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Pirna

Eltern wünschen sich gerechte Kitaplatz-Vergabe

Mehr als 10.000 Familien in Ostsachsen haben ihren Wohnort bewertet - Pirna schneidet eher schwach ab.

© 123rf

Die Eltern in Pirna und Dohma sind sehr kritisch. Das zeigt der SZ-Familienkompass. Die Gesamtnote 2,9 bedeutet für die Kreisstadt nur einen Platz im hinteren Drittel. Zwar gibt es gute Noten für das Angebot an Schulen, Freizeitmöglichkeiten und Ärzten. Doch in vielen anderen Punkten wünschen sich die Familien Verbesserungen.

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Wohnumfeld - Note 2,8

Kinder haben in Pirna nicht genügend Platz zum Spielen und Toben, kritisieren die Eltern. Die Stadt scheidet in diesem Punkt wesentlich schlechter ab als ländliche Gemeinden, was im Grunde aber nicht verwunderlich ist. Wo es historische Stadtkerne gibt, fehlen Freiflächen in der Innenstadt. Hinzu kommt die bekannte Pirnaer Parkplatznot. Wo immer es möglich ist, werden die Höfe zu Pkw-Stellflächen ausgebaut. Da bleibt oft nur wenig Raum für einen Sandkasten oder eine Spielfläche.

Auch im Punkt Nachbarschaft muss Pirna aufholen. In Sachen Miteinander schneidet die Kreisstadt aus Sicht der Familien nur mittelmäßig ab. Viele Eltern haben das Gefühl, dass auf Kinder zu wenig Rücksicht genommen wird, es fehlt ein ausreichendes Angebot an Vier- und Fünfraumwohnungen. Auch die Pirnaer Läden haben Reserven in Sachen Kinderfreundlichkeit.

© SZ-Familienkompass

Verkehr - Note 3,2

Viele Familien empfinden die Verkehrssituation in Pirna als Belastung. Die stark befahrene Bundesstraße 172 geht mitten durch die Stadt, in ihrer direkten Nähe liegen einige Schulen, wie das Herder-Gymnasium und die Lessing-Grundschule, die B 172 gehört für viele Kinder zum täglichen Schulweg. Entsprechend schlecht schätzen die Eltern die Schulwegsituation ein - eine glatte Vier. Dass vergleichbare Städte wie Bautzen und Meißen im Familienkompass noch schlechter abschneiden, kann kein Trost für Pirna sein. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren zwar schon einiges für die Schulwegsicherheit getan - zum Beispiel Querungsinseln angelegt, oder einen Geschwindigkeitsanzeiger auf der Renner-Straße vor dem Herder-Gymnasium installiert - aber das reicht den Eltern noch lange nicht.

Medizinische Versorgung - Note 2,6

Hier kann Pirna mit einer der besten Bewertungen in ganz Ostsachsen punkten. Eine 2,6 ist zwar immer noch keine Traumnote, aber in fast allen anderen Gemeinden wird die Situation bei der medizinischen Versorgung schlechter eingeschätzt als in Pirna. Nach Meinung der Familien gibt es ausreichend Kinderärzte in der Kreisstadt, und auch Termine sind einigermaßen leicht zu bekommen.

Familienpolitik - Note 3,1

Pirna wirbt gern als familienfreundliche Stadt für sich. Und tatsächlich sind die Eltern hier in einigen wichtigen Punkten zufrieden. So mit der Anzahl an Schulen und auch der Auswahl an Schulprofilen. Die Familien würdigen, dass es auch in kleineren Ortsteilen wie Graupa und Neundorf eine Grundschule gibt, dass sich die Stadt bemüht, drei eigene Mittelschulen zu erhalten und die Mittelschule Sonnenstein mit großem finanziellen Aufwand neu baut. Bei der Bewertung der Schulprofile spielt sicher auch eine Rolle, dass Eltern die Möglichkeit haben, ihr Kind statt an eine staatliche auch in eine freie - die evangelische - Grund- oder Mittelschule zu schicken.

Gut bewertet werden auch die Freizeitmöglichkeiten: Jugendclubs, Musikschule, Sportvereine, ein Erlebnisbad, einen schönen Badesee in unmittelbarer Nähe. Hier kann Pirna mit einem großen Angebot punkten. Allerdings zu oftmals hohen Preisen. Und: Es fehlen Spielplätze - in Ortsteilen wie Jessen und Liebethal zum Beispiel, großen Wohngebieten wie Copitz und Sonnenstein und auch in der Altstadt. Das ist einer der Hauptkritikpunkte der Eltern in Pirna. Darüber hinaus verhindert das schlechte Abschneiden beim Angebot an Kitaplätzen eine insgesamt bessere Bewertung der städtischen Familienpolitik.

Kitas - Note 2,5

Die Stadt bemühe sich, jedem Kind einen Betreuungsplatz zur Verfügung zu stellen, sagt Pirnas Stadtsprecher Thomas Gockel. Das funktioniert zwar weitgehend, aber den Wunsch-Kitaplatz zu bekommen, das ist nach der Erfahrung vieler Eltern in Pirna umständlich, nervenaufreibend und in manchen Fällen auch aussichtslos. Das Rathaus weiß um die angespannte Situation und versucht gegenzusteuern. Bis Kita-Neubauten fertig sind, dauert es allerdings, und die Hochwasserschäden an einigen Kindergärten haben die Lage zusätzlich verschärft. Vielleicht kann die Stadt in der Zwischenzeit einem wichtigen Wunsch der Eltern nachkommen: Dem Wunsch nach einem zentralen, gerechten und transparenten Kitaplatz-Vergabesystem.

© SZ-Familienkompass

Schulsituation - Note 2,9

Pirnas Schulen sind nahezu vollständig saniert. Insofern verwundert es auf den ersten Blick, dass die Stadt hier knapp unter Durchschnitt bewertet wird. Allerdings lässt die Platzsituation an den Gymnasien zu wünschen übrig - und das führt hier schließlich zur Abwertung. Beide Gymnasien sind überfüllt, Arbeitsgemeinschaften können teilweise nicht stattfinden, weil es keine Räume gibt, die Erweiterung der viel zu kleinen Cafeteria am Herder-Gymnasium schiebt die Stadt seit Jahren vor sich her. Abhilfe ist momentan nicht in Sicht.

Hinzu kommen Faktoren, welche die Stadt nicht beeinflussen kann - zum Beispiel die Klassengröße und der Unterrichtsausfall. Zu beiden Punkten gibt es deutliche Kritik. Auch die Beziehung zwischen Schule und Elternhaus wird in Pirna schlechter bewertet als in vielen anderen Städten und Gemeinden. Die Familien vermissen Informationen und fühlen sich bei Entscheidungen übergangen.

Fazit

Mit der Note 2,9 schneiden Pirna und Dohma im Familienkompass schwächer ab als viele andere Städte und Gemeinden. Schulen und Kitas werden inhaltlich etwas schlechter bewertet als im Ostsachsen-Durchschnitt, und auch beim Wohnumfeld gibt es Kritik.