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„Alarmstufe rot“ in Pirna

Der Veranstaltungstechniker und DJ Felix Arnold taucht die historische Brücke in Pirna in rotes Licht. Das sieht schön aus, hat aber einen ernsten Grund.

Felix Arnold und Ingo Funke (rechts) vor der rot angestrahlten Stadtbrücke Pirna.
Felix Arnold und Ingo Funke (rechts) vor der rot angestrahlten Stadtbrücke Pirna. © Marko Förster

Für krisengebeutelte Kunst- und Kulturschaffende sowie die Veranstaltungsbranche herrscht mit dem November-Lockdown „Alarmstufe rot“. Das hat am Sonnabendabend und in der Nacht zum Sonntag der bekannte und etablierte Discjockey und Veranstaltungstechniker Felix Arnold an einem der markantesten Bauwerke Pirnas symbolisiert. Gemeinsam mit Mitstreitern leuchtet der 23-Jährige aus Copitz für mehrere Stunden nahezu die komplette Südseite der historischen Stadtbrücke in der Sandsteinstadt rot an – alle neun Segmentbögen bis auf den mittelsten.

Die Illumination bot ein imposantes Bild, egal ob man von der Altstadt, den Elbhängen oder dem Sonnenstein zu der fast 300 Meter langen Steinbogenbrücke aus dem Jahre 1875 schaute. Das Farbspiel, das die Blicke der Passanten und Autofahrer auf sich zog, hatte jedoch einen sehr ernsten Hintergrund. Für Akteur und Unternehmer Felix Arnold steht fest: „Selbst Corona kann die Brücke zwischen uns nicht zum Einsturz bringen!“ Er meint die Kunst- und Kulturschaffenden – in seinem Fall die Party- und Veranstaltungsmacher – und ihr Publikum. „Unser Versprechen: Alles was wir in diesem Jahr für euch geplant hatten, holen wir im nächsten Jahr nach.“

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Ähnlich anderen Akteuren der Veranstaltungswirtschaft, die deutschlandweit unter dem Titel „Alarmstufe rot“ in Erscheinung treten, hat Arnold am Wochenende die Aktion „BrückenTag“ ins Leben gerufen und die Altstadtbrücke in flammendes Rotlicht taucht. Die jungen Männer stellten gut 50 Scheinwerfer links und rechts am Ufer der Elbe auf und betrieben sie mit einem Notstromaggregat.

Protestaktion, um auf Notlage hinzuweisen

Der Grund, dass die Elbüberführung so erstrahlte, ist allerdings ein ernster. Es war eine Protestaktion, mit der er als DJ und Veranstaltungstechniker auf ihre Notlage wegen des erneuten erzwungenen Arbeits-Stopps im Zuge der Corona-Pandemie und auf ihre prekäre wirtschaftliche Situation aufmerksam machen wollten. Es war ein Appell und Hilferuf an die Politik nach besseren Lösungen. In der Veranstaltungsbranche seien in den vergangenen Monaten umfangreiche Hygienekonzepte erfolgreich erprobt worden. Man könne Kunst, Kultur und Veranstaltungen nicht zum Sündenbock machen, meint Arnold. Gerade diese Bereiche hätten vor allem in Krisen ihre Daseinsberechtigung.

Durch die Absage sämtlicher Veranstaltungen in Verbindung mit der Corona-Pandemie kämpft die Branche ums Überleben. Schon im Frühjahr hätte es die Branche arg gebeutelt, und nun beutel es sie schon wieder. Für viele sei es eine existenzielle Frage, sagt Arnold. Er ist komplett auf Veranstaltungen in der Party- und Eventszene angewiesen. Ihm seien mindestens 50 Veranstaltungen weggebrochen.

Mit der Aktion ein Zeichen setzen

„Ich habe sehr viel in meine Veranstaltungstechnik investiert, in Ton- und Lichtanlagen“, sagt er. Die ganze Technik würde ihm nichts nützen, wenn sie nun wieder monatelang ungenutzt rumstünde. Vor Corona wäre er mindestens freitags bis sonntags bei Veranstaltungen in der Sächsischen Schweiz und in Dresden unterwegs.

Nicht nur Partygänger, auch Passanten hätten es deshalb am Wochenende nicht schlecht gefunden, „was wir hier gemacht haben“ – nämlich ein Zeichen setzen, dass es der gesamten Veranstaltungsbranche gegenwärtig und erneut nicht gut geht. Eine ähnliche Aktion unter dem Motto „Night of light“ gab es bereits im Juni. Damals färbte Felix Arnold einen Personendampfer der Sächsischen Dampfschifffahrt mit Scheinwerfern rot.

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