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Pinguin-Café ist denkmalwürdig

Der Pavillon aus dem Dresdner Zoo wird eingelagert und soll vielleicht wieder aufgebaut werden.

© Archiv: Sven Ellger

Von Andreas Weller

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Das Gezerre um das beliebte Pinguin-Café hat ein Ende. Der Stadtrat hat entschieden, dass die Aluminiumkonstruktion mit dem gefalteten Dach nicht einfach abgerissen und vernichtet wird. Auch wenn die Einlagerung etwa 40 000 Euro kosten wird.

Weil der Zoo ein neues Café braucht und an der alten Konstruktion aus dem Jahr 1969 ziemlich die Zeit genagt hat, sollte es zunächst abgerissen und entsorgt werden. Doch dann haben Linke und Grüne den Erhalt beantragt, beziehungsweise das „denkmalgerechte Auseinandernehmen“, wie es Grünen-Fraktionschef Thomas Löser nennt. Dabei war dem Bau den Denkmalstatus offiziell bereits von den zuständigen Behörden verwehrt worden.

Zu Unrecht, wie Martin Neubacher sagt. Er ist Architektur-Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Baugeschichte der TU Dresden. Nach seinen Forschungen war das Café 1969 an der damaligen Karl-Marx-Allee in Berlin errichtet worden, nach sowjetischem Vorbild. „Es wurde extra demontierbar angelegt“, erklärt Neubacher. Denn dort sollte es nur kurz stehen, für den 20. Jahrestag der DDR.

1973 kam der Pavillon in den Dresdner Zoo. Im Wesentlichen sei es heute im selben Zustand wie damals. „Der bauliche Zustand ist auch nicht schlecht, bezogen auf die Zeit“, so Neubacher. Vergleichbare Pavillons aus einer ähnlichen Zeit finde man heute noch in Frankfurt, Bonn und Eisenach. „Dort stehen sie alle unter Denkmalstatus“, sagt der Experte. Sie wurden zum Teil aufwendig saniert und stehen am selben oder an anderen Standorten, haben eine sinnvolle Nutzung und erfreuen sich großer Beliebtheit. „Solche Pavillons haben Seltenheitswert, weil viele abgerissen wurden“, so Neubacher. „Das Pinguin-Café ist absolut zeugnishaft. Denkmäler müssen nicht schön sein, sondern Zeugnis für die Baugeschichte. Diese Gründe qualifizieren es als Denkmal.“ Er empfehle eine Einlagerung und den Wiederaufbau.

Diesem Plädoyer für das Pinguin-Café folgte dann die Mehrheit im Stadtrat. Demnächst wird es abgebaut und im Lapidarium neben der Ruine der alten Zionskirche eingelagert. Wann, ob und wo es irgendwann wieder stehen wird, hängt davon ab, ob ein Geldgeber gefunden wird.