Pirna
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Das geschah in Pirna am 9. November 1938

Das Alternative Kultur- und Bildungszentrum und die Stadt gedenken am Dienstag der Opfer der Pogromnacht.

Von Mareike Huisinga
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Am Haus Markt 14/Ecke Schössergasse wurde eine Gedenktafel für Wolf Jurmann angebracht. Der Pirnaer Geschäftsmann wurde Opfer der Novemberpogrome 1938.
Am Haus Markt 14/Ecke Schössergasse wurde eine Gedenktafel für Wolf Jurmann angebracht. Der Pirnaer Geschäftsmann wurde Opfer der Novemberpogrome 1938. © Archivbild: Norbert Millauer

Was geschah am 9. November 1938 in Pirna? Unrecht und Erniedrigung gegenüber jüdischen Mitbürgern. In den Morgenstunden des 10. Novembers schlugen SA-Trupps die Schaufensterscheiben des Herrenkonfektionsgeschäftes von Wolf Jurmann am Markt ein. Gegenüber dem jurmannschen Geschäft besaß Herr Weiner ebenfalls einen Laden. Auch er war Jude. Man hatte ihm ebenfalls in der Nacht die Schaufensterscheiben eingeschlagen und überall "Jude" auf die Scheiben geschmiert. Zahlreiche Schaulustige standen am Morgen vor den Geschäften. Nach den Ausschreitungen am 9. November wurden die männlichen Juden in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Tausende wurden dort inhaftiert. So auch Wolf Jurmann aus Pirna.

Gedenkveranstaltung und Stadtrundgang

Dieses Unrecht soll nicht vergessen werden. Zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938 in Pirna führt das Alternative Kultur- und Bildungszentrum (Akubiz e.V.) am Dienstag einen Stadtrundgang auf den Spuren ehemaliger jüdischer Pirnaer durch. Der Stadtrundgang wird um 17 Uhr mit einer Gedenkveranstaltung an der Gedenktafel in Erinnerung an die Zerstörung des Geschäftes Wolf Jurmanns in der Schössergasse eröffnet. Der Oberbürgermeister der Stadt Pirna, Klaus-Peter Hanke (parteilos), wird ebenfalls Worte an die Teilnehmenden richten.

Der Stadtrundgang führt durch die Pirnaer Innenstadt. Eine Station der Tour wird bei Rosalie und Max Goldschmidt in der Schloßstraße 13 sein, die hier ab Oktober 1879 ein Geschäft für Schnitt- und Modewaren betrieben. Ebenfalls in Pirna lebte die Schwester von Max Goldschmidt, Helene. Sie heiratete David Rosam und zog mit ihm 1888 aus Dresden nach Pirna. Dort wohnten sie Am Markt 16, einer weiteren Station auf dem Stadtrundgang. Ihr Sohn Hugo wurde 1890 in Pirna geboren.

Geschichtsatlas beschreibt jüdisches Leben in Pirna

Im Anschluss findet in der K2-Kulturkiste, Schössergasse 3, eine Informationsveranstaltung zum digitalen Geschichtsatlas gedenkplaetze.info statt. Hier gilt die 2G-Regel. Der Referent wird die Entstehung eines Eintrages von den ersten Rechercheergebnissen bis zu einem vollständigen Eintrag erläutern und dabei auch auf Hindernisse und Fehlstellen in der Recherche zur jüdischen Geschichte Pirnas eingehen.

Im Rahmen der „Aktionswochen gegen Antisemitismus“, die seit 2003 jährlich um den 9. November durch die Amadeu Antonio Stiftung veranstaltet werden, beteiligt sich der Verein Akubiz seit mehr als 15 Jahren mit eigenen Veranstaltungen vor Ort im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Weitere Informationen zu zerstörten jüdischen Geschäften in Pirna am 10. November 1938 gibt es ebenfalls bei gedenkplaetze.info.