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Das blüht Pirnas Rathaus

Die Freien Wähler bepflanzen auf eigene Kosten die Blumenkästen - worauf die Stadt in diesem Jahr wegen des Sparzwangs verzichtet.

Die Freien Wähler bei der Pflanzaktion auf dem Pirnaer Markt: Sven Vater, Martin Förster von der Gärtnerei Lohse, Ralf Thiele, Ralf Böhmer, Uwe Seidel und Dieter Fuchs (v.l.).
Die Freien Wähler bei der Pflanzaktion auf dem Pirnaer Markt: Sven Vater, Martin Förster von der Gärtnerei Lohse, Ralf Thiele, Ralf Böhmer, Uwe Seidel und Dieter Fuchs (v.l.). © Daniel Förster

Dem Pirnaer Rathaus drohten in diesem Jahr farblose Zeiten. Weil in der Stadtkasse mehrere Millionen fehlen und eine Stadtratsmehrheit nahezu alle vorgeschlagenen Steuer- und Gebührenerhöhungen ablehnte, muss die Stadt zusätzliches Sparpotenzial ausloten.

Der Rundum-Kahlschlag traf auch die Blumenkästen am Rathaus, in denen es bislang alljährlich blühte - was Einwohner und Gäste gleichermaßen erfreute. In diesem Jahr allerdings sollte es vorbei sein mit der Blütenpracht. Die Stadt kündigte schon vor einiger Zeit an, die Blumenkästen am Rathaus und auch am Stadthaus gegenüber aus Kostengründen nicht mehr zu bepflanzen.

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Nun aber ist die drohende Ödnis im Blumenkübel abgewendet, es kann jetzt doch noch blühen.

Freie Wähler übernehmen Kosten von 2.500 Euro

Die Freien Wähler in Pirna initiierten kurzerhand eine Aktion, um die Blumenkästen zu bestücken. "Wir wollen die Stadt bunter machen und daher nicht auf den Blumenschmuck verzichten", sagt Ralf Böhmer, Fraktionschef der Freien Wähler im Stadtrat.

Die Mitglieder kauften auf eigene Kosten fast 350 Blumen, darunter Geranien und andere Hängeblumen, dazu Erde und alles, was noch zum Einpflanzen erforderlich ist.

Vor dem Rathaus bauten die floristisch Engagierten Stehtische auf und brachten die Pflänzchen - angeleitet von fachkundigen Gärtnern - in die Erde. In Kürze werden die bepflanzten Kästen am Rathaus sowie am Stadthaus angebracht.

"Es soll auch in diesem Jahr am Rathaus blühen, daher haben wir die Kosten von 2.500 Euro übernommen", sagt Böhmer. Schließlich wolle man - wenn es wieder möglich ist - viele Menschen in die Stadt locken. Daher müsse die Stadt attraktiv für Einwohner und Touristen sein. Ein schöner Blumenschmuck gehöre da einfach dazu.

Politischer Kontrahent reagiert mit Ironie

Es ist nicht die erste Aktion dieser Art: Vor einigen Wochen befreiten die Freien Wähler die Elbwiesen in Pirna von Unrat. Weitere Ideen reifen bereits. "Angesichts der Finanzkrise wollen wir die Stadt auf keinen Fall hängenlassen", meint Böhmer.

Lob für die Aktion - wohl eher ironisch gemeint - kommt vom politischen Kontrahenten. Die Wählervereinigung "Pirna kann mehr" (PKM) hatte am 21. April eine Mitteilung in die Öffentlichkeit lanciert. Darin rief der PKM-Stadtrat Thomas Mache auf, dass sich doch möglichst viele ehrenamtliche Blumen-Paten für die Pflanzkübel in der Innenstadt und für die Blumenkästen finden mögen - um sie angesichts des städtischen Verzichts dennoch zu bepflanzen.

Nun dankt PKM-Sprecher Oliver Lang ausdrücklich den Freien Wählern, die weder Kosten noch Mühe gescheut hätten, eine fremde Idee in die Tat umzusetzen. So viel Selbstlosigkeit sei selten.

Verbales Scharmützel bei Facebook

Allerdings seien die Freien Wähler, so kontert Böhmer, keinesfalls auf die von PKM vorgeschlagene Aktion aufgesprungen. "Aufrufen ist eine Sache, handeln eine andere", sagt der Fraktionschef. Bei den Freien Wähler gelte das Motto, nicht nur über etwas zu reden, sondern es einfach mal zu machen.

Im Übrigen teilen die Freien Wähler in dem verbalen Klein-Klein-Scharmützel, was sich unter einem von PKM dazu geposteten Facebook-Eintrag entwickelte, mit, dass die Idee ihrerseits schon vom 19. April stamme, also zwei Tage früher in der Welt war als die PKM-Mitteilung. Aber PKM, so lassen die Freien Wähler lakonisch wissen, könne das gern als ihre Idee verkaufen.

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