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„Pfeffi“ und „Zitro“ sind wieder in aller Munde

Wiederkehr. Das in der DDR bekannte Bonbon lief einst in Leipzig vom Band – heutzutage kommt es aus Bayern.

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Von Heike Baldauf

Der Sachse Wilfried Opitz (65) lutscht ein Bonbon. Nicht irgendeins. Generationen von DDR-Bürgern sind mit ihm groß geworden. Als „Pfeffi“ und sein saures Pendant „Zitro“ zwischen Ostsee und Erzgebirge in aller Munde waren, leitete Opitz den Konsum-Bonbon-Spezialbetrieb Konsü in Markkleeberg.

1974 verließen 830 Tonnen der Komprimate das Werk, 1989 waren es doppelt so viel. „Die Nachfrage war stets höher“, erzählt der Ingenieur. Die Betriebsschließung im Februar 1992 traf ihn „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“. Der Mann mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung wurde arbeitslos, wie auch seine 350 Kollegen. Doch die „Pfeffis“ ließen ihn nicht los.

Eine Marke wird wiederbelebt

Hunderte Kilometer weiter südlich, im bayerischen Stephanskirchen, schlüpft Rainer Hoffmann (65) in einen Kittel. Seit mehr als 50 Jahren produziert sein Familienunternehmen Kleinigkeiten, die den Alltag versüßen: Lutscher, Drops, Brausebonbons. In einer früheren Kaserne sind 50 Mitarbeiter damit beschäftigt, zuckrige Ideen umzusetzen. Darunter eine, die kribbelt auf der Zunge: „Prickel-Pit“, ein Erzeugnis der Pit-Süßwaren-und Nährmittelfabrik GmbH & Co. KG.

Auf der Suche nach einem Hersteller für seine „Pfeffis“ traf Opitz, der Bonbonmacher aus dem Osten, auf den Süßwarenspezialisten Hoffmann aus dem Westen. 1998 wagten sie die Wiederbelebung einer Marke. „Wir brauchten nicht lange, um festzustellen: ‚Prickel-Pit‘ und ‚Pfeffi‘ haben in ihrer Beliebtheit und Herstellung viel gemeinsam,“ erzählt Opitz. Für die Produktion musste sein neuer Partner nicht einmal die Maschinen umrüsten. Dennoch war das Projekt ein Wagnis. „Wir wussten nicht, wie der Handel reagiert“, sagt Hoffmann.

Bevor das Granulat bei den Hoffmanns zu „Pfeffis“ werden konnte, recherchierte Opitz die Rezeptur. Bei Kollegen, Nachbarn, Freunden. „Schmeckt es so wie früher?“, wollte er wissen. Seither ist er der „Pfeffi-Mann“. Eine Bezeichnung, auf die er stolz ist. „Ohne mich hätte Pfeffi nicht überlebt.“ 1996 hatte er sich die Namen „Pfeffi“ und „Zitro“ markenrechtlich schützen lassen. 2000 gelang „Pfeffi“ ein tolles Comeback auf der Süßwarenmesse in Köln. Von März bis Juni 2000 gingen 2,5 Millionen Stangen in Ostdeutschland über den Ladentisch. Das überraschte selbst die Stephanskirchner. Opitzs Firma, die Pfeffi Plus e.K. in Beucha bei Leipzig wurde eine Außenstelle des bayerischen Unternehmens. Von dort aus gelangen Aufträge nach Stephanskirchen. Opitz ist am Pfeffi-Umsatz beteiligt.

Jahresproduktion: 120 Tonnen

Mittlerweile haben auch große Handelsketten die „Pfeffis“ ins Sortiment genommen. Die Jahresproduktion beträgt 120 Tonnen. Nach Angaben der Pit-Süßwarenfabrik liegt der Bekanntheitsgrad im Osten bei 100 Prozent, in den alten Bundesländern bei 15 Prozent. Tendenz steigend. Dafür sorgen die Stephanskirchner und der Ostdeutsche Opitz. Für einen Fernsehspot sei das Budget zu klein, dafür gibt es Aktionen wie die im Leipziger Zentrum. Dort leuchtet „Pfeffi“ in den schönsten Grüntönen von einem Gebäude am Hauptbahnhof.