merken
PLUS Pirna

Wer kümmert sich um Pirnas Radfahrer?

Die Ortsgruppe Pirna des ADFC wurde aufgelöst. Dennoch sind die Fahrradfahrer im Oberen Elbtal nicht ohne Lobby.

Steffen Hoffmann-Zahn aus Pirna ist nach wie vor für die Belange und Sorgen von Radfahrern in der Region Ansprechpartner.
Steffen Hoffmann-Zahn aus Pirna ist nach wie vor für die Belange und Sorgen von Radfahrern in der Region Ansprechpartner. ©  Archivfoto: Daniel Förster

Herr Hoffmann-Zahn, Sie haben vor acht Jahren die ADFC-Ortsgruppe Pirna gegründet. Jetzt wurde die Gruppe aufgelöst. Was ist passiert?

Es stimmt. Die Ortsgruppe Pirna gibt es nicht mehr. Es fanden sich nicht genügend Leute, die bei dem geplanten Neustart einen Sprecher gewählt hätten. Denn die Statuten des ADFC besagen, dass es in jeder Ortsgruppe einen Sprecher geben muss. Wir hätten für eine Wahl mindestens drei Personen gebraucht, die aber nicht zusammenkommen sind.

DDV Lokal
FÜR SIE NUR DAS BESTE - DDV Lokal
FÜR SIE NUR DAS BESTE - DDV Lokal

Unser DDV-Lokal-Shop ist der Ort, an dem wir für Sie das Besondere großschreiben. Egal ob als Überraschung für Ihre Liebsten oder für Sie selbst: Unsere Geschenke und Manufakturwaren vereinen Tradition, Qualität und Handwerkskunst vom Feinsten. Hier mehr erfahren!

Und wer vertritt jetzt die Interessen der Radfahrer in Pirna und der Region Oberes Elbtal?

Die Belange der Radfahrer werden vom ADFC Landesverband Sachsen mit Sitz in Dresden recht ordentlich vertreten. Ich selber bin nach wie vor Ansprechpartner für den ADFC vor Ort und kümmere mich um die Anliegen der Radfahrer in Pirna und Umgebung. Folglich haben die Radfahrer durchaus noch eine Lobby.

Hört sich stark danach an, als ob Sie Einzelkämpfer seien. Brauchen Sie Unterstützung?

Ja, selbstverständlich. Denn das Engagement und die Aktionen sollen nicht ruhen. Dafür ist das Thema zu wichtig. Während der Coronazeit waren wir jetzt weniger aktiv. Aber vor zwei Jahren hatten wir zu einer sogenannten Poolnudel-Fahrt durch Pirna eingeladen. Die Teilnehmer klemmten sich eine Schwimmnudel an den Gepäckträger, um andere Verkehrsteilnehmer auf den Mindestabstand beim Überholen hinzuweisen. Dieser beträgt 1,5 Meter und wird leider nicht immer eingehalten. Ich habe außerdem regelmäßigen Kontakt zu der Agenda 21. Das ist ein selbstständiger Arbeitskreis, der den Pirnaer Stadtrat berät. Dort vertrete ich die Interessen der Radfahrer. Weitere Aktionen sind geplant. Wer sich engagieren möchte, darf sich gerne bei mir per E-Mail unter [email protected] melden.

Was sind aus Ihrer Sicht die dringlichsten Probleme der Radfahrer, die in Pirna gelöst werden müssten?

Für die Radfahrer gibt es eine zu geringe durchgängige Infrastruktur. Das ist das Hauptproblem. Konkret meine ich damit, dass es zu wenig Radwege und Radstreifen gibt. Auch fehlen in Pirna Aufstellflächen für Radfahrer an Ampeln. Bei diesen stellen sich die Fahrradfahrer vor der Ampel gleich an die Haltelinie. Sie stehen folglich vor den Autos, fahren als Erste bei Grün los und werden somit gut gesehen. Auf der Stadtbrücke, Abzweig Brückenstraße, würde solch eine Maßnahme eindeutig für mehr Sicherheit der Radfahrer sorgen.

Der Radweg über die Stadtbrücke in Pirna aus Copitz in Richtung Altstadt ist schmal und hat einen hohen Bordstein. Das kritisieren zahlreiche Radfahrer.
Der Radweg über die Stadtbrücke in Pirna aus Copitz in Richtung Altstadt ist schmal und hat einen hohen Bordstein. Das kritisieren zahlreiche Radfahrer. © Archivfoto: Norbert Millauer

Bleiben wir bei der Stadtbrücke. Welche weiteren Probleme gibt es dort für Radfahrer?

Nicht neu, aber immer noch ungelöst ist die Schwierigkeit mit dem Radweg, der von Copitz in Richtung Altstadt führt. Der Radweg ist lediglich 1,40 Meter breit, inklusive der Pufferzone, was nicht der Norm eines benutzungspflichtigen Radweges entspricht. Dennoch hat der Radweg zwischen den Eisenbahnschienen und der Fahrbahn Bestandsschutz, was ich nicht nachvollziehen kann.

Denn nicht nur die Breite ist das Problem, sondern auch die Höhe. Der Bordstein misst 16 Zentimeter. Die Gefahr von Stürzen ist sehr hoch, gerade wenn hier ein Lkw vorbeifährt, der den Radfahrer mit seinem Luftsog beeinträchtigt. Der Radler gerät dann ins Trudeln. Für einen Radfahrer mit Doppelsitz-Anhänger ist der Weg praktisch nicht nutzbar. Die Folge: Viele nehmen den Radweg auf der gegenüberliegenden Fahrbahnseite, obwohl dieser nur in Richtung Copitz freigegeben ist. Und das kann teuer werden. Wer von der Polizei erwischt wird, zahlt 20 Euro.

Schon oft haben Sie bemängelt, dass Pirna zu wenig Einbahnstraßen für den Radverkehr freigibt...

Und an dieser Kritik halte ich fest. Vor allem die Öffnung der Gartenstraße für Radfahrer vom Bahnhof kommend in Richtung Altstadt wäre sinnvoll. Derzeit werden die Radler über die Klosterstraße gelotst. Ebenso sollten in Bereich der Pestalozzi-Oberschule in Copitz mehr Einbahnstraßen für Radfahrer in beiden Richtungen nutzbar sein. Konkret meine ich die Schillerstraße und die Schulstraße.

Okay, die Hausaufgabenliste der Stadt ist offensichtlich lang. Aber in welchen Bereichen hat die Verwaltung bereits gehandelt und Probleme für Radfahrer gelöst?

Stimmt, es ist auch schon etwas passiert. Unter anderem gab es eine Verbesserung an der Ampelschaltung auf der Stadtbrücke für die Abzweiger in die Brückenstraße. Dort mussten Radler bislang immer sehr lange auf Grün warten. Auf der Maxim-Gorki-Straße wurde der Belag des kombinierten Geh-/Radweges erneuert, und die Stadt hat auch verschiedene Schutzstreifen für Radfahrer auf Straßen eingerichtet.

Nicht zu vergessen der neue Radweg in der Südvorstadt an der Rottwerndorfer Straße...

Ja, aber dort wurden zu viele Poller aufgestellt. Die Stadt möchte somit verhindern, dass Autos den Weg mitnutzen. Verständlich. Aber die Poller wurden in einem Abstand von unter einem Meter gesetzt. Für Räder mit Kinderwagen oder auch größere Lastenräder gleicht diese Strecke einer Slalomfahrt. Positiv zu bemerken ist jedoch, dass die Stadt zahlreiche Fahrradstellplätze in den vergangenen Jahren geschaffen hat, unter anderem in der Breiten Straße und in der Gartenstraße.

Mehr zum Thema Pirna