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Neustadt: Betrug mit begehrten Schmusekatzen

Eine Frau bot bei Ebay-Kleinanzeigen Katzenjunge an, die sie gar nicht hatte. Bei ihrer Verurteilung half ausgerechnet ihr Lebensgefährte nichtsahnend mit.

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Das Bild mit den Katzen sollte ein Beleg für Kaufinteressenten sein. Vor Gericht wurde daraus ein Beweisfoto.
Das Bild mit den Katzen sollte ein Beleg für Kaufinteressenten sein. Vor Gericht wurde daraus ein Beweisfoto. © SZ

Von Friederike Hohmann

Katzen der Rasse Britisch Kurzhaar sind wegen ihres ausgeglichenen und ruhigen Wesens besonders beliebt. Nachwuchs vom Züchter bekommt man nicht unter 900 Euro. Aber manchmal gibt es die begehrten Kätzchen auch zum Schnäppchenpreis.

Das glaubten jedenfalls mehrere Katzenliebhaber, die im April die Anzeige von Petra H. entdeckten: Fünf Kitten aus Hobbyzucht wurden für jeweils 320 Euro angeboten. Um sich eines der Tiere zu sichern, zahlte eine Interessentin aus Sachsen 100 Euro an. Ein Mann aus Bayern überwies 150 Euro als Anzahlung für zwei Kätzchen. Ende Juni sollten sie die Tiere dann bei Petra H. abholen. Doch daraus wurde nichts. Nach langem Hinhalten teilte H. mit, dass sie die Katzen leider einschläfern lassen musste. Das Geld zahlte sie nicht zurück und kassierte dafür zwei Anzeigen und eine Klage vor Gericht.

Zu ihrem Termin wird Petra H. vom Streifenwagen abgeholt, von einer Ladung hätte sie gar nichts gewusst. Nach Verlesung der Anklage - sie lautet auf gewerbsmäßigen Betrug - beteuert die Deutsche immer wieder, die Katzen seien verstorben. Doch Richterin Simona Wiedmer ahnt, dass auch das gelogen ist. Schließlich hatte die 50-Jährige bereits einen Strafbefehl bekommen, weil sie schon einmal mit der gleichen Masche zwei Katzenliebhaber betrogen hatte.

Motiv der Neustädterin: Geldnot

Die Richterin konfrontiert Petra H. mit der Korrespondenz, die sie mit der Frau aus Sachsen hatte. Ihr Mann sei letzte Nacht gestorben, sie sei ganz durcheinander, hatte H. damals an die ungeduldige Frau geschrieben, als der Abholtermin längst verstrichen war. Gegenüber dem Gericht gesteht sie diese Lüge nun kleinlaut ein. Ab jetzt will sie aber gar nichts mehr sagen.

Da klopft es an der Tür zum Gerichtssaal. Der Lebensgefährte von Frau H. bittet um Einlass. Er hatte etwas länger zum Gericht gebraucht, war er doch nicht wie seine Gefährtin von der Polizei chauffiert worden. Für die Richterin kommt der quicklebendige Partner der Frau H. gerade zur rechten Zeit. Womöglich kann er ja bei der Wahrheitsfindung behilflich sein. So bittet sie ihn auch direkt in den Zeugenstand.

Auskunftsfreudig beantwortet der Zeuge die Fragen: Ja, Katzen hätten sie, zig Sorten, auch Hunde und Hasen. Eine Britisch Kurzhaar sei auch dabei, aber die hatte ganz sicher keinen Nachwuchs. „Nein, bei uns ist keine Katze verstorben.“ Frau H. rutscht immer tiefer auf ihrem Stuhl. Aber es wird nicht besser. Ihr Freund hat offensichtlich keine Ahnung, worum es hier eigentlich geht. Auf einem Foto in der Akte sind zwei Kätzchen in einem Wohnzimmer zu sehen. Das sei definitiv nicht bei ihnen zu Hause aufgenommen, beteuert er. „Bei uns sieht es ganz anders aus.“ Petra H. hatte den Geprellten dieses Bild als Beweis dafür, dass sie die Kätzchen bei sich habe, geschickt.

Als die überführte Angeklagte jetzt aber wirklich nichts mehr sagen will, schickt die Richterin sie zur Beratung mit ihrem Freund vor die Tür. Ihr Geständnis fällt knapp aus. Mit Geldnot begründet sie den Betrug. 80 bis 90 Leute hätten sich auf das Angebot gemeldet.

Schaden gering, aber mehrere Vorstrafen

Der Schaden, den Petra H. dieses Mal anrichtete, ist mit 250 Euro zwar relativ gering. Aber das Gericht sieht auch, dass Geldstrafen bei der mehrfach vorbestraften Frau bisher keine Wirkung zeigten. Deshalb wird sie wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss sie 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und den Geschädigten das Geld zurückzahlen. „Lassen Sie die Finger davon! Nicht, dass Sie im nächsten Frühjahr wieder Katzen verkaufen“, warnt die Richterin.