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Pilze im Winter

Der Liegauer Pilzberater Eckart Klett sorgte mit einer Aussage in der SZ für Wirbel.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

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Dass bei ihm das Telefon regelmäßig klingelt, ist für Eckart Klett nichts Ungewöhnliches. Der Liegauer ist Pilzberater – und deshalb regelmäßig gefragt. Dass in den vergangenen Tagen dennoch ungewohnt häufig das Telefon am Liegauer Hofeberg geklingelt hat, darüber wunderte sich Eckart Klett schon. Wobei er sich vor allem darüber wunderte, warum das Telefon klingelte. „Denn es haben sich eine Menge Leute bei mir gemeldet, die einfach nicht glauben wollten, dass ich auch im Winter Pilze gefunden habe“, sagt der Liegauer kopfschüttelnd.

Grund für die Aufregung war der SZ-Beitrag in der Donnerstagausgabe. Da hatte Eckart Klett auf das vergangene Pilzjahr zurückgeblickt, aber eben auch verraten, dass er bei seinen Touren auch in den verschneiten Wäldern rings um Radeberg aktuell eine Menge Pilze findet. „Zurzeit sind Austernseitlinge, Judasohren und der Samtfußrübling zu finden“, erklärte der Pilzfachmann. Und auch ein Foto mit herrlichen Exemplaren von Samtfußrüblingen hatte Eckart Klett der SZ geschickt – und auch das fand sich nun im Beitrag. Nun aber klingelte wie erwähnt das Telefon bei Eckart Klett; „und einige waren der Meinung, ich hätte das Foto gar nicht aktuell geschossen“, ärgert sich der Liegauer sogar ein wenig. Also griff auch er nun zum Telefon und rief bei der SZ an.

Judasohren am Holunderstamm

Unser Fotograf machte sich daraufhin mit Eckart Klett auf den Weg, um ein aktuelles Beweisfoto zu schießen. Und das gelang völlig problemlos – „weil es eben auch im Winter eine Menge Pilze gibt“, macht der Pilzberater noch einmal deutlich. Gar nicht weit entfernt vom Radeberger Stadtrand zeigte Eckart Klett dem SZ-Fotografen an einem morschen Holunderstamm eine Kolonie Judasohren. Dieser Pilz ist dabei auch unter den Namen Black Fungus, der chinesischen Bezeichnung Mu-Err oder auch zu gut Deutsch als Holunderpilz bekannt, weil er sich an und in der Nähe von Holunderbüschen und -bäumen ansiedelt. Diese durchaus schmackhaften Pilze werden dabei auch in der chinesischen Medizin eingesetzt. Beispielsweise bei Patienten, die unter Arteriosklerose leiden. „Sie verbessern die Fließfähigkeit des Blutes und können so auch zur Behandlung von Kreislaufproblemen verwendet werden“, weiß der Experte. Außerdem wirken sie entzündungshemmend und senken den Cholesterinspiegel. Wer im Internet nachschaut, findet zudem die Erklärung für den doch recht ungewöhnlichen Namen „Judasohren“. Der Apostel Judas soll sich nämlich der Legende zufolge nach der Verurteilung Jesu an einem Holunderbaum erhängt haben. Außerdem haben die Pilze durchaus die Form von Ohren.

„Es gibt also tatsächlich auch im Winter Pilze – wie es überhaupt das gesamte Jahr über Pilze gibt“, macht Eckart Klett noch einmal deutlich. Die Hauptsaison allerdings sind Spätsommer und Herbst. Und da hatte der Liegauer Pilzberater eine Menge zu tun: „Ab Ende August kamen täglich Ratsuchende zu mir – 64 Leute, die mir insgesamt 356 Pilzarten vorgelegt haben“, so der Liegauer beim Blick in seine Statistik. Darunter waren im Übrigen auch drei tödlich-giftige Pilze – sowie 39 Pilze, die mit ihrem Gift für ein sogenanntes Magen-Darm-Syndrom sorgen können.

Eckart Klett, Am Hofeberg 12 in Liegau-Augustustusbad, 03528 411444