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Piraten in Untergangsstimmung

Die Partei hat die Schmach der Bundestagswahl noch nicht überwunden. Neues Personal soll es richten.

Von Thomas Lanig

Es sollte ein Neuanfang werden, Aufbruch in wieder bessere Zeiten. Doch die Stimmung auf dem Parteitag in Bremen bleibt seltsam gedrückt. Nach dem dramatischen Absturz bei der Bundestagswahl auf 2,2 Prozent sind die Piraten im tiefen Tal der Depression angekommen. Sie geben sich Mühe, nach vorn zu blicken, aber Frust und Lustlosigkeit sind allgegenwärtig. Heiter wird es nur, als zum Zeitvertreib der gelangweilten Mitglieder in einer der vielen Beratungspausen ein paar drollige Katzenvideos über die Leinwand in Halle 7 laufen.

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Thorsten Wirth, der neue Vorsitzende, hat viel zu tun. Immerhin kennt er den Laden seit 2006. Und es gelingt dem 45-Jährigen zumindest zeitweise, der Partei das Gefühl zu geben, nun gehe es wieder aufwärts. Drei Prozent bei der Europawahl im Mai 2014, das könnte zu schaffen sein. „Wir wollen ein politischer Vorstand sein“, kündigt er an – und grenzt sich damit von seinem Vorgänger ab, der seine Aufgabe eher als Koordinator und Verwalter verstanden hat.

Eher unangenehm gestaltet sich der Abschied der bisherigen Führung. „Es hat Spaß gemacht, mal mehr und mal weniger“, sagt Bernd Schlömer. Höflicher Beifall, sehr zögerlich. Mit auf der Bühne beim sang- und klanglosen Abschied steht noch einmal Johannes Ponader, der Sandalen-Mann aus den TV-Talkshows, Symbol für den parteiinternen Streit. „Die Sache mit Johannes“, wird der neue Piratenchef Wirth später sagen, und alle wissen, was gemeint ist. Dass das zerrissene Bild der Partei nicht allein die Schuld des Exzentrikers Ponader war, ist den meisten aber klar. „Wir haben es vergeigt“, sagt einer aus dem bisherigen Vorstand.

Ernüchternd auch die Vorstellung der neuen Kandidaten: An Paul Weiler etwa, bisher weithin unbekannt, hat niemand Fragen, nachdem er seine Bewerbung vorgetragen hat. Dennis Plagge ist zunächst in der Halle nicht auffindbar. Als er dann doch ans Podium tritt, spricht er von „faschistoiden Methoden“ im alten Vorstand. Streit, Zerwürfnisse, Verletzungen: Das letzte Jahr hat den Piraten arg zugesetzt. (dpa)