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Sebnitz

Geheimversteck unterm Dach

Im Pfarrhaus in Oberottendorf gehen die Bauarbeiten in die letzte Runde. Ein düsteres Geheimnis des Gebäudes konnte noch nicht gelüftet werden.

Pfarrer Wolfram Albert (links) und Planerin Uta Hilmes vor dem Pfarrhaus in Oberottendorf.
Pfarrer Wolfram Albert (links) und Planerin Uta Hilmes vor dem Pfarrhaus in Oberottendorf. © Daniel Schäfer

Pfarrer Wolfram Albert könnte eigentlich mit seiner Frau bereits seinen Ruhestand genießen. Ende letzten Jahres wäre Schluss gewesen. Seine Kirchgemeinden Bühlau, Lauterbach und Oberottendorf wären in den umliegenden Gemeinden Neustadt und Stolpen aufgegangen. Doch vieles ist noch unklar. Deshalb hat er sich entschlossen, noch ein Jahr dran zu hängen. 

Und das hat sein Gutes. Der Pfarrer kann sein letztes Bauprojekt in seiner Amtszeit noch bis zum Schluss begleiten: die Sanierung des Pfarrhauses in Oberottendorf, einem Ortsteil von Neustadt. Damit erfüllt er praktisch einen Wunsch der Kirchgemeinde und rettet damit das älteste Haus im Dorf.

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Bis in das erste Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts konnte die Gemeinde zurückverfolgen, dass das Haus immer im Besitz der Kirche war. Das sei heute nicht mehr selbstverständlich. Und 2012 stand das tatsächlich auf der Kippe. Da stellte die Landeskirche die Frage, ob das Haus verkauft werden soll oder nicht. 

Die Kirchgemeinde hatte sich damals entschieden, den langen Weg der Sanierung zu gehen.  "Hätte das Pfarrhaus tatsächlich verkauft werden müssen, hätte die Gemeinde ein Stück Identität, ein Stück Geschichte und eben auch viele Angebote verloren", sagt der Pfarrer. Damit man in der Kirchgemeinde auch erfuhr, wie ernst es um das Haus steht, hatte er im Herbst 2012 zum Tag der offenen Tür eingeladen. Viele Mitglieder der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Lauterbach-Oberottendorf und andere Neugierige waren gekommen, um das Haus zu inspizieren und um letztlich auch zu entscheiden, was nun mit dem Gebäude passieren soll.

Lange Diskussionen brauchte es nicht. Man hatte sich damals für den Erhalt des Pfarrhauses ausgesprochen. Dafür gab es unter anderem Zuschüsse aus dem Leader-Förderprogramm. Darüber hinaus wurden auch Spenden gesammelt, auch ein Zeichen, wie wichtig das Gebäude der Kirchgemeinde ist. Im Pfarrhaus finden im Winter die Gottesdienste statt, weil die Kirche nicht beheizt werden kann. Hier trifft sich der Gemeindekreis, und die Kinder von Nieder- und Oberottendorf erhalten hier Konfirmandenunterricht. 

Ein dunkles Geschichts-Kapitel hat das Gebäude aber auch. In der Nazi-Zeit wurde es als BDM-Heim (Bund deutscher Mädchen) genutzt. Im Ort kann sich das heute niemand erklären, und auch der Pfarrer weiß nicht, weshalb das so gekommen war. Unterm Dach hat er eine Hakenkreuzfahne gefunden. Vermutlich wurde diese bei Kriegsende auf den Dachboden versteckt. Inzwischen befindet die sich im Stadtmuseum.

2015 wurde mit dem Ausbau und der Sanierung des Gebäudes begonnen, das Dach machte den Anfang. Zwei Jahre später schloss sich die Sanierung des Wohntraktes an, und nun steht der Ausbau der Erdgeschosses, sozusagen als finaler Akt, an. 

Hier soll sich das Gemeindeleben abspielen. Auch wer nicht Mitglied der Kirche ist, kann an den Veranstaltungen teilnehmen. Das Haus ist offen für alle. So hat sich zum Beispiel im Frühjahr ein Frauenkreis ohne kirchliche Bindung gegründet. Der wird sich hier treffen. Nach Fertigstellung soll es auch eine Mutter-Kind-Baby-Gruppe geben. Und die positive Nachricht für die Besucher von Konzerten in der Kirche nebenan: Das Schlangestehen vor der einzigen Toilette hat dann ein Ende. Das Pfarrhaus bekommt neue Sanitäranlagen.

Es bleibt ein altes Gemäuer

 Was so einfach klingt, ist baulich betrachtet ein schwieriges Unterfangen. Planerin Uta Hilmes  kennt sich mit alten Gemäuern aus und hat auch für Oberottendorf eine passende Variante gefunden. Das Haus bleibt in seiner Grundstruktur erhalten. Problematisch sind die feuchten Wände. Trockengelegt muss das Haus aber nicht werden. Sanierputz und eine mineralische Farbe reichen aus. Die Wände sollen atmen können. Auch für den unebenen Fußboden gibt es eine Lösung. Er bleibt so wie er ist. "Das Haus ist alt. Das kann man ruhig auch am Fußboden sehen", sagt sie. 

Erneuert werden die Fenster und die gesamte Elektrik sowie die Regenentwässerung. Danach werden eine Küche und die Sanitäranlagen eingebaut. Spätestens im Oktober soll alles fertig sein. Eigentlich wollte man schon weiter sein, aber auch auf dieser Baustelle ist es coronabedingt zu Verzögerungen gekommen.

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