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Pieschener Elbbrücke vorerst vom Tisch

Für Fußgänger und Radfahrer sollte eine Verbindung ins Ostragehege entstehen. Doch die Stadt ließ die Planungen stoppen.

© Christian Juppe

Von Kathrin Kupka-Hahn

Viele Jahre schon wird über eine Pieschener Elbbrücke diskutiert. Die Stadt hatte bereits eine erste Grobplanung erstellt und Kosten kalkuliert. Doch das ist nun vom Tisch. „Es wird vorerst keine Elbbrücke in Pieschen geben“, sagte Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) am Mittwoch in der Pieschener Bürgerversammlung. Wolfgang Daniels ist da anderer Meinung. „Der Stadtteil braucht eine Brücke, jedoch kein überdimensioniertes Bauwerk“, findet er. Eine schlichte Variante am Pieschener Winkel würde reichen. „Schließlich soll hier nur eine Verbindung für Fußgänger und Radfahrer entstehen“, sagt er.

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Der 62-Jährige ist Physiker, lebt seit 1991 im Stadtteil und engagiert sich schon lange in der Politik. In den vergangenen dreieinhalb Jahren saß er für die Grünen im Stadtrat. Jetzt beginnt für ihn ein neues Kapitel – als Ortsbeirat. Mit dem Thema Elbbrücke ist Daniels bestens vertraut. Seit Jahren wird eine mögliche Verbindung der beiden Stadtteile Friedrichstadt und Pieschen auch in der Grünen-Ortsgruppe diskutiert. Die tendierte bislang eher in Richtung Fähre.

Daniels hält eine solche jedoch nicht mehr für zeitgemäß. „Die Leute könnten damit nicht spontan die Elbe überqueren, sondern wären auf einen Zeitplan angewiesen.“ Außerdem hätten Untersuchungen von Stadt und Dresdner Verkehrsbetrieben ergeben, dass eine Fähre wirtschaftlich nicht rentabel ist. Deshalb hält er eine Brücke für sinnvoll. „Doch bei den Planungen müsste vieles beachtet werden“, sagt er. Wie etwa der Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet und die Zerstörung der Sicht vom Pieschener Winkel. „Schließlich hat man von hier einen richtigen Canaletto-Blick auf die Altstadt“.

Auch Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) hält eine Verbindung der beiden Stadtteile mittels Fußgängerbrücke städtebaulich für sinnvoll. Doch momentan ist für ihn das Vorhaben nicht umsetzbar. „Der dafür notwendige Millionenbetrag lässt sich mit der aktuellen Haushaltssituation nicht finanzieren“, so Marx. Außerdem stelle er sich die Frage, ob die Stadt generell so viel Geld in eine weitere Brücke investieren wolle. Einen konkreten Betrag nannte er nicht. Doch nicht nur die Kosten bereiten Marx und seinen Planern Probleme, sondern auch die Dimensionen der möglichen Brücke. Da der Fluss als Wasserstraße genutzt wird, müsse eine mögliche Verbindung in einer Höhe von neun Metern über die Elbe verlaufen. „Um auf die Brücke zu gelangen, müssten Rampen von 160 Meter Länge auf beiden Seiten – in Pieschen und am Ostragehege – gebaut werden“, sagt der Baubürgermeister.

Wolfgang Daniels kann Marx’ Argumente gut nachvollziehen. Trotzdem hält der Ortsbeirat eine Elbbrücke in Pieschen für umsetzbar. Auch finanziell. Man müsse eben in kleineren Dimensionen und mit anderen Baustoffen planen. Als Beispiel dafür nannte er die kleine Albertbrücke, die nur zwei Millionen Euro gekostet habe. „Auch in Regensburg und Österreich habe ich mehrere schlichte Fußgängerbrücken gesehen“, sagt er. Diese könne man sich ruhig mal ansehen. Eine weitere Alternative ist für ihn eine Ideenwerkstatt für die Planungen. Denn Daniels ist davon überzeugt, dass die Architekten der Stadt gute und auch innovative Ideen für einen möglichen Brückenbau haben. Hinsichtlich der Kosten schlägt er vor, die Bürger mit einzubeziehen. Schließlich wollen viele Pieschener und Friedrichstädter eine Brücke.

Das zeigte sich auch bei der diesjährigen Sommerumfrage der Sächsischen Zeitung. Zwar ist diese nicht repräsentativ, jedoch beteiligten sich 710 Leser daran. 387 beantworteten die Frage, ob sie eine Pieschener Elbbrücke für sinnvoll halten. Eine Mehrheit von 55 Prozent sprach sich für diese aus, und nur 26 lehnten sie ab.