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Pfadfinder ziehen durch die Oberlausitz

In Berthelsdorf haben 80 junge Leute aus Schleswig-Holstein ihr Lager aufgeschlagen. Das Treiben lockt auch Neugierige an.

Von Andreas Herrmann

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Richtig weite Strecken haben die Jungs und Mädels in den grünen Hemden mit zahlreichen bunten Stoffabzeichen und natürlich dem Pfadfinderhalstuch schon zurückgelegt. Seit dieser Woche stehen ihre Koten – wie die Zelte bei den Pfadfindern heißen – und größere Jurten auf den Wiesen am Berthelsdorfer Zinzendorfschloss. Durchhalten in freier Natur ist Programm, und so ging es Mitte der Woche bis hinter Bautzen zum Kloster Marienstern, an die Blaue Lagune am Berzdorfer See und an den Olbersdorfer See bei Zittau. Zu Fuß natürlich, mit Entfernungen bis zu 55 Kilometern und Übernachten im Wald oder sonst irgendwo im Freien.

Für einige waren diese Märsche gleichzeitig der Test zum goldenen Wolfskopf, der anspruchsvollsten Prüfung bei den Pfadfindern. Eine der Aufgaben: Der Prüfling muss sich von einem ihm unbekannten Ort zurück zum Lager finden – mithilfe von Kompass und Karte. Fragen nach dem Weg ist erlaubt. Und deshalb, so einer der Pfadfinderleiter, war die Wolfskopf-Prüfung in der Oberlausitz für die Schleswig-Holsteiner auch einfacher als die, die er selbst einst im benachbarten Dänemark machte. Dort hätten die Leute nämlich seine Fragen nach dem Weg nicht verstanden.

Die Strapazen der Wolfskopf-Prüfung haben allerdings nur die Älteren auf sich genommen. Für die Kleineren gibt es ein Programm mit Ferienlager-Atmosphäre. Tjark Wolter und Mia-Eileen Kunst zum Beispiel hat es im Herrnhuter Waldbad sehr gefallen. Mit fast 60 Leuten waren die Pfadfinder in dem kleinem Bad eingerückt. Zoe Klaussen freut sich darüber, dass so viele Leute aus der Umgebung des Schlosses am Lager vorbeikommen. Sie hat in Berthelsdorf neue Freunde aus der eigenen Heimat gefunden, denn die Pfadfinder kommen aus vier verschiedenen Orten in Schleswig-Holstein – Aukrug, Boostedt, Brokstedt und Bugenhagen – und kannten sich zuvor auch untereinander noch nicht vollständig.

Für Joshua Prigge war es schon das dritte Sommerlager bei den Pfadfindern. Allerdings habe es bei den vorhergehenden kein so praktisches Schloss gleich neben dem Zeltlager gegeben. Die unteren Räume im Zinzendorfschloss findet er prima, weil hier nicht nur die Küche ist, sondern auch ein großer Aufenthaltsraum. Und ein Unterschlupf, wenn es regnet. Geregnet hat es in den vergangenen Tagen zwar häufig, dem Pfadfinderlager hat das aber nichts anhaben können. Regen macht den Koten nichts aus. Sie sind trocken, eine Isomatte reicht. Außer man drückt sich gegen die Kotenwand, dann kann Feuchtigkeit durchkommen. Das sehen auch die Leiter so. „Als wir ankamen, war tolles Wetter, sonst durchwachsen, etwas windig, aber für Pfadfinder gerade recht“, sagt Merle Lütt.

Ein Stück östliches Deutschland

Abends wird dann am Lagerfeuer auf Deutsch und Englisch gesungen. Es gibt Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen. Eine anspruchsvolle Aufgabe bestand zum Beispiel darin, eine zum Puzzle gestaltete Luther-Rose aus Holz, deren Teile im Wald verstreut waren, zusammenzusetzen. Die Luther-Rose ist ein Symbol der evangelisch-lutherischen Kirchen. Sie war das Siegel, das Martin Luther ab 1530 für seinen Briefverkehr verwendete. Diese Aufgabe kam nicht von ungefähr, denn bei den Pfadfindern, die sich diese Woche an Zinzendorfs Schloss eingefunden haben, handelt es sich um christliche Pfadfinder, die ihren Namen von den Heiligen „Christophorus“ – einem frühchristlichen Märtyrer, der als Schutzheiliger der Reisenden gilt – und „Bartholomäus“, einem Jünger Jesu, herleiten.

Deshalb steht das Sommerlager ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums und wird von der Nordkirche unterstützt, weiß Leiter Leopold Oeffner. Er selbst war vor einigen Jahren schon einmal in Berthelsdorf, fand Kontakt zur Pfarrfamilie
Taesler und wollte, dass viele Kinder und Jugendliche aus Schleswig-Holstein das Schloss mit der Geschichte vom Grafen Zinzendorf und ein Stück östliches Deutschland in ihren Sommerferien kennenlernen. Am Sonntag gibt es noch einen Pfadfindergottesdienst, 10 Uhr in der Berthelsdorfer Kirche, unter dem Thema „Mit Gott durchs Leben“, bevor sie am Montag nach dem Frühstück wieder abreisen.