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Pfusch am Kulturpalast

Die Planungen waren schlampig, deshalb sind Nachschläge in Millionenhöhe fällig. Die Rechnungsprüfer rechnen ab.

© Sven Ellger

Von Andreas Weller

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Ein aus dem Ruder laufendes Finanzsystem verunsichert viele. Wem ist es schon gelungen, Schulden mit Schulden zu bezahlen, ohne am Ende insolvent zu sein?

Es sind nicht nur die Nachforderungen der Baufirmen, die die Kosten für den Umbau des Kulturpalastes explodieren lassen. Ein vertraulicher Bericht der Rechnungsprüfer aus dem Rathaus deckt auf: Es wurde gepfuscht, falsch geplant, teuer gefeiert und viel mehr verbaut als geplant. Konkret geht es um die Nachforderung von knapp sieben Millionen Euro vom Dezember. Mittlerweile wurden weitere gut vier Millionen Euro Zusatzkosten vom Stadtrat bewilligt. Aber das ist wohl noch lange nicht das Ende. Was die Prüfer enthüllen:

Ausschreibung ohne Untersuchungen

Allein der Rohbau kostete gut 3,3 Millionen Euro mehr als geplant. Laut den Rechnungsprüfern liegt es daran, dass das Gebäude „nicht, beziehungsweise nicht ausreichend“ hinsichtlich Schäden oder Mängeln untersucht wurde. Dennoch wurden die Rohbauarbeiten aufgrund von Schätzungen ausgeschrieben, obwohl einzelne Planungen noch nicht durchgeführt worden waren. In der Folge mussten zusätzliche Arbeiten außerhalb der üblichen Ausschreibungsverfahren vergeben werden, was es besonders teuer machte.

Doppelte Planungen

Für die Planung für das Tragwerk waren 1,7 Millionen Euro vorgesehen, tatsächlich kostete sie 2,6 Millionen Euro. Die Prüfer stellen in dem Bericht fest, dass umfangreiche Änderungen notwendig waren, weil mehrfach unvollständige Pläne vorgelegt worden waren. So wurden Schallpläne erstellt, obwohl noch gar nicht festgelegt war, wie der Bau genau ausgeführt wird. „Wiederholungsplanungen waren die Folge“, heißt es im Bericht. Außerdem entdeckten die Prüfer eine vorgezogene statische Berechnung für Gebäudeteile, die gar nicht vorgesehen war.

Mit Preisen von 2011 gerechnet

Im Budget ebenfalls nicht enthalten waren schlichte Kostensteigerungen. Denn der Kulti-Umbau wurde 2011 berechnet. Baupreise steigen laut statistischem Landesamt jedes Jahr um etwa 2,9 Prozent. Zum Baubeginn 2015 waren diese bereits um neun bis zwölf Prozent teurer.

Auf der Baustelle die Hälfte vergessen

Laut Budget sollte die Einrichtung der Baustelle 1,4 Millionen Euro kosten, real wurden aber knapp 2,5 Millionen Euro fällig. Der Grund laut Prüfbericht: Containergebäude, Lastenaufzüge, Bauaufzüge, eine Schrankenanlage, Heizkosten für den Winter und das Umsetzen der Baustelleneinrichtung für die Baufreiheit wurden schlicht vergessen.

Für 142 000 Euro gefeiert

„Außergewöhnlich hohe Kosten“ attestieren die Prüfer für die Grundsteinlegung, das Richtfest und die Baustellenkonzerte. Insgesamt fielen dafür 142 410 Euro an. Doch diese Kosten waren in den Planungen gar nicht vorgesehen. Dann merken die Prüfer noch an: „Mit weiteren ungeplanten Kosten für die Eröffnungsfeierlichkeiten ist zu rechnen.“

Vergabe an Firma, die es nicht kann

Satte 860 000 Euro kosteten die Estricharbeiten. Davon waren knapp 200 000 Euro unnötig, stellen die Prüfer fest. Denn der Auftrag wurde an ein Unternehmen gegeben, das Arbeiten in dem Umfang gar nicht leisten konnte. Bei der Ausschreibung sollten die Bieter nachweisen, dass sie jeden Monat Arbeiten für 83 300 Euro schaffen. Der Anbieter, der den Zuschlag bekam, konnte maximal 45 200 Euro nachweisen, war aber der billigste. Am Ende schaffte er es nicht. Ihm wurde gekündigt, und andere Firmen mussten einspringen, was zusätzlich kostete. Zu allem Überfluss gab es Verzögerungen, die sich auch auf andere Gewerke ausgewirkt haben.

Teure Wandbekleidung

Geplant war, dass etwa 40 Prozent der Wandflächen im Seitenfoyer mit furnierten Faserzementplatten verkleidet werden – wegen der Akustik. Diese edle Verkleidung kostet 300 Euro pro Quadratmeter. Der Rest sollte Putz und Anstrich für 35 Euro pro Quadratmeter erhalten. Doch die KID, die den Kulti für die Stadt umbaut, entschied einfach, dass die kompletten Wände die teuren Platten erhalten. Statt der geplanten 319 000 Euro fielen dafür 1,1 Millionen Euro an.

Denkmalschutz macht es teurer

Der originalgetreue Nachbau der Foyerbeleuchtung, die historischen Geländer, die monolithische Gipsdecke – all dies waren spätere Vorgaben der Denkmalschützer und sorgten für weitere Mehrkosten. Dazu kommen etliche weitere Punkte.

„Ausgehend von den gesichteten Unterlagen ist mit weiteren Kostensteigerungen am Projekt zu rechnen“, so das bittere Fazit der Rechnungsprüfer.