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Gerüchte um den Badesee Birkwitz

Die Kieswerke pumpen angeblich noch mehr Wasser aus dem See. Der Geschäftsführer des Unternehmens sagt der SZ, wie es ist.

Der Wasserspiegel im Badesee Birkwitz ist gesunken. Haben die Kieswerke Borsberg jetzt eine neue Pumpe eingebaut?
Der Wasserspiegel im Badesee Birkwitz ist gesunken. Haben die Kieswerke Borsberg jetzt eine neue Pumpe eingebaut? © Archivfoto: Daniel Schäfer

Die Bewohner von Birkwitz-Pratzschwitz sind beunruhigt. Es geht um den Badesee in Birkwitz. Gerüchte besagen, dass die Kieswerke Borsberg eine neue Pumpe auf ihrem Tagebau-Betriebsgelände in Birkwitz eingebaut hätten, um noch mehr Wasser aus dem Badesee für die Kiesspülung zu entnehmen.

"Dann ist der See ja bald ganz ausgeschöpft", sagt ein Anwohner. Damit nicht genug. Außerdem habe er gehört, dass die Kieswerke jetzt doch keine Genehmigung bekommen hätten, künftig Spülwasser aus der Kiesgrube beziehungsweise aus dem Tagebau Copitz zu nutzen. "So würde weiterhin Wasser aus dem Badesee in Birkwitz gepumpt werden, der dann zu verlanden droht. Das Thema ist ja nicht neu", sagt der Birkwitzer.

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Die Sache ist etwas kompliziert. Für die Spülung des Kieses entnehmen die Kieswerke Borsberg derzeit Wasser aus dem Kiessee in Birkwitz, der an der westlichen Seite als Badesee genutzt wird. Das Problem des Badesees ist der stark gesunkene Wasserstand. "Seit 2018 ist der Pegel um mindestens 1,80 Meter gefallen", erklärt Ortsvorsteher Dieter Fuchs (Freie Wähler).

Dafür gebe es zwei Gründe. "Es ist die Folge der relativ dürren vorangegangenen Sommer", meint Fuchs. Aber nicht nur. Denn kritisch sei umso mehr die Wasserentnahme aus dem See durch die Kieswerke Borsberg. Nach seinen Recherchen entnehme das Unternehmen werktags täglich rund 3.600 Kubikmeter Wasser, um den Kies zu spülen, der aus den umliegenden Tagebaufeldern gewonnen wird. Eine Rückführung fände nicht statt, so Fuchs. "Die Wiederauffüllung sollte eigentlich durch rückfließendes Grundwasser erfolgen", erklärt Fuchs. Und genau hier läge das Problem.

Denn bis Sommer 2017 haben die Kieswerke Kies aus dem See gefördert und das dafür benötigte Wasser wieder eingespült. "Allerdings ungefiltert über ein Rohr", sagt Ortschaftsrat Hans Prugger, der sich mit der Problematik ebenfalls intensiv beschäftigt hat. Somit seien auch Sedimente in den See zurückgeführt worden. "Diese haben sich wie eine Schicht, eine Art Folie, an den Seerändern und auf dem Seegrund abgelagert und die Fläche verdichtet, sodass das Grundwasser nicht mehr nachströmen kann", erläutert Prugger. Die Folge läge auf der Hand. "Der See droht zu verlanden, weil hier nur Wasser entnommen wird, und es keine Kompensation durch das Grundwasser gibt", fassen Dieter Fuchs und Hans Prugger zusammen.

Wasser aus Kiessee Birkwitz bald nicht mehr nötig

Deshalb machten sich Anwohner und Ortschaftsrat für einen Stopp der Wasserentnahme aus dem Kiessee Birkwitz stark und hatten letztlich Erfolg. Im vergangenen Jahr lenkte das Kieswerk schließlich ein und beantragte beim zuständigen Sächsischen Oberbergamt die Entnahme aus der Kiesgrube Copitz, sodass das Wasser aus dem Birkwitzer See nicht mehr benötigt wird. Nach Informationen von Sächsische.de hat das Amt dieser geplanten Umverlegung zugestimmt. Droht der Deal jetzt doch noch zu scheitern, wie die derzeit kursierenden Gerüchte besagen?

Künftig Wasserentnahme aus dem Tagebau Copitz

Entwarnung kommt von Matthias Erben, Geschäftsführer der Kieswerke Borsberg, der die SZ-Informationen bestätigt. "Vom Sächsischen Oberbergamt wurde am 11. Januar die Änderung der bestehenden wasserrechtlichen Erlaubnis genehmigt und damit auch die Umverlegung der Wasserentnahme sowie die Einspülung in das Abbaufeld Pirna-Copitz". An dem Plan habe sich also nichts geändert. Mit den ersten Arbeiten zur Umverlegung der Wasserentnahme und der Schaffung einer neuen Einleitstelle im Tagebau Pirna-Copitz sei bereits bereits begonnen worden, so der Geschäftsführer weiter. Unter anderem hätten Fachleute neue Leitungen verlegt. "Diese Arbeiten werden sich jedoch aus Kapazitätsgründen des beauftragten Unternehmens bis Mitte diesen Jahres hinziehen", erklärt Erben.

Neue Pumpe wird später von Birkwitz nach Copitz versetzt

Unterdessen bestätigt der Geschäftsführer den Einbau einer neuer Pumpe im Tagebau Birkwitz-Pratzschwitz. "Die bestehende, mehr als 20 Jahre alte Pumpe wurde aus Verschleiß- und Energieeffizienzgründen durch eine neue, leistungsgleiche Pumpe ersetzt", sagt der Chef der Kieswerke. Er beteuert jedoch, dass eine Erhöhung der Entnahmemenge damit nicht verbunden sei. Pumpe und Ponton werden nach der abschließenden Umverlegung der Rohrleitungen von Birkwitz in den Tagebau Copitz umgesetzt, verspricht Erben.

Auch Ortsvorsteher Fuchs bestätigt gegenüber Sächsische.de. "Ich habe erst vor Kurzem mit der Geschäftsführung von den Kieswerken gesprochen. Der Plan, dass spätestens ab dem 30. Juni 2021 kein Wasser mehr aus dem Kies- und Badesee in Birkwitz entnommen wird, steht", bekräftigt Fuchs.

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