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PLUS Pirna

Autoteile verkauft und nicht geliefert

Kunden zeigten einen Pirnaer an, weil sie bei ihm über das Internet gekaufte und bezahlte Waren nicht erhielten. Wegen mehrfachen Betrugs stand er vor Gericht.

© Symbolfoto: Monika Skolimowska/dpa

Von Friederike Hohmann

„Frau Vorsitzende, das kann ich Ihnen erklären.“ So beginnt Jens R. immer wieder seine Einlassungen. Richterin Simona Wiedmer hat große Mühe, das von Jens R. Vorgetragene einzuordnen. Mit jeder Antwort sorgt er am Amtsgericht in Pirna für weitere Verwirrung. Jede Erklärung wirft eine neue Frage auf. Um welche Firma geht es hier gerade? Und wie viele sind es überhaupt? Wer war zu welchem Zeitpunkt dafür verantwortlich? Wer war Geschäftsführer, wer hatte die Übersicht? Jens R. spricht sehr schnell und springt dabei immer wieder von einem zum anderen.

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Klar wird dabei, dass der Angeklagte seit 2007 Autoteile im Internet verkauft. Die Produkte hat er in verschiedenen Onlineportalen eingestellt. Die Kunden kaufen bei ihm über E-Bay, E-Bay-Kleinanzeigen, Amazon oder direkt in seinem Onlineshop und zahlen auch direkt an ihn. Anfangs habe R. die Teile noch selbst besorgt, sei dazu auch regelmäßig nach Tschechien und Polen gefahren. Seit einigen Jahren würden die Bestellungen in seinen Shops jedoch an Lieferanten weitergeleitet, die die Ware dann selbst an die Kunden schicken. Deshalb habe er sich auch gar nicht mehr darum gekümmert. Das sei alles von selbst gelaufen. Nur wenn es Störfälle gab, habe Jens R. eingegriffen und sich ansonsten um seine neue Firma gekümmert.

Über 600 Beschwerden

Ob es sich wirklich nur um Störfälle oder um gewerbsmäßigen Betrug handelte, den ihm die Staatsanwaltschaft vorhält, soll nun das Gericht klären. Eine IT-Forensikerin der Staatsanwaltschaft hatte im Vorfeld der Verhandlung ein halbes Jahr lang einen der Rechner von Jens R. ausgewertet und dabei etliche Hinweise dafür gefunden, dass es spätestens seit Ende 2018 Unregelmäßigkeiten beim Verkauf von Autoteilen über das Internet gab.

Dazu hatte sie über 5.500 E-Mails gesichtet, die mit dem Verkauf über eine seiner Firmen zusammenhängen. Sie fand dabei 629 Mails, bei denen es wohl um solche Störfälle ging. Immer hatten Käufer ihre Ware nicht erhalten, nachdem sie den angeforderten Betrag auf eines der Privatkonten des 55-jährigen Deutschen überwiesen hatten. Dabei fand die IT-Forensikerin auch einige der von Kunden angezeigten und von der Staatsanwaltschaft verfolgten Fälle. Insgesamt sieben Betrugsfälle mit einem Gesamtschaden von 2.205 Euro stehen in der Anklageschrift.

E-Bay sperrte das Konto

Die Sachverständige hatte durch ihre Auswertung auch herausgefunden, dass R. selbst Ärger mit mindestens einem Lieferanten hatte. Dieser versorgte wegen offener Rechnungen die Kunden von R. nicht mehr. Die Kunden hatten an R. bezahlt, bekamen aber ihre Ware nicht. Das führte nicht nur zu vielen Beschwerdemails, sondern auch zu negativen Kundenbewertungen in den Onlineportalen. Ebay sperrte dem Pirnaer daraufhin das Konto. Da half es Jens R. auch nicht, dass er versuchte, über einen geänderten Firmennamen, unter anderer E-Mail-Adresse und mithilfe des Namens einer Bekannten, die in seinem Firmengeflecht auch als Liquidatorin auftritt, weiter über E-Bay zu verkaufen. Denn deren Algorithmus erkannte den ungeeigneten Versuch sehr schnell.

In diesem Gerichtsprozess geht es lediglich um die von der Staatsanwaltschaft angeklagten Fälle. Jens R. möchte dem Gericht dazu noch entlastende Unterlagen vorlegen. Dazu benötigt er aber seinen Rechner, den er sich bei der Staatsanwaltschaft abholen kann. Deshalb wird der Prozess fortgesetzt. Ein neuer Termin ist noch für Dezember bestimmt.

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