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Personalmangel im Gefängnis

© Ronald Bonß

Jörn Goeckenjan ist neuer Leiter der Justizvollzugsanstalt in Dresden. Die derzeitige Personalstärke reicht nur noch für das Nötigste, sagt er.

Von Karin Schlottmann

Dresden. Die angespannte Personalsituation ist eine der größten Herausforderungen für die Justizvollzugsanstalt (JVA) Dresden. Die aktuelle Personalstärke genüge nur noch für das Nötigste, sagte der neue Leiter der Haftanstalt, Jörn Goeckenjan, am Montag während einer Feierstunde zu seiner Amtseinführung. „Jeder ungeplante Mehrbedarf sorgt für Lücken an anderer Stelle.“ Das Gefängnis ist mit derzeit 774 Gefangenen und 379 Mitarbeitern eines der größten in Ostdeutschland. Es sei eine Art „Gemischtwarenladen“, in dem Untersuchungshäftlinge, Strafgefangene mit lebenslanger Freiheitsstrafe sowie Sicherungsverwahrte untergebracht sind.

Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) sagte, übervolle Haftanstalten mit einem hohen Ausländeranteil und einer zunehmenden Zahl von drogenabhängigen Gefangenen prägen den Alltag im Vollzug. „Wir fahren an der Belastungsgrenze.“ Der Ausländeranteil sei in den vergangenen drei Jahren von 14 auf 28 Prozent gestiegen. Drei fest angestellte Dolmetscher für arabisch, russisch und georgisch sollen die Kommunikation erleichtern.

Ungeplanter Mehrbedarf entsteht beispielsweise durch zusätzlichen Bewachungsaufwand. Für jeden Gefangenen, der in einem Krankenhaus behandelt werde, müssten sechs Bedienstete rund um die Uhr zur Bewachung abgestellt werden, erläuterte Goeckenjan. Zurzeit seien 30 Mitarbeiter für eine Krankenhausbewachung eingeteilt.

Nach dem Selbstmord des Syrers Dschaber al-Bakr in der Leipziger JVA hat das Justizministerium die Bestimmungen für den Umgang mit islamistischen Straftätern verschärft. Rund-um-die-Uhr-Sitzwachen vor deren Zellen sorgen ebenfalls für einen erhöhten Bedarf an Mitarbeitern. Speziell gesicherte Hafträume sollen verhindern, dass die Gefährder sich selbst oder Mitarbeiter der JVA verletzen können.

Goeckenjans Vorgänger Ulrich Schwarzer war 37 Jahre lang in verschiedenen Justizvollzugsanstalten tätig. Er habe in dieser Zeit viele Veränderungen erlebt, sagte er. Das Verbot von Pfeffer und UKW-Radios in den Anstalten sei inzwischen gekippt worden, ebenso wie die Regelung, dass Gefangene nicht telefonieren dürften. Auch Fernsehgeräte in den Zellen wären früher undenkbar gewesen, sagte Schwarzer.