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Abgeschobene Familie: 18.441 Menschen wollen sie zurück

Landrat Michael Geisler wurde eine Petitionsliste übergeben. Die Ausländerbehörde wird den Fall noch einmal überprüfen - ohne Emotionen.

Matthias Knebel (li.) übergibt Landrat Michael Geisler die Petitionsliste. In dieser wird eine Rückkehr der abgeschobenen Familie Imerlishvili gefordert.
Matthias Knebel (li.) übergibt Landrat Michael Geisler die Petitionsliste. In dieser wird eine Rückkehr der abgeschobenen Familie Imerlishvili gefordert. © Daniel Schäfer

Einen dicken Ordner nahm am Mittwochvormittag Landrat Michael Geisler (CDU) auf dem Landratsamt in Pirna entgegen. Übergeben wurde der Packen von den Unterstützern der aus Pirna ausgewiesenen Familie Imerlishvili. Insgesamt 18.441 Personen haben die Petitionsliste unterschrieben. Ihre Forderung: Sie wollen die Familie wieder zurückhaben, die als gut integriert galt.

Petitionsliste lag auch in Geschäften aus

Die Unterzeichner bitten Michael Geisler als Chef der Unteren Ausländerbehörde, er möge die Ausländerbehörde anweisen, dass sie der Familie eine sogenannte Betretenserlaubnis ausstellt, damit die Familie legal wieder nach Deutschland einreisen kann und hier ihr Härtefallverfahren durchführen kann. Die Petitionsliste ist online immer noch verfügbar, sie lag aber auch in zahlreichen Geschäften der Pirnaer Innenstadt aus.

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Der Landrat nahm den Ordner entgegen und versprach, die Liste ordnungsgemäß dem Petitionsausschuss zu übergeben. Zu einer Vorab-Stellungnahme ließ er sich nicht hinreißen. Vielmehr betonte er, dass das Landratsamt auf der geltenden Rechtslage eine faire und neutrale Entscheidung treffen werde. Emotionen hätten dabei nichts zu suchen, so Geisler wörtlich. In diesem Zusammenhang stellte der Landrat generell fest, dass derzeit im gesamten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge über 650 Ausreisepflichtige leben.

Nachbar: Familie hat sich engagiert

Wesentlich emotionaler hingegen wurden die anwesenden Unterstützer der abgeschobenen Familie. Einer von ihnen ist Matthias Knebel, der fünf Jahre Tür an Tür mit den Imerlishvilis in einem Haus gewohnt hat. "Für viele ist die Abschiebung nur schwer oder gar nicht nachzuvollziehen. Es sind liebe Menschen, die sich auch für das Allgemeinwohl eingesetzt haben. Sie sind beliebt. Erst vor Kurzem hat die Schulklasse von Tochter Lika einen Kuchenbasar organisiert, um der Familie Geld zu spenden", berichtet Knebel.

Die Familie lebte fast zehn Jahre in Pirna, die Kinder im Alter zwischen drei und elf Jahren gingen hier in die Schule, das älteste schon aufs Gymnasium. Die Familie hatte in Pirna viele Freunde und engagierte sich in der Nachbarschaft und bei der Tafel. Beide Eltern waren berufstätig. Vater Ilias arbeitete in Festanstellung als Tagesbegleiter für einen Herrn mit Schlaganfall.

"Der Betreute möchte unbedingt wieder Herrn Imerlishvili als Begleiter an seiner Seite haben", betont Knebel. Seine Frau Ilona hat von einem Dresdner Pflegedienstunternehmen jetzt noch mal eine 30-Stunden Arbeitswoche angeboten bekommen. "Die Familie identifiziert sich mit Pirna. Es ist ihre Heimat", sagt auch Jörg Eichler von dem Sächsischen Flüchtlingsrat und Mitglied der Sächsischen Härtefallkommission, der ebenfalls bei der Übergabe der Petitionsliste anwesend war.

Kinder aus Pirna sind traumatisiert

Die Unterstützer und Freunde der Familie bilden einen engagierten Kreis , der sich aber nicht nur vor Ort in Sachsen für die Imerlishvilis einsetzt, sondern auch ganz konkret Geld sammelt. Bislang sind 14.000 Euro zusammen gekommen. Davon hat Matthias Knebel schon 3.000 Euro nach Georgien überwiesen. Natürlich hilft das Geld in einem Land, in dem die Imerlishvilis mehr Fremde als Einheimische sind. Fünf der sieben Kinder wurden in Deutschland geboren.

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Dennoch überwiegen Trauer, Ängste und Unsicherheit. "Die Kinder sind traumatisiert, sie schlafen und lachen nicht mehr. Es ist, als leben sie in einer Schockstarre", berichtet Matthias Knebel, der oft nach Georgien telefoniert. Er weiß auch, dass es im Netz durchaus Anfeindungen gegenüber den Unterstützern gibt. "Das ficht mich nicht an, weil ich mich bei Social Media raushalte", sagt der Pirnaer. Für ihn und die anderen Freunde der Familie ist klar: Sie werden weiterhin für die Rückkehr der Imerlishvilis kämpfen.

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