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Pfleger und Ärzte fordern mehr Zeit für Patienten

120 Klinik- und Heim-Mitarbeiter protestieren in Bautzen – und zeigen Gesundheitsminister Jens Spahn ihren Frust.

Pfleger und Ärzte protestieren: Durch viele Schreibarbeiten fehlt ihnen Zeit für Patienten. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat eigentlich gar keine Chance. Er muss sich die Sorgen der Protestierenden einfach anhören, denn kaum ist sein Auto vorgefahren, drängen sie auch schon vor seine Tür. Seit zwei Stunden warten sie nun schon auf ihn. „Herr Spahn“, rufen sie, versuchen seine Aufmerksamkeit zu erlangen. „Es ist doch wichtig, dass wir unsere Arbeit machen, Herr Spahn“, sagt ein Demonstrant, der sich dem Bundesgesundheitsminister als Arzt vorstellt. Es ist doch nicht richtig, „dass wir jeden kleinen Mist dokumentieren müssen“, sagt er. Die Protestierenden tröten und johlen. „Mein Traumberuf war Krankenschwester, nicht Schreibkraft“, ruft eine Frau aus dem Hintergrund. Ein Pfleger ärgert sich über die schlechte Bezahlung der Fachleute.

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Viel hat sich hier angestaut in den vergangenen Jahren, die Pfleger und Ärzte fühlen sich überlastet. An diesem Mittwochabend lassen Bedienstete des Bautzener Klinikums und von umliegenden Pflegeheimen ihrem Frust Luft. Etwa 120 von ihnen sind laut Polizei gekommen, über den Abend füllt sich der Platz vor der Mehrzweckhalle am Schützenplatz.

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Es fehlt Personal

Auch die Pflegepersonaluntergrenzen sind hier ein Thema. Laut einem neuen Gesetz muss es eine Mindestzahl an Pflegkräften geben, die sich um eine bestimmte Menge Patienten oder Pflegebedürftige kümmert. Die Demonstranten erklären dem Minister, dass dem Krankenhaus das Personal fehlt. „Zum 1.1. ist ein neues Gesetz in Kraft getreten“, erklärt der Minister den Demonstrierenden mit hoher Stimme. Das Gesetz sieht vor, „dass zusätzliche Pflegekräfte bezahlt werden.“ Einige der Protestierenden brechen ihn höhnisches Gelächter aus.

Jens Spahn hört sich an, wie sie erzählen, dass bei ihnen die Personaluntergrenze nicht oder nur schwer erfüllt werden kann und ihnen diese Probleme bereitet, weil dadurch im Zweifel weniger Patienten aufgenommen werden können. „Hier sind Sie in Bautzen, in einer ländlichen Region“, sagt eine Demonstrantin. Dem hat Spahn wenig entgegenzusetzen. „Ich muss ja irgendwo mal anfangen“, verteidigt sich der Minister. „Sie müssen mir dann auch ein bisschen helfen“, spielt er den Ball zurück. „Denn eure Verbände fordern in Berlin, dass ich die Gesetze schärfer mache.“ Er beendet das Gespräch, aber noch viele Fragen scheinen offen. Die Demonstrierenden rufen durcheinander. (SZ/the)