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Pirna will mehr Platz

Aus Sicht des Rathauses lässt der Regionalplan-Entwurf Pirna nicht genügend Raum zur Entwicklung. Es gibt Wünsche.

© Archiv/Daniel Förster

Von Christian Eissner

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Pirna. Auf welchen Flächen soll künftig Natur und Landschaftsschutz Vorrang haben? Wo die Landwirtschaft? Wo können neue Gewerbegebiete, wo Wohnsiedlungen entstehen? Auf diese Fragen muss der Regionalplan eine Antwort finden. Das Regelwerk, das als Grundlage für die Flächenplanung der Kommunen gilt, wird gerade überarbeitet. An vielen Stellen tun sich dabei Konflikte auf, jeder versucht, seine eigenen Interessen so gut wie möglich unterzubringen. So auch Pirna. In einer Stellungnahme hat die Stadt aufgelistet, wo sie im gegenwärtigen Planentwurf Änderungsbedarf sieht. Am Dienstagabend soll der Stadtrat die Wunschliste beschließen.

Der A17-Zubringer nach Pirna schneidet große Landwirtschaftsflächen. Westlich der vierspurigen Straße wollen Pirna, Heidenau und Dohna Gewerbe ansiedeln – den Industriepark Oberelbe.
Der A17-Zubringer nach Pirna schneidet große Landwirtschaftsflächen. Westlich der vierspurigen Straße wollen Pirna, Heidenau und Dohna Gewerbe ansiedeln – den Industriepark Oberelbe. © Archivfoto: Dirk Zschiedrich

Mehr Raum für künftige Wohn- und Industriegebiete

Hauptproblem des Rathauses mit dem neuen Regionalplan: Es schützt aus Sicht der Stadt zu viel Grün entlang der südlichen und östlichen Stadtgrenze und behindert somit eine Ausdehnung der Stadt. So ist im Planentwurf zwar schon eine große Fläche westlich des Autobahnzubringers zur A 17 für eine mögliche Gewerbe-Ansiedlung vorgesehen – der angedachten Industriepark Oberelbe. Das genügt Pirna aber nicht. Die Stadt will mehr Fläche rechts und links des Zubringers aus der landwirtschaftlichen Nutzung ausgegliedert haben, um Gewerbe ansiedeln bzw. Natur-Ausgleichsflächen für den Industriepark anlegen zu können.

Ähnlich auf dem Sonnenstein: Dort soll mehr Platz für Wohnen und Gewerbe statt für die Landwirtschaft vorgehalten werden. Konkret geht es Pirna darum, oberhalb der Viehleite bis an die künftige Trasse der Südumfahrung heran Baugebiete entwickeln zu können. Begründung: Dank der Südumfahrung entstehen hier „sehr gut erschlossene Flächen“. Bisher ist das Areal als Teil eines Grüngürtels zwischen Gottleuba- und Elbtal ausgewiesen. Auch am Ostrand des Wohngebiets Sonnenstein, nahe dem Ortsteil Cunnersdorf, will Pirna sich einen Streifen Land für die Entwicklung eines künftiges Wohngebiets sichern.

Schwieriger Hochwasserschutz – andere Kommunen sollen helfen



Pirna will mehr Raum fürs Hochwasser – allerdings nicht auf dem eigenen Gebiet. Prominentestes Beispiel ist das Seidewitztal in Richtung Liebstadt. Das Tal war im Regionalplan bisher als Vorranggebiet für Natur und Landschaftsschutz ausgewiesen. Pirna drängt darauf, dies zu ändern in ein „Vorranggebiet Hochwasserschutz“. Nur so hätte der Bau eines Hochwasserdamms im Seidewitztal eine Chance. Neben dem Konflikt zwischen Natur- und Flutschutz ist nach wie vor ein weiteres Problem ungelöst: Der Damm würde laut der bisherigen Planungen die wichtigste Straßenverbindung nach Liebstadt kappen. Wie das gelöst wird, ist aus Pirnaer Sicht aber zweitrangig.

Ebenso würde Pirna begrüßen, wenn das Areal der Malzfabrik an der Müglitzmündung in Heidenau im Hochwasserfall als Überschwemmungsfläche dienen könnte, „da diese Baulichkeiten aus Sicht der Stadt Pirna den zügigen Abfluss in die sich in Richtung Zschieren anschließende linkselbische Aue behindern“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt.

Andererseits bittet das Rathaus den Planungsverband, die als Überschwemmungsgebiete ausgewiesenen Bereiche der Brückmühle an der Wesenitz in Copitz und des RHG-Geländes an der Seidewitz südlich der Innenstadt noch einmal zu überdenken. Pirna will sich die Möglichkeit offen halten, zumindest einen Teil der Grundstücke perspektivisch neu zu bebauen.

Bereits erreicht hat die Stadt, dass Teile der Altstadt, des Seidewitztals bei Zehista und Zuschendorf sowie von Pratzschwitz nicht mehr in die strengste Flutschutz-Kategorie eingeordnet werden. Neu zu bauen ist dort damit nicht mehr generell verboten, es muss nur hochwasserangepasst geschehen.

Sorge um weitere Ausdehnung des Kiesabbaus

Pirna sieht mit dem derzeitigen Aufschluss eines neuen Kiesabbau-Feldes zwischen Copitz und Pratzschwitz die Belastungsgrenze für Landschaft und Bevölkerung „erreicht und deutlich überschritten“. Bevor weitere Kiestagebaue erschlossen und ein weiteres Kieswerk gebaut würden, sollten die bestehenden Aufschlüsse renaturiert und stillgelegte Anlagen zurückgebaut werden müssen. Auch das, fordert Pirna, sollte im Regionalplan verankert werden.