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Pilgern mit Straftätern

Wandern und über sich und sein Leben nachdenken – diese Möglichkeit für Straffällige will die private Fachhochschule jetzt in Europa bekannt machen.

Von Jana Mundus

Sozialpädagogik-Forscher der privaten Fachhochschule Dresden (FHD) begleiten ein Projekt für junge Straftäter. Die Sächsische Jugendstiftung bietet eine Pilgertour für die über 18-Jährigen an. Zusammen mit Pädagogen laufen sie fünf Tage lang 65 Kilometer zu Fuß von Dresden nach Bautzen. Die FHD-Wissenschaftler organisieren begleitend, gefördert von der Europäischen Union, die Vernetzung ähnlicher Initiativen europaweit.

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Gefängnisstrafe muss heute nicht in jedem Fall sein. Richter können auch soziale Trainingskurse anordnen. Das Pilgerprojekt ist solch ein Kurs. Die Straftäter übernachten mit ihren Betreuern in Herbergen und arbeiten auf ihrem Weg gemeinnützig. Während der fünf Tage müssen sie auf ihr Handy verzichten. Auch Alkohol ist tabu. Der Kurs soll die Straffälligen dazu bringen, über ihr Leben nachzudenken und es neu auszurichten. Studien aus der Sozialforschung zeigen, dass nach bloßen Gefängnisstrafen die Rückfallquote bis zu 70 Prozent beträgt. Nach sozialen Maßnahmen sind es lediglich 30 Prozent.

In seiner Studie identifizierte das FHD-Forscherteam mehrere positive Effekte des Projektes. „Das monotone Laufen fern jeder Ablenkung fördert das Nachdenken“, so Angela Teichert, zuständige Professorin. Das gemeinsame Arbeiten mit sichtbaren Ergebnissen sensibilisiert für sinnvolle Tätigkeiten. Die Begegnung mit fremden und unvoreingenommenen Menschen eröffnet zudem neue Sichtweisen auf das Leben. Außerdem gibt es Gruppendiskussionen und viel Zeit für intensive Einzelgespräche. Die Pilgerreise sei eine „biografische Auszeit“, die auch das Selbstbewusstsein stärkt. Neben Belgien und Frankreich gibt es auch in Polen entsprechende Projekte. In Deutschland ist Sachsen Vorreiter, in Kürze werden in Bayern Pilger- und Arbeitskurse gestartet. Die FHD organisiert die Vernetzung von möglichen sozialen Trägern solcher Kurse und vergleicht die Projekte wissenschaftlich. Im September organisiert die Hochschule eine Tagung mit europäischen Teilnehmern, um die Idee dieser Pilgerkurse bekannter zu machen.