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Pestizide im Teich

Die Grünen im Landtag haben im Freistaat messen lassen: Am stärksten belastet ist ein Gewässer in Mittelsachsen.

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© Norbert Millauer

Von Peter Redlich und Tina Soltysiak

Döbeln. Glyphosat im Bier, im Wein und nun auch noch in Bächen und Seen – das Pflanzenschutzmittel bleibt umstritten. Die Grünen im Landtag haben Gewässer in Sachsen auf Rückstände von Pestiziden untersuchen lassen. Die Ergebnisse der Studie wurden am Montag veröffentlicht.

In insgesamt 17 Gewässern – Seen und Flüsse – haben die Tester gemessen. In lediglich fünf der 17 beprobten Gewässer wurden, laut der vom Umweltinstitut Leipzig durchgeführten Studie, keine Funde über der Nachweisgrenze festgestellt.

In zwölf Gewässern und damit besonders häufig wurde zudem das Pflanzengift Glyphosat sowie dessen Abbauprodukt Ampa nachgewiesen. Die höchste Glyphosat-Belastung sei mit 0,66 Mikrogramm pro Liter im Schlossteich Königsfeld bei Rochlitz im Nordwesten des Landkreises Mittelsachsen gemessen worden. „Der Schwellenwert für Pflanzenschutzmittel und Biozidprodukte liegt laut Grundwasserverordnung bei 0,1 Mikrogramm pro Liter“, erklärt Wolfram Günther, umwelt- und landwirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion. „Dieser Grenzwert wird im Schlossteich um mehr als das Sechsfache überschritten.“ Der gebürtige Leipziger Günther wohnt mittlerweile in Königsfeld.

Glyphosat wohl krebserregend

Glyphosat wurde von der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend“ für Menschen eingestuft. Die Ergebnisse der Studie seien deshalb für ihn alarmierend: „Sie lassen darauf schließen, dass eine Vielzahl sächsischer Kleingewässer mit Glyphosat oder dessen Abbauprodukt belastet ist.“ Die höchste Konzentration des Glyphosat-Abbauproduktes Ampa, welches ebenfalls menschliche Zellen schädigen kann, wurde mit 1,7 Mikrogramm je Liter in der Großen Röder nahe Radeburg im Landkreis Meißen nachgewiesen. Welche Wirkungen die Kombination verschiedener Pestizide auf Gesundheit und Ökosystem haben, sei bisher noch nicht ausreichend erforscht worden. „Diese Substanzen haben deshalb in Gewässern und speziell in Badeseen nichts zu suchen“, fordert Günther. Es ärgere ihn maßlos, dass ein unter Schutz stehendes Gewässer durch Schadstoffeinträge aus der Landwirtschaft verunreinigt wird. Damit würden Vögel sowie Insekten und Amphibien geschädigt.

Stehende Gewässer, speziell Badestellen, die sich aus dem Grundwasser speisen, werden vom Landratsamt untersucht. Allerdings schreibt der Freistaat nicht vor, sie auch auf Pestizide hin zu testen. Die Untersuchung der Wasserqualität ist auf mikrobiologische Parameter begrenzt.

Zur Unkrautbekämpfung kommt in der Landwirtschaft auch Glyphosat zum Einsatz. Über das Grundwasser gelangt dies in umliegende Gewässer. „Der Schwellenwert für Pflanzenschutzmittel und Biozidprodukte liegt laut Grundwasserverordnung bei 0,1 Mikrogramm je Liter Wasser“, so der Grünen-Abgeordnete Günther.

Im Altkreis Döbeln ist kein Gewässer untersucht worden, obwohl hier zahlreiche Naturschutzgebiete existieren, durch die auch kleinere Gewässer fließen. Der DA wollte wissen, weshalb. Günther war bis zum Redaktionsschluss aber nicht zu erreichen.