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Pfarrer haben künftig weitere Wege

Löbau-Zittau wird in drei große Gebiete gegliedert. Mitarbeiter werden in der Nähe, aber nicht mehr in jedem Ort sein.

© dpa

Von Gabriel Wandt

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Die eigenen vier Wände sind eines der größten Projekte im Leben. Am 16. November können Interessenten die vier entstehenden Doppelhäuser auf der Landheimstraße besichtigen.

Region. Im Jahr 2040 wird die evangelische Kirche in Löbau-Zittau nur noch gut ein Drittel der Mitglieder haben, die ihr heute angehören. Das hat Folgen, auch wenn die Kirche sprichwörtlich im Dorf bleiben soll. Die 30 Kirchgemeinden zwischen Kittlitz und Lückendorf sollen deutlich enger zusammenrücken: Für die Zukunft sind noch drei große Regionen in Löbau-Zittau geplant, die dann Kirchspiel heißen und in denen viel Arbeit der einzelnen Gemeinden zusammengefasst werden soll. So skizzieren es Superintendentin Antje Pech und Kirchenmusikdirektor Christian Kühne. Sie gehören im Kirchenbezirk zu einer Arbeitsgruppe, die sich überlegt hat, wie die Gemeinden künftig strukturiert werden könnten. Vorlage dafür sind Regeln, die die sächsische Landeskirche und die Evangelische Kirche in Deutschland seit Jahren im Blick haben: Gemeinden sollen in Zukunft mindestens 4 000 Mitglieder haben, um Pfarrer, Gemeindepädagogen, Kirchenmusiker und Verwaltungsleute zu finanzieren. In Löbau-Zittau gilt diese Mitgliedergrenze künftig pro Kirchspiel. Diese sollen jetzt ziemlich zügig entstehen, erläutert Superintendentin Pech den Fahrplan. Die Mitarbeiter in den Gemeinden haben ein Jahr Zeit, sich in ihren künftigen Zuschnitten zusammenzufinden. Schon im Januar 2018 sollen sie sich überlegt haben, wie sie sich aufstellen wollen. Ab 2019 soll die neue Struktur umgesetzt werden.

Wo weniger Christen leben, wird es auch weniger Pfarrer und andere Mitarbeiter geben. Frau Pech und Kirchenmusikdirektor Kühne beziehen sich dabei auf ein Papier, das von kirchlichen Mitarbeitern aus ganz Sachsen erarbeitet wurde:

Weniger Angestellte zu haben bedeutet, dass hauptamtliche Mitarbeiter einer Kirchgemeinde weniger Aufgaben erledigen können. Sie werden künftig noch deutlich mehr Unterstützung von Ehrenamtlichen brauchen, als das heute der Fall ist.

Weniger Aufgaben erledigen zu können bedeutet, die Prioritäten neu zu setzen. Nicht überall müsse es die gleichen Angebote geben, meint Kirchenmusikdirektor Kühne. In Spitzkunnersdorf haben sich beispielsweise politische Gespräche in der Kirche etabliert. Daraus könnten die Christen dieser Region einen Schwerpunkt machen. Zudem soll die Verwaltung in den Kirchspielen auf einen Ort konzentriert werden.

Weniger Angebote bereithalten zu können bedeutet einerseits zu prüfen, welche Gruppen und Kreise wirklich die Menschen erreichen oder wo nur Einzelne teilnehmen. Es wird auch bedeuten, Christenlehregruppen beispielsweise jahrgangsübergreifend zusammenzufassen.

Ein Rückzug solle aus all dem aber nicht werden, betont Frau Pech. Trotzdem wird es im Jahr 2040 pro Kirchspiel nur noch drei Pfarrstellen geben. Derzeit sind es in Löbau-Zittau noch fast 26. Geleitet werden Gemeinden und Kirchspiele ähnlich wie heute: durch Kirchvorstände. So soll es einen Kirchspielvorstand und Kirchgemeindevertretungen geben. Das Ausgestalten der neuen Kirchspiele soll den Gemeinden und Kirchvorständen „in großer Freiheit“ überlassen werden, erklärt Frau Pech. Manche solcher Entscheidungen seien von selbst schon getroffen worden, erläutert Christian Kühne. So haben sich in Leutersdorf und Seifhennersdorf bereits die Kirchenchöre zusammengetan, um weiterhin singfähig zu bleiben. „Da ist schon viel in Bewegung“, ist er überzeugt.

Für die Christen vor Ort heißt das auch, sich stärker selbst mit einzubringen. Andersherum sollen kirchliche Angestellte entlastet werden, statt immer mehr leisten zu müssen. In anderen Bereichen wie Musikschule, Tierpark oder Kino sei es auch normal, für ein tolles Angebot ein Stück Weg zurückzulegen, so die Superintendentin. Das wird bei der Kirche bald ähnlich sein. Welche Schwerpunkte die jeweiligen Gemeinden setzen wollen, um auch aus der Umgebung Christen anzulocken, sollen sich deren Mitglieder nun überlegen. Wie das konkret aussehen soll, wird zudem im neuen Jahr in Gemeindeversammlungen vorgestellt.

Informations-Versammlungen zur neuen Struktur finden in allen drei künftigen Kirchspielen statt: Am 31. Januar Lutherhaus Neugersdorf, am 2. Februar Kirchgemeindesaal Zittau, am 9. Februar Diakonatssaal Löbau. Beginn der Runden ist jeweils 19.30 Uhr.