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89-Jähriger geht täglich in der Elbe baden

Albert Jäger aus Oberposta (Pirna) ist kein Warmduscher. Auch im Winter genießt er sein morgendliches Bad im kalten Fluss.

Albert Jäger aus Pirna geht jeden Tag zum schwimmen in die Elbe.
Albert Jäger aus Pirna geht jeden Tag zum schwimmen in die Elbe. © Daniel Schäfer

Außentemperaturen von zwei Grad können Albert Jäger an diesem Freitagmorgen nicht schocken. Der Senior schlüpft in seine Schuhe, öffnet die Haustür, geht zehn Meter durch Garten, quert die Straße und steigt dann mit Bedacht in die eisigen Fluten der Elbe, die vor seiner Haustür in Oberposta in Richtung Nordsee fließt. Nur wenige Minuten bleibt er im 3 Grad kaltem Wasser, um dann barfuß in seinem Vorgarten ein paar Schritte zu laufen. Danach geht es ab in die warme Küchenstube. Wasser für den Tee hat er bereits vorher aufgesetzt.

Seit 2008 ein tägliches Bad in der Elbe

Albert Jäger wird in wenigen Tagen 89 Jahre. Seit Mai 2008 schwimmt er fast täglich in der Elbe. Im Winter wie im Sommer. Außer, wenn die Elbe Eis führt. "Dann sind auch meistens die Uferränder zugefroren, und man kommt nicht ins Wasser. Es wäre zu gefährlich", sagt Jäger.

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Gut für die Ausschüttung von Vitamin D

Die Kälte macht ihm nichts aus. „Im Gegenteil. „Ich empfinde die Elbe auch im Winter als Erfrischung“, sagt der Postaer. Nach dem Bad fühlt er sich wohl in seiner krebsroten Haut, dieses Wohlbefinden breitet sich auch auf seinen Geist und seine Seele aus. Davon ist er überzeugt. Und er hat gelesen, dass ein Kältebad mehr Vitamin D im Körper erzeugt als ein Sonnenbad. Allerdings will er niemanden von seinem Frühsport überzeugen. „Jeder muss selber entscheiden, ob er so etwas macht“, erklärt Jäger. Anfeindungen oder ungläubige Blicke bekommt er aber auch nicht. Im Gegenteil. Erst vor Kurzem hielt ein vorbeifahrender Radfahrer an, um sich mit Albert Jäger über sein morgendliches Bad zu unterhalten. "Er konnte es fast nicht glauben, dass ich bei diesen Temperaturen in die Elbe gehe", berichtet Jäger. Vor einigen Tagen hat er sogar eine Mitstreiterin gefunden. Eine Anwohnerin schwimmt jetzt ebenfalls mit ihm ein paar Züge durch das eiskalte Wasser.

Eisbaden ist Gewöhnungssache

Überhaupt möchte er nicht als spleeniger Exot gelten. „In den östlichen Ländern ist Winterbaden weit verbreitet und hält fit“, sagt er. Aber so weit müsse man gar nicht schauen. Auch in Birkwitz träfe sich jeden Sonnabend eine Truppe, um winters wie sommers in den Fluten des Kiessees zu schwimmen. Ein Ehepaar schaffe es sogar, zehn Minuten bei eisigen Temperaturen in dem Wasser zu bleiben. „Das ist alles eine Gewöhnungssache“, weiß Albert Jäger. Jedenfalls sind übliche Erkältungen für ihn seit Beginn seines Baderituals in der Elbe ein Fremdwort.

Ex-Priester aus Paderborn zieht an die Elbe

Nicht nur sein Hang zum Baden fällt erfrischend aus dem Rahmen. Auch der Lebenslauf von Albert Jäger liest sich nicht unbedingt gradlinig. Geboren wird er bei Paderborn und studiert nach dem Abitur Philosophie und Theologie. Im Jahr 1965 gibt er seinen Beruf als katholischer Priester auf. „Den Dogmatismus der Kirche konnte ich nicht mehr aushalten.“ Also sattelt er auf Pädagoge um und arbeitet viele Jahre als Hauptschullehrer in Bielefeld. Seine Frau, deren Grabstein heute in seinem Garten an der Elbe steht, verstarb 1999. Um näher bei seiner Tochter zu sein, die als Pfarrerin in Geising arbeitet, kauft er sich das Haus in Oberposta. „Die Lage an der Elbe hat mir sofort gefallen.“ Bereut hat er diese Entscheidung nie, auch nicht nach der Flut von 2013.

Die Welt nach Oberposta holen

Zwar lebt Albert Jäger allein in dem großen Haus, ist aber nicht einsam. „Ich habe viele Freunde in Pirna und kommuniziere gerne über das soziale Netzwerk Ipernity.“ Seit 2008 postet er Fotos und schreibt Artikel über Gott und die Welt. Und die Welt antwortet ihm, denn er übersetzt einige seiner Artikel auf Französisch und Englisch. „So hole ich mir das Ausland nach Posta an die Elbe“, sagt der polyglotte Pirnaer. Sein Ziel? Solange es ihm gut geht, wird er weiterhin morgens seine Schwimmzüge durch die Elbe machen.

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