesagentur für Arbeit sind derzeit 700 freie Arbeitsstellen für Erzieher in Sachsen gemeldet. 290 davon fallen in den Agenturbezirk Dresden. Dem gegenüber stehen 390 arbeitslose Fachkräfte (68 im Bereich Dresden). „Seit 2008 hat sich die Zahl der gemeldeten freien Arbeitsstellen bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern für Fachkräfte in der Kindererziehung verdreifacht und die Zahl der Arbeitslosen in diesem Bereich um das Dreifache verringert“, erklärt Pressesprecher Frank Vollgold. Auch mit dem Blick auf die kommenden Jahre sehe er eine weiter gute Entwicklung in diesem Beruf. „Denn die Zahl der Geburten in Sachsen nimmt erfreulicher Weise Jahr für Jahr zu und gleichzeitig steigen auch die Betreuungsbedarfe durch die Zuwanderung.“ Um einen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten, bieten die Arbeitsämter und Jobcenter Umschulungen an. In den vergangenen zwei Jahren sind laut Frank Vollgold so 340 Männer und Frauen Erzieher geworden.

Etwa 2 000 Fachkräfte schließen in Sachsen jedes Jahr ihre Ausbildung ab. Laut Sächsischem Erzieherverband deckt das den Bedarf nicht. Denn schon jetzt ist Erziehermangel insbesondere in sächsischen Großstädten ein Thema. Wenn voraussichtlich ab Mitte 2019 die bezahlte Vor- und Nachbereitungszeit eingeführt wird, wird zusätzliches Personal benötigt.