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Pferdebahn lockt Neugierige an

Der letzte offizielle Fahrtag hat dem Traditionsverein viel Arbeit beschert – und zufriedene Gäste. Die gönnen sich mit der Fahrt zunehmend etwas Besonderes.

© Dietmar Thomas

Von Heike Heisig

Döbeln. Vor Jahren hat Daniel Federley irgendwo einmal etwas über die Döbelner Pferdestraßenbahn gelesen. Vor einem Monat erinnerte sich der 40-Jährige daran, stöberte auf der Internetseite der Döbelner Pferdebahn und fand den vergangenen Sonnabend als letzten Fahrtag in diesem Jahr. Da will ich dabei sein, sagte sich Federley. Nur, dass er dafür nicht mal kurz ins Auto, sondern in den Flieger steigen musste. Der Straßenbahnfan wohnt in Finnlands Hauptstadt Helsinki, ist am Donnerstag noch Berlin geflogen und dann erst nach weiteren sechs Stunden – wegen der Einschränkungen durch Sturmtief Xaver – in Döbeln eingetroffen.

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Am Sonnabend gehörte die Aufmerksamkeit des Finnen und vieler weiterer Besucher der Pferdestraßenbahn. Die hatte ihren letzten offiziellen Fahrtag, weshalb es dafür eine Reihe Reservierungen gab. Auch für die nächsten Wochen nimmt Marlies Micklich im Pferdebahnmuseum noch Wünsche nach Sonderfahrten entgegen. Die kosten wie die gut angenommenen Glühweinfahrten mehr als reguläre Sonnabendtouren.

„Doch das geben zum Beispiel Firmenchefs gern aus, die ihren Mitarbeitern etwas Besonderes bieten wollen“, sagt Jörg Lippert. Er steht dem Traditionsverein Döbelner Pferdebahn seit dem Frühjahr vor. Die gut gefüllten „Auftragsbücher“ freuen ihn sowohl für seine Mitstreiter als auch für das Vereinskonto. Denn immerhin müssen mit den Einnahmen der Fahr- und der Betrieb des Pferdebahnmuseums am Niederwerder gesichert werden.

Das ist zeitweise kein Kinderspiel. Denn in beidem – Bahn und Museum – steckt mehr Arbeit, als auf den ersten Blick zu sehen. „Ohne unsere zuverlässigen und fleißigen Rentner und die anderen Helfer könnten wir das alles nicht bewältigen“, gibt Lippert zu. Er selbst leitet noch einen Verein in Leisnig, hat berufliche Verpflichtung. Daher müsse vieles ohne ihn funktionieren. Von den rund 80 Mitglieder sind etwa ein Dutzend überaus aktiv. Anders geht es nicht. Um einen Fahrtag abzusichern, braucht es mindestens fünf Leute, die die Fahrten vorbereiten, „Kutscher“ Mario Lommatzsch und Zugpferd „Elmo“ begleiten und zum Schluss die Absperrungen abbauen und im Depot klar Schiff machen.

Für die Mitglieder sei die angezogene Resonanz nach einer Flaute im Vorjahr die schönste Anerkennung ihrer Arbeit. Von der ist Daniel Federley neben dem Erlebnis Pferdebahnfahren total angetan. „Ich habe im Museum eine Menge Informationen über die verschiedenen Bahntypen bekommen“, erzählt er in fast perfektem Deutsch. Dabei lobt er, wie sich die Vereinsmitglieder um die Besucher im Museum gekümmert haben. „Ich habe mich sofort willkommen- und wohlgefühlt“, so der Finne.

Für Gudrun Berger war die Fahrt mit der Pferdebahn Teil einer Nostalgiereise an Orte ihrer Kindheit. Die Rentnerin lebt jetzt in Weimar, als Kind hat sie in Döbeln gewohnt. Sie kann sich noch gut an die Pferdebahn-Erzählungen ihrer Mutter erinnern – und an ein Kaufhaus in der Fronstraße. „Da quietschten die Dielen immer so“, erzählt Gudrun Berger. Vor ihrer Fahrt mit der Pferdebahn hat sie sich ihre alte Schule in Großbauchlitz angeschaut. Am Abend besuchte sie mit Verwandten aus Waldheim eine Premiere im Döbelner Theater.

Eine Nostalgiereise, die bieten die Traditionsvereinsmitglieder den Döbelnern und Gästen seit 2007 an. Auf 750 Metern Gleisen geht es in einem originalen Wagen auf der alten Trasse durch ein Stadtzentrum – Jörg Lippert ist sich sicher, dass es genau das kein zweites Mal in Deutschland, in Europa, vielleicht sogar weltweit gibt. Gewiss, anderswo sind auch noch alte oder auf alt getrimmte Bahnen unterwegs. Aber nicht in der Döbelner Konstellation. Mit einer geschickteren Vermarktung dieses Alleinstellungsmerkmals könnte noch viel mehr für Döbeln erreicht werden. „Wir als Verein sind dabei“, sichert Lippert zu.

www.doebelner-pferdebahn.de