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Piks gegen Krebs

Erst die Hälfte aller Mädchen in Döbeln ist geimpft. Experten empfehlen die Spritze aber auch für Jungen.

© dpa

Von Tina Soltysiak

Döbeln. Der Aufklärungsbedarf für Mädchen in Döbeln über die Schutzimpfung gegen Gebärmutterhalskrebs sei groß. Denn es würden zwar viele von ihnen, aber bei Weitem nicht genug, von dem Angebot Gebrauch machen. Das teilt Konstanze Haubold von der DAK-Gesundheit mit. „Nur 52,4 Prozent der 17-jährigen Mädchen sind vollständig geimpft. Der Wert liegt zwar über dem Bundesdurchschnitt von 40 Prozent, bewegt sich aber immer noch auf einem niedrigen Niveau“, so die Kundenberaterin. Die Zahlen basieren auf dem „Versorgungsatlas“ – einer Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI) in Kooperation mit den Kassenärztlichen Vereinigungen.

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Aktuell ist der Gebärmutterhalskrebs die zehnthäufigste Krebsart bei Frauen – Tendenz fallend. Für 2010 meldet die Krebsgesellschaft für Deutschland 4 660 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr. Die Zahlen sind die aktuellsten, die in der Krebsdatenbank abrufbar sind. „Jedes Jahr sterben in Deutschland 1 600 Frauen an dieser Krebsart“, erklärt Konstanze Haubold von der DAK-Gesundheit Döbeln.

Bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs spielen Humane Papillomaviren (HPV) eine entscheidende Rolle. „Sie können beim Geschlechtsverkehr über die Schleimhaut übertragen werden“, erklärt Dr. Knut Götzelt. Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin arbeitet in der Lommatzscher Betriebsstätte der Praxis für Kinder-und Jugendmedizin von Dr. Eckhardt Erdmann aus Döbeln.

Zwei bis drei Impfungen nötig

„Damit sich die Virenstämme nicht erst einnisten, kann mit einer HPV-Impfung vorgebeugt werden“, erzählt Götzelt. Seit März 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Spritze für Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren. Vor zwei Jahren wurde das Impfalter sogar auf neun Jahre herabgesetzt. „Wichtig ist, dass möglichst vor dem ersten sexuellen Kontakt geimpft wird“, sagt Knut Götzelt.

Experten hätten herausgefunden, dass „höhere Antikörper-Antworten nahe legen, dass im jüngeren Alter ein besseres Ansprechen durch eine Impfung gegen HPV erreicht werden kann. Zudem sind in dem jüngeren Alter nur noch zwei statt bisher drei Impftermine erforderlich“, heißt es auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts.

Deshalb sei die HPV-Spritze auch in der Kinderarzt-Praxis ein Thema, so Knut Götzelt. „Allerdings wollen Eltern von Neun- und Zehnjährigen das Thema sexuell übertragbare Krankheiten noch nicht ansprechen“, erzählt er. Spätestens im Alter zwischen 12 und 14 würden aber auch die Ärzte verstärkt auf das Thema hinweisen. „Etwa 30 bis 40 Prozent der Eltern sprechen das Thema von allein an, weil sie irgendwo davon gehört oder es in einer der Aufklärungsbroschüren gelesen haben“, sagt der Mediziner. Die Nachfrage nach der Impfung sei in seiner Praxis durchaus gegeben.

Weil die Stiko die Immunisierung für Mädchen empfiehlt, übernehmen die Krankenkassen die Kosten. „Die Ärzte sind sich aber weitestgehend einig, dass es sinnvoll ist, auch Jungs impfen zu lassen“, sagt Knut Götzelt. Die Erklärung: „Sie sind die Überträger der Krankheit. Die Viren können aber auch Genitalwarzen verursachen, die Jungen gleichermaßen wie Mädchen bekommen können.“ Haben die Jungs die Spritze bekommen, könnten sich die Viren nicht in den Schleimhäuten einnisten, weil das Immunsystem sie bekämpft. „Es fehlen allerdings die passenden Studien, die die Wirksamkeit der Impfung bei Jungen belegen“, erklärt der Kinderarzt.

Unfruchtbarkeit oder Tod

Dennoch könnten Ärzte auch Jungen ab neun Jahren die HPV-Spritzen injizieren. Das Robert-Koch-Institut gibt allerdings zu bedenken: „Da für die HPV-Impfung bei Jungen keine öffentliche Empfehlung vorliegt, könnten in einem Impfschadensfall keine Ansprüche an das Versorgungsamt geltend gemacht werden.“

Solche Impfschäden seien aber ohnehin „sehr, sehr selten“, so Knut Götzelt. Zudem seien sie unabhängig von der Art des Impfstoffes. „Die Wahrscheinlichkeit liegt bei eins zu einer Million“, ergänzt er. Häufiger seien da schon Nebenwirkungen wie Reaktionen der Haut an der Einstichstelle der Nadel, Fieber oder erkältungsähnliche Reaktionen des Immunsystems, erklärt der Mediziner.

Weitaus gefährlicher seien da die Auswirkungen der Papillomaviren. Den Frauen droht Unfruchtbarkeit. „Wird der Gebärmutterhalskrebs nicht erkannt, kann er in die benachbarten Organe streuen und sogar zum Tod führen“, so Götzelt.