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Pilze brauchen Nachhilfe beim Wachsen

© Sebastian Schultz

Die Shiitake-Plantage in Leckwitz steht kurz vor der Ernte. Um das Wachstum anzukurbeln, brauchen die Züchter Werkzeug.

Von Christian Kluge

Nünchritz. Jetzt geht’s endlich los! „Derzeit ist unser Produktionsbeginn für Ende August geplant“, sagt Michael Görnitz, der in Coswig einen Bio-Obstbaubetrieb hat und quasi nebenbei das erste Projekt der Genossenschaft Permagold anschiebt. Dann sollen in einer großen Halle auf dem ehemaligen Gelände des Kolping-Bildungswerkes bei Leckwitz – einer ehemaligen Lehrgärtnerei mit zig Gewächshäusern – die ersten Shiitake-Pilze wachsen und geerntet werden. Die wurden auf Eichenholzstämmen mit einem Durchmesser von etwa 20 Zentimetern und einer Länge von einem halben Meter als „Pilzmyzel“ eingeimpft und brauchen rund sechs Monate, bis es mit dem eigentlichen Wachstum losgehen kann.

So sehen die Shiitake-Pilze aus. © Sebastian Schultz

Schon im Februar berichtete die SZ über die Genossenschaft, bei der jeder mit einem Beitrag ab 50 Euro mitmachen kann. Und immer noch sammelt Permagold Geld ein, um das Projekt Shiitake-Pilze und später auch noch andere umsetzen zu können. 72 Mitglieder waren es vorigen November, rund 130 im Februar und Anfang August wurde die 250-Mitglieder-Marke überschritten.

Knapp 170 000 Euro sind bisher im Crowdfunding-Topf gelandet. Aber Karl Kretschmer, einer der beiden Permagold-Vorstandsmitglieder, sieht das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht. „Wir befinden uns ja immer noch in der Finanzierungsphase. Bis Ende diesen Jahres hoffe ich auf 450 bis 500 Genossenschaftsmitglieder.“ Dabei kommen schon jetzt einige aus Wien oder auch aus Hamburg, denn der Internet-Auftritt von Permagold spricht sich inzwischen immer schneller und immer mehr herum.

Den Mitgliedern verspricht die Genossenschaft drei Prozent Rendite – und Vorzugspreise bei den erzeugten Lebensmitteln. Denn bei Shiitake-Pilzen alleine soll es nicht bleiben. Wie das gehen soll, erklärt Kretschmer: „Wir wollen die Agrarwende schaffen und nicht in so katastrophale Lagen geraten, wie sie die Landwirtschaft hier in diesem Jahr erlebt. Permagold will weitere gesunde Bio-Lebensmittel aus bienenfreundlicher Landwirtschaft erzeugen. Bei uns sollen Obstbäume neben Beerensträuchern, Speisepilzen und Kräutern in dauerhaften Ökosystemen wachsen. Synthetische Dünger und Pestizide sind völlig überflüssig. Das tut nicht nur uns Menschen, sondern auch der Umwelt gut.“

Bis es von den ersten Pilzen zu größeren Projekten reicht, ist aber noch mehr Geld von zusätzlichen Genossenschafts-Unterstützern nötig. Ein ganz wichtiger Mann ist aber auch Hans M. Jahn, der im Beirat von Permagold aktiv ist. „Er hat vor ein paar Jahren die gesamte Immobilie vom Kolping-Bildungswerk übernommen. Und die Flächen mietet Permagold jetzt.“

Außerdem werden vom eingesammelten Geld die Mitarbeiter finanziert. Zwei davon gibt es bisher in der Geschäftsstelle auf der Bayrischen Straße in Dresden. Schließlich ist Öffentlichkeitsarbeit und Vermarktung auch im Internet ebenso wichtig wie der Papierkram, an dem niemand in einem Unternehmen vorbei kommt. – „Erst einmal gehen die Gelder in den Aufbau der Genossenschaft“, erklärt Karl Kretschmer, der aus Berlin stammt, ein Maschinenbau-Diplom hat und anschließend für eineinhalb Jahre als Unternehmensberater tätig war. Dann ging es vor einem Jahr zu Permagold. „Wir haben nun erst einmal mit dem Großhandel als Abnehmer für unsere Shiitake-Pilze verhandelt, aber auch mit Restaurants in Dresden. Wochenmärkte kommen wegen der höheren Personalkosten derzeit nicht infrage. Bei der Menge rechnen wir mit rund 20 000 Kilogramm Pilzen im Jahr und einem daraus resultierenden Jahresumsatz von 200 000 Euro.“ Im Gespräch sind derzeit Märkte wie Rewe, Real und Konsum.

Nebenher denken die Planer bei Permagold natürlich bereits weiter. „In der Immobilie hier ist jetzt eine Wohnung für ein Pärchen ausgebaut worden, das in den nächsten zwei Wochen in die alte Gärtnerei einzieht“, berichtet Kretschmer, der gemeinsam mit Jens-Uwe Sauer den Vorstand der Genossenschaft bildet. Weitere Wohnungs-Ausbauten sollen folgen, damit auch die Mitarbeiter der Pilz-Farm kurze Arbeitswege haben. Zwei sollen es zu Beginn sein, später bis zu sechs.

Die sind dann auch nötig, denn Bio-Obstbauer Michael Görnitz hat ja nicht nur Shiitake-Pilze in Leckwitz angepflanzt. In einem anderen Gewächshaus läuft ein Test mit drei verschiedenen Pilzen der Sorten Rosen-, Limonen- und Austernseitling. Die sind auch schön herausgewachsen aus den hingestellten Baumstümpfen – aber bei der Witterung der letzten Wochen auch gleich schön getrocknet.

Eins steht auf jeden Fall fest beim Blick auf die gesamte Anlage: Es liegt noch viel Arbeit vor der Permagold-Genossenschaft. Aber der Platz in Elbnähe ist gut gewählt und hat Potenzial. Bleibt nun abzuwarten, wie die erste Shiitake-Ernte ausfällt.