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Pillnitzer Schlosskapelle bekommt ihre Stimme zurück

Maria und Ignatius werden künftig klingen. Der Verlust des alten Geläuts bleibt ein Rätsel.

© Norbert Neumann

Von Claudia Schade

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Eigentlich ist es nur eine Mischung aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn. Was die Glockengießer in der vorletzten Woche aber daraus geschaffen haben, ist weit mehr, als nur Bronze. „Dies ist nicht nur irgendeine kleine Feier zur Glockensegnung, sondern ein Zeichen dafür, dass seit vielen Jahrhunderten das Rufen der Glocken immer wieder gehört wird“, sagte Altbischof Joachim Reinelt in seiner Predigt. Die kleine Kapelle im Pillnitzer Schloss war am Sonnabendabend gut gefüllt, als die Glocken erstmals der Gemeinde vorgestellt und ihnen die ersten Töne abgerungen wurden.

Festlich geschmückt waren die beiden Neuen aufgestellt. 100 Kilogramm wiegt die Große, 52 Zentimeter im Durchmesser, dem heiligen Ignatius gewidmet und auf den Ton „g“ gestimmt. Die Kleine ist der Gottesmutter Maria geweiht und steht damit in Bezug zur kleinen katholischen Kapelle „Maria am Wege“, nur einige Hundert Meter entfernt. Überhaupt wurde bei der Auswahl der Töne darauf geachtet, dass sich die neuen Glocken in die Harmonie der bestehenden in Hörweite einfügen. Die Marienglocke klingt ein „b“ und wiegt bei einem Durchmesser von 45 Zentimetern etwa 65 Kilogramm. Geprägt ist auf der Vorderseite eine Skizze Marias mit dem Jesuskind, die Rückseiten beider Glocken zeigen den Dachreiter des Pillnitzer Schlosses.

Nächste Glocke: 2015

In seiner Predigt zur Weihe des Geläuts blickte Altbischof Reinelt auf die Bedeutung von Glocken für eine Gemeinde. Sie lobpreisen, rufen zusammen, warnen vor Gefahr, betrauern die Toten und laden zum Fest. Im 8. Jahrhundert wurde das Glockengießen Mode. Dass der Vorgang kompliziert ist und viel handwerklicher Erfahrung bedarf, machte Reinelt an einem Beispiel deutlich. „Es gibt auch Klangverderber. Das haben wir bei der Frauenkirche erlebt, als dort alles noch mal neu gemacht werden musste“, sagte er. „Deshalb ist der erste Ton immer etwas ganz Besonderes, nicht nur für die Glockengießer.“

Die 1830 geweihte katholische Kapelle im Neuen Palais des Pillnitzer Schlosses erhält nach 70 Jahren ihre Stimme zurück. Das ursprüngliche Geläut war nach dem Zweiten Weltkrieg verschwunden. Der Verlust bleibt ein Rätsel. Erstmals erklingen werden die neuen Töne Heiligabend zur Messe um 21 Uhr.

Eingehoben werden die 7 000 Euro teuren Glocken heute ab 10 Uhr mithilfe eines Krans. Der Glockenstuhl der Kapelle ist in einem so guten Zustand, dass nur kleinere Arbeiten zur Vorbereitung erforderlich waren. Zudem wird noch eine elektrische Läutanlage eingebaut. Die Kosten trägt der Freistaat über die „Staatlichen Schlösser und Gärten Dresden“.

Mit dem neuen Geläut sind die Anstrengungen der Pfarrei St. Hubertus jedoch nicht beendet. „Die nächste Glocke soll nächstes Jahr läuten“, sagte Reinelt. In der Kapelle „Maria am Wege“. Die Gemeinde sammelt schon Geld.