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Pirinçci muss für Hetzrede zahlen

Nach seinem Pegida-Auftritt muss Akif Pirinçci eine Geldstrafe zahlen. Er sagt, er werde boykottiert und sei pleite.

© Benno Löffler

Von Alexander Schneider

Dresden. Der Mann liebt den großen Auftritt. Als der 57-Jährige am Montagmittag ins Dresdner Amtsgericht kommt, hebt er für die Fotografen und seine Fans die Hände zur Siegerpose. Akif Piricci, deutsch-türkischer Autor, Erfinder von Tierkrimis und Verfasser einiger anderer Schriften, in denen er sich hart an der Grenze des Erlaubten entlanghangelt. In Dresden ist er spätestens seit seiner Rede beim ersten Jahrestag von Pegida bekannt, dem 19. Oktober 2015. Am Theaterplatz hat er fast 30 lange Minuten gegen Flüchtlinge und Moslems gehetzt. Zwar hatte Pegida-Chef Lutz Bachmann dem Redner dann das Mikrofon abgenommen. Dennoch wurde gegen Pirinçci wegen Volksverhetzung ermittelt.

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Im Februar dieses Jahres erhielt der Autor aus Bonn einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe von 11 700 Euro. Noch am gleichen Tag veröffentlichte er das Schreiben auf seiner Facebook-Seite und machte unmissverständlich klar, dass er dieses Urteil nicht akzeptieren werde. Sinngemäß hatte er geschrieben, er freue sich schon auf den Prozess mitten im Wahlkampf. Doch diesen Gefallen hat ihm die Justiz offensichtlich nicht getan. Der Prozess findet am Tag nach der Bundestagswahl statt.

Etwa 20 Anhänger erwarten den Schriftsteller. Sie beklagen, dass Pirinçci nicht mehr Unterstützung von Pegida erhalte. Wachtmeister achten darauf, dass sich die Fans benehmen. Ihr Idol macht derweil auf der Anklagebank seine Späße, schneidet für die Fotografen Grimassen, zeigt seinen Mittelfinger und andere obszöne Gesten, fragt: „Ist eine Journalistin der Bravo auch da?“ Ein paar Leute lachen, dann kommt die Richterin.

Plötzlich ist Pirinçci ernster, beantwortet genervt Fragen zu seiner Person. Laut Anklage hat er vor 20 000 Zuhörern als Pegida-Gastredner von „Invasoren“ gesprochen, die sich in Deutschland bis zum Lebensende „von den Scheißkartoffeln auf Luxusniveau verköstigen“ ließen. Die Staatsanwältin listet allerhand extrem derbe Passagen jener knapp 27-minütigen Rede auf, die noch heute im Internet zu finden ist. Deutschland sei mit Schlachtern durchflutet, Deutsche erhielten Kündigungen ihrer Sozialwohnungen für „höherwertige Menschen“ vom „Stamme der edlen Wilden“. Schließlich gipfelte die Rede beim Thema Familiennachzug und Pirinçci nannte diese Menschen eine „vorzügliche Moslemmüllhalde“.

Dann die Überraschung. Pirinçcis Verteidiger Thorsten Junknickel aus Augsburg bittet das Gericht um ein Rechtsgespräch. Hinter verschlossenen Türen macht er der Richterin klar, dass sein Mandant die Vorwürfe einräumen werde. Er hoffe auf eine niedrigere Strafe. Im Prozess erklärt Jungnickel dann, dass seiner Meinung nach nur zwei Vorwürfe Flüchtlinge oder Moslems „pauschal“ diffamierten, die übrigen von der Meinungsfreiheit gedeckt seien.

Pirinçci selbst bestätigt das knapp, berichtet, dass er „pleite“ sei. Kein Buchhändler würde seine Werke verkaufen, auch nicht die Katzenkrimis, mit denen er vor Jahren ein eigenes Genre erfunden habe. Es sei heute schlimmer als im Dritten Reich, sagt er. Über Thomas Mann hätte man damals gesagt, er sei verboten. Bei einem Testkauf in einer Buchhandlung habe er gesehen, sein Name sei einfach unbekannt, so Pirinçci. „Den gibt es nicht“, habe man dort gesagt. Der 57-Jährige lebe daher von seiner Frau und Geld, das ihm Leute auf der Straße zusteckten.

Die Richterin verurteilte Pirinçci wegen Volksverhetzung zu 2 700 Euro Geldstrafe. Er habe die Vorwürfe eingeräumt und sei wegen Beleidigung zweifach vorbestraft. Strafmildernd wurden die wirtschaftlichen Folgen berücksichtigt, unter denen der Autor noch heute zu leiden habe. Die Richterin sagte, Meinungsfreiheit sei ein Grundrecht, das jedoch dort Grenzen habe, wo andere Rechte berührt werden. Pirinçci habe sich über Menschen verächtlich gemacht und zum Hass aufgestachelt.