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Pesto im Zentralgasthof

Die Pesto- und Nudelmanufaktur braucht mehr Platz und steht vor einem Umzug. Der bisherige Pächter am Kirchplatz hört auf.

© Arvid Müller

Von Ines Scholze-Luft

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Weinböhla. Ein eingängiger Italiensong erklingt, im Geschäft duftet es verführerisch. Christian Prohl hat gerade ein Catering vorbereitet – Alltag in der Pesto- und Nudelmanufaktur Pestorado auf der Friedensstraße in Weinböhla. Doch nicht mehr lange. Denn die Manufaktur zieht um, in größere Räume, wie Melanie Prohl lächelnd erklärt.

Zusammen mit ihrem Mann hat sie das Unternehmen im Jahr 2014 hier gegründet. Seitdem erfreuen sich ihre Produkte – inzwischen rund 50 Pasta- und etwa 20 Pestosorten – zunehmender Beliebtheit, mit Kunden weit über die Ortsgrenzen hinaus. Was sich auf die Produktion auswirkt. Sie steigt, im vergangenen Jahr wurde eine zweite Nudelmaschine angeschafft, der Platz für die Herstellung wird knapp, ebenso fürs Lagern von Rohstoffen und Erzeugnissen. Pestorado betreibt neben dem Laden einen Onlinehandel, beliefert Feinkostgeschäfte sowie andere Händler.

Dass sie gemeinsam mit einer Mitarbeiterin ein solches Mammutprogramm bewältigen, erklären die Manufakturisten mit ihrer Leidenschaft für die Arbeit, die ihnen vor allem Spaß macht, wie sie betonen. Das dürfte auch beim nächsten Schritt wichtig sein, beim Umzug in den Zentralgasthof. Schon lange hatten sich Prohls wegen der beengten Verhältnisse nach etwas Neuem umgeschaut. In Weinböhla wollten sie bleiben, waren dazu auch mit Bürgermeister und Gemeinderäten im Gespräch.

Dann erfuhren sie, dass der bisherige Pächter im Zentralgasthof aufhört. Schade für Weinböhla, sagt Melanie Prohl. Für die Manufaktur ist das historische Haus in zentraler Lage ein Glückstreffer.

Dort wollen Prohls das Manufakturkonzept weiter ausbauen. Immerhin haben sie am Kirchplatz fast die vierfache Fläche zur Verfügung, 420 Quadratmeter statt jetzt 140. Beide freuen sich auf den Schaubereich, wo der interessierte Betrachter die Nudelmaschine in Aktion sehen kann und wie die Nudeln getrocknet werden. Nämlich, anders als bei industrieller Herstellung, sehr langsam, bis zu 30 Stunden, und bei Raumtemperatur, das wirkt sich auf Inhaltsstoffe und Geschmack aus. Ein ganz anderer Biss, sagt Christian Prohl.

Außerdem erfahren Besucher, wo die Rohstoffe herkommen. Das Getreide aus Sachsen und Sachsen-Anhalt. Emmer beispielsweise aus der Gegend um Grimma, Wurzen, Leipzig, Hartweizengrieß von Sachsen-Anhalt. Lieferant ist die Dresdner Mühle. Und weil die Pesto- und Pastaspezialisten, wo immer es geht, Regionales verwenden wollen, stammen nicht zuletzt die Kräuter fürs Pesto ganz aus der Nähe. Vom Radebeuler Gartenbau Kießlich. Da auch die Saison eine Rolle spielt, gibt es Basilikum-Pesto erst wieder im Sommer.

Ein Großteil der Restaurantfläche im Zentralgasthof wird künftig Laden, denn die Manufaktur mit Nudel- und Pestoproduktion sowie Verkauf bleibt Schwerpunkt. Der Gesellschaftsraum ist für Familien- und Firmenfeiern, für Themenabende, Pestoverkostungen und Reisegruppen gedacht – Anfragen gibt es bereits. Ein Restaurant im vorherigen Sinne entsteht Melanie Prohl zufolge nicht. Dafür die Winzerstube mit etwa 20 Plätzen. In Anlehnung an die einst beliebte Kutscherstube. Statt wie früher Bockwurst und Bier gibt es dann kleine mediterrane Spezialitäten, Nudelsalate, Ciabatta mit Pesto. Plus Wein aus der Region und aus Italien.

Zu dem Land hat das Ehepaar eine besondere Verbindung. Wir sind leidenschaftliche Italienliebhaber, lieben Küche, Lebenskultur, Landschaft, sagt Christian Prohl. Vor allem die Gegend in den Bergen am Gardasee hat es ihnen angetan. Da versuchen sie wenigstens einmal im Jahr hin- zufahren, haben schon viele Ideen mitgebracht und halten engen Kontakt zu ihren dortigen Lieferanten von Weinen, Grappa und Ölen.

Die Liebe zu Italien hat Prohls – seit 2002 in Weinböhla daheim – zu ihrem Pestorado gebracht. Den gelernten Koch Christian, der 25 Jahre in der Gastronomie arbeitete. Und Melanie, studierte Betriebswirtschaftlerin, die als selbstständige Unternehmensberaterin tätig war, IT-Projekte für Großkonzerne geleitet hat. Und sich heute unter anderem um Vermarktung und Onlineshop kümmert. Sie ergänzen sich, sind zu zweit sehr flexibel und sich einig: Unser Leben ist Pesto und Pasta.

Das wollen sie nun verstärkt auch beim Catering zeigen. Die komplett eingerichtete, viel größere Küche im Zentralgasthof bietet da noch viel mehr Möglichkeiten. Wegen so mancher Geburtstags- und Hochzeitsfeier wurde schon angefragt. Umso gespannter wird jetzt der Umzug erwartet. Und vor allem die Eröffnung am 25. März.