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Pirna

Was hat sich für Familien getan?

Die SZ wird heute für ihr Projekt Familienkompass mit dem Deutschen Lokaljournalistenpreis geehrt. 10.000 Eltern hatten im Jahr 2013 dafür ihren Wohnort bewertet. Ein Denkanstoß mit Folgen.

© 123rf

Es war ein kleiner Schock fürs Rathaus: Als die SZ am 1. Juni 2013 die Auswertung des Familienkompass für die Stadt Pirna veröffentliche, stand als Fazit dort ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Ausgerechnet am Kindertag bekamen die Stadt-Oberen schwarz auf weiß, dass Pirnas Familien zwar mit der Gesundheitsversorgung, den Schulprofilen und der Ausstattung der Kitas sehr zufrieden sind, sich bei anderen wichtigen Dingen aber deutliche Verbesserungen wünschen.

Gefragt hatte die SZ in ihrer bis dahin größten eigenen Studie unter anderem nach der Qualität von Schulen und Kitas, nach der Sicherheit, der medizinische Versorgung, Spielplätzen, Radwegen sowie nach der Kinderfreundlichkeit von Nachbarschaften. Über 10 000 Familien in Ostsachsen nahmen an der Umfrage teil.

Ab auf den Grill

Warme Sommernächte, schönes Wetter. Zeit zum Grillen! Doch worauf muss man achten und was schmeckt am besten auf dem Grill?

So wie Pirna ging es vielen Gemeinden. In Bad Gottleuba zum Beispiel grämte man sich, als Schlusslicht der großen Familienumfrage genannt zu werden. Dabei schnitt die Stadt in vielen Kategorien nicht schlecht ab. Aber Ärztemangel, schlechte Busverbindungen und weite Fahrtwege zogen das Ergebnis nach unten.

Der SZ-Redaktion war klar, dass so eine Befragung nicht die Welt verändert, aber die Auswirkungen haben uns Schreiber doch positiv überrascht. Denn die Rathäuser taten die Ergebnisse nicht einfach ab, sondern nahmen sie sich zu Herzen. Und so gab der SZ-Familienkompass den Ausschlag zu mancher positiven Entscheidung oder beschleunigte Diskussionsprozesse, die ohnehin im Gange waren.

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Pirna gestaltet Kitaplatz-Vergabe transparenter
Sie war einer der großen Kritikpunkte der Pirnaer Familien: Die Kitaplatzvergabe in der Stadt. Viele Eltern durchschauen das System nicht und fühlen sich ungerecht behandelt, wenn sie ihren Wunschplatz nicht bekommen. Im Zuge des SZ-Familienkompass versprach die Stadt ein transparenteres System - und hat die Arbeit daran inzwischen fast abgeschlossen. "Es laufen gerade die letzten Abstimmungen mit den freien Trägern der Kitas", sagt Stadtsprecher Thomas Gockel. Das neue digitale Vergabesystem wolle die Stadt im Frühjahr 2015 starten.

Mehr Spielplätze für die Pirnaer Altstadt
Auch mit den Spielplätzen, vor allem in der Altstadt, waren die Pirnaer Eltern ganz und gar nicht zufrieden: Es gebe viel zu wenig Spielmöglichkeiten. Und so bekräftigte der Familienkompass die Entscheidung, hier für Verbesserungen zu sorgen: In Pirna entsteht gerade ein Netz von sogenannten Geschichtenspielplätzen - am Elbufer, am Schlosshang, am Dohnaischen Platz, auch in Graupa. Sie stehen jeweils unter einem Thema und bieten Spaß für Kinder unterschiedlichen Alters.

© SZ-Familienkompass

Pirnaer Schulen bekommen mehr Freiheit beim Schulessen
Große Sorge machte den Pirnaer Eltern die Qualität des Schulessens. Der Stadtrat hatte die Essenspreise per Beschluss gedeckelt, die Qualität ließ zu wünschen übrig, viele Schüler verzichteten ganz. Lange wurde diskutiert, was die Stadt tun könnte. Schließlich gab der Stadtrat den Schulkonferenzen im Mai 2014 mehr Freiheit: Sie können nun selbst entscheiden, welchen Essenanbieter sie wählen und zu welchem Preis das Essen ausgereicht wird. Die Stadt verspricht sich davon eine bessere Essensqualität - und hofft, dass wieder mehr Schüler die Angebote nutzen.

Dohna senkt die Kita-Gebühren
Zum ersten Mal in vielen Jahren senkte Dohna im September 2013 die Kita-Gebühren. Per Ratsbeschluss konnten Eltern so bis zu zehn Euro im Monat sparen. Immer wieder hatten Familien die hohen Kosten der Kinderbetreuung in Dohna kritisiert - auch im SZ-Familienkompass. Und so half die Umfrage dem Dohnaer Rat bei seiner Entscheidung. Wie viel die Eltern zahlen müssen, richtet sich jetzt nach der tatsächlichen jährlichen Betriebskosten-Entwicklung in den Kitas. Aktuell kann Dohnas Bürgermeister Ralf Müller (CDU) hier eine gute Nachricht verkünden. Für das kommende Jahr steigen die Elternbeiträge in Dohna nicht.

Sebnitz investiert in zusätzliche Freizeitangebote
Mehr Familienfreundlichkeit, das forderten die Sebnitzer Eltern in der SZ-Umfrage. In der Kritik stand dabei vor allem der Mangel an Freizeitangeboten. Darauf hat Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) reagiert. Noch im vergangenen Jahr startete in Hinterhermsdorf der Bau einer fast 2 500 Quadratmeter großen Spielelandschaft. Und auch 2014 erhöhte sich die Zahl der Spielmöglichkeiten: Im Freizeitzentrum Solivital wurde ein Indoorspielplatz eröffnet, der eine weitere Lücke im Angebot schließt.

Freital schafft über 100 zusätzliche Kitaplätze
Vor einem Jahr schrieben die Freitaler beim Familienkompass ihrer Stadt in Sachen Kitaplatzpolitik eine vier ins Zeugnis. Tatsächlich war der Platzbedarf groß, Unsicherheit und Wartezeiten sorgten für Frust bei den Eltern. Doch inzwischen hat sich etwas getan, Freital legte einen millionenschweren Masterplan auf. Anfang 2014 öffnete die Stadt zwei Kita-Neubauten mit insgesamt rund 180 Plätzen. Aktuell entsteht eine weitere Kita, die ab Februar 2015 rund 120 Plätze bieten soll.