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Pirna: Unikat für eine besondere Kirche

Zinngießermeister Wolfgang Grahl hat seiner Liebethaler Gemeinde ein besonderes Geschenk gemacht. Nicht zum ersten Mal.

Wolfgang Grahl und seine Frau Sylvia spenden der Kirche in Liebethal zwei hohe Altarleuchter.
Wolfgang Grahl und seine Frau Sylvia spenden der Kirche in Liebethal zwei hohe Altarleuchter. © Marko Förster

Rauch, Kohle, Maschinenöl. Seine Werkstatt duftet nach gutem alten Handwerk. Und das, obwohl der große Ofen in der Ecke derzeit nicht gefeuert ist. In den Regalen stapeln sich blanke Teller, Vasen; Kerzenleuchter und Weinkelche stehen daneben. Momentan arbeitet Wolfgang Grahl an der großen Werkbank. Sein jüngstes Objekt? Ein Kerzenständer. Konzentration ist angesagt.

Zinngießermeister Wolfgang Grahl aus Liebethal fertigt in seiner Werkstatt einen Kerzenleuchter.
Zinngießermeister Wolfgang Grahl aus Liebethal fertigt in seiner Werkstatt einen Kerzenleuchter. © Daniel Schäfer

Der 76-Jährige hat zwei große Leidenschaften: Zinn und sein Dorf Liebethal, in dem er geboren wurde und aus dem er auch gewiss nicht mehr wegziehen wird. Jetzt hat der Zinngießermeister, gemeinsam mit seiner Frau Sylvia, der Kirchgemeinde ein besonderes Geschenk gemacht, nämlich zwei hohe Altarleuchter. Um die Geschichte zu berichten, muss allerdings etwas weiter ausgeholt werden.

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Liebe für Liebethaler Kirche

Kreativ ist Wolfgang Grahl bereits im Alter von zehn Jahren. Er malt und zeichnet. Seine Motive sucht er gerne in der näheren Umgebung. Darunter ist natürlich auch die schöne Dorfkirche von Liebethal. So entstehen im Laufe der Zeit zahlreiche Aquarelle von dem Gebäude, das vor einigen Jahren aufwendig saniert wurde. "Die Kirche mit dem markanten Turm hat mich immer fasziniert", sagt Grahl. Faszinierend findet ganz offensichtlich auch die Kirchgemeinde Graupa-Liebethal seine Zeichnungen. 2020 wurden sie in der Kirche ausgestellt. Ein großer Erfolg, über den sich Grahl bis heute freut.

Taufschale war Kartoffelschüssel

Allerdings bleibt es nicht nur bei der Ausstellung. Ebenfalls im vergangenen Jahr tritt der Kirchenvorstand auf den Zinngießermeister Grahl heran mit der Bitte, ob er die Taufschale restaurieren könne. Der Fachmann schaut genau hin und stellt fest: "Es war eine Kartoffelschüssel mit fürchterlichen Schäden. Das ging gar nicht". Kurzerhand fertigt er in seiner Werkstatt eine neue schöne Taufschale aus Zinn, die er zu Weihnachten der Kirche stiftete.

Auch die zwei früheren Altarleuchter hatten eine Auffrischung dringend nötig. Genauso kritisch begutachtet Wolfgang Grahl diese Gegenstände und kommt zum selben Schluss. "Es war Industrieware mit nur wenig Würde." Erneut bleibt es nicht nur bei dieser Kritik, sondern der Liebethaler spendet zwei neue Altarleuchter, die jetzt übergeben wurden. "Die Arbeit daran hat mir viel Freude bereitet", blickt Wolfgang Grahl zurück.

Spontaner Besuch in Meisterwerkstatt

Interesse am Handwerk und Kunst hat Wolfgang Grahl schon als Kind. Nach der Schule absolviert er zunächst eine Werkzeugmacherlehre und macht ein Abendstudium Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. 1966 ist ein entscheidendes Jahr für ihn. In der "Neuen Berliner Illustrierten" stößt er auf einen Artikel über den Zinngießermeister Herbert Knöfel in Liegau-Augustusbad. Der Artikel hängt heute noch in Grahls Werkstatt. Kurzentschlossen stattet er dem Meister bei Radeberg einen Besuch ab und beginnt dort eine Zinngießerlehre.Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut. 1969 besteht er seine Meisterprüfung und macht sich ein Jahr später mit seiner Werkstatt und seinem Atelier für Gestaltung in Liebethal selbstständig.

Zinnleuchter mit Palisanderholz veredelt

Seine Arbeiten sind vom Entwurf bis zur Ausführung das Ergebnis einer kreativen Gestaltung. Jedes Produkt - ein Unikat. "Ich bin bemüht, die alte Zinngießerkunst mit neuen Formen und anderen künstlerischen Lösungen zu beleben", sagt Grahl. So entstehen unter seinen Händen beispielsweise Zinnleuchter, in die er auch Palisander und anderen Edelhölzer einarbeitet. Außerdem entwickelt er eine aufwändige Dekor-Ätztechnik auf Zinn. Seine neue Werkstatt baut er 1998 auf und ist mit seinen Produkten auf zahlreichen Ausstellungen bundesweit vertreten.

Heute ist Wolfgang Grahl hauptberuflich Rentner, aber nimmt immer noch gerne Aufträge von privaten Personen an. "Ich gieße eben gerne Zinn", sagt er und lächelt dabei. Allerdings gibt er seine Leidenschaft für dieses Handwerk nicht an seine zwei Kinder weiter, die sich beruflich anders orientiert haben.

Garten und Malen sind ihm wichtig

Steht Wolfgang Grahl einmal nicht an seiner Werkbank, um Zinn in Form zu bringen, dann hat er immer noch genug zu tun. Der große Garten, in dem die Rosen blühen und die Tomaten bereits gut angesetzt haben, will Wasser und Pflege. "Und natürlich bleibt mir das Malen", sagt Wolfgang Grahl. Vielleicht entsteht ja schon bald ein neues Bild von der Liebethaler Kirche?

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