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Ab in die Pilze

Heidrun Wawrok kann Pfifferling von Knollenblätterpilz mühelos unterscheiden. Die Pirnaerin ist bereits in der Sächsischen Schweiz fündig geworden und gibt Tipps.

Pilzberaterin Heidrun Wawrok aus Pirna-Mockethal freut sich über eine gute Pilzernte.
Pilzberaterin Heidrun Wawrok aus Pirna-Mockethal freut sich über eine gute Pilzernte. © Daniel Schäfer

In Sachen Pilze macht Heidrun Wawrok aus Pirna-Mockethal keiner etwas vor. Die Pilzberaterin ist mit dieser Wissenschaft quasi aufgewachsen. Ihre Großmutter väterlicherseits ging bereits in die Pilze und war eine große Expertin. Als Häuslerin war sie auf Pilze als Speise angewiesen. Sie kannte sich gut aus. Dieses Wissen gab sie an ihre Enkelin Heidrun weiter, die nach der politischen Wende eine Prüfung bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie absolvierte und sich seitdem als Pilzsachverständige der Gesellschaft bezeichnen darf. In diesen Tagen geht die Pirnaerin oft und gerne in die Wälder, um mit vollem Korb zurückzukehren.

Frau Wawrok, haben Sie schon Pilze gefunden?

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Ja, ganz viele. Es gab in diesem Jahr besonders zahlreiche Pfifferlinge. Aber das ist schon fast vorbei. Man findet sie nur noch vereinzelt. Jetzt gibt es die üblichen Pilze, wie zum Beispiel Marone, Steinpilz und Rotfußröhrling, der in Sachsen auch Mooshedel genannt wird. Die klassischen Herbstpilze sind auch schon da, nämlich der Violette Rötelritterling, ein Speisepilz. Hingegen sind die braunen Ritterlinge nicht genießbar. Von ihnen gibt es dieses Jahr besonders viele.

Sprechen Sie jetzt von einer Pilzschwemme?

Nein, das wäre übertrieben. Das Wachstum ist ja auch immer von der aktuellen Witterung abhängig. In der vergangenen Woche hatten wir in der Tat einen Pilzschub; jetzt hat sich dieser aber schon wieder etwas abgeflaut. Sehr viele Wälder sind auch nicht mehr in dem früheren Zustand, sondern durch den Borkenkäfer geschädigt. Folglich wird es schwieriger, geeignete Stellen zu finden, wo Pilze wachsen. Leider gibt es immer weniger Fundstellen.

Verraten Sie uns Ihre Geheimstellen?

Ich habe keine solchen Orte. Es gibt zwar ein paar Fleckchen, wo ich gerne hingehe, aber ganz generell muss man sich immer wieder neu auf die Suche machen.

An welchen Standorten wachsen die meisten Pilze?

Das kann ich nicht sagen, weil es vom Wetter abhängt. Aber ich kann sagen, wo nur wenige Pilze wachsen, nämlich in Wäldern mit hohem Gras und viel Kraut. Dort findet man nur selten Speisepilze.

Welche Verhaltensregeln sollten beim Pilzesuchen beachtet werden?

Das Zuparken von Wegen im Wald geht natürlich überhaupt nicht. Es sind ja schließlich auch Rettungswege. Generell gilt, dass der Sammler nur so viele Pilze nimmt, wie er für den Eigenbedarf benötigt. Das besagt auch das Sächsische Naturschutzgesetz. So ist es beispielsweise verboten, selber gesammelte Pilze kommerziell zu verkaufen. Wer sich unsicher ist, welcher Pilz genießbar ist, sollte vorsichtig sein. Bei dem Grünen Knollenblätterpilz reicht schon eine Berührung aus, um sich zu kontaminieren, was zu gesundheitlichen Schäden führen kann. Ich wiederhole: Wer keine ausreichenden Kenntnisse über Pilze hat, sollte sie lieber stehenlassen.

Was ist bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung zu tun?

Die goldene Regel Nummer eins lautet: Ruhe bewahren. Danach sollte man den Notruf des Krankenhauses wählen. Wichtig ist, wer war an der Mahlzeit beteiligt? Wie lang ist die Zeitspanne zwischen ersten Vergiftungserscheinungen und der Einnahme der Pilzmahlzeit? Bereits am Telefon sollten die Symptome so exakt wie möglich angegeben werden. Wenn der Betroffene ins Krankenhaus eingeliefert wird, ist es hilfreich, Mahlzeitreste oder Pilzreste mitzunehmen. Das kann unter Umständen sogar Erbrochenes sein.

Was sollte ein Pilzsammler unbedingt bei sich haben?

Einen Korb und ein scharfes Messer. In einem Plastikbeutel würden die Pilze schwitzen. Außerdem dürfen sie nicht gedrückt werden. Bei Lamellenpilzen ist es wichtig, sie ganz mit der Stielbasis herauszunehmen. Deshalb ist ein Messer unerlässlich. Der Hallimasch wächst ohnehin nur am Holz, sodass man ihn ausschließlich abschneiden kann.

Bestimmte Pilzarten sind in einigen Gegenden Deutschlands durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl noch immer stark mit Cäsium 137 belastet. Ist das auch in der Region Sächsische Schweiz ein Problem?

Die radioaktive Wolke hat sich damals geteilt, einmal über Skandinavien und außerdem ist sie über Süddeutschland gezogen. Sachsen war davon nicht so sehr betroffen. Also gibt es keinen Grund zur Panikmache. In diesem Zusammenhang rate ich aber allgemein davon ab, Pilze am Straßenrand zu sammeln. Sie sind oftmals mit Schwermetallen belastet.

Pilzberaterin Heidrun Wawrok: Tel. 03501 464261

Giftnotruf für Sachsen: Tel. 0361 730730

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