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Pirnaer Altmeister mit der Kamera

Fotograf Andreas Unger aus Pirna wurde mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt. Er blickt zurück auf 50 Jahre Meister-Dasein - zusammen mit anderen.

Fotograf Andreas Unger (Mitte) mit Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden (li.), und Falk Walther, Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Dresden.
Fotograf Andreas Unger (Mitte) mit Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden (li.), und Falk Walther, Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Dresden. © Andre Wirsig/Handwerkskammer

Andreas Unger und seine Foto-Läden waren in Pirna eine Institution. Jetzt wurde ihm durch die Handwerkskammer der Goldene Meisterbrief verliehen, denn er hat vor 50 Jahren seinen ersten Meister absolviert. Ein halbes Jahrhundert – „die Zeit ist schnell vergangen", sagt Unger und lacht. „Ich kann mich noch genau erinnern, wo wir den Meisterbrief erhalten haben, damals im italienischen Dörfchen in Dresden“. Dass das schon 50 Jahre her ist, fühle sich nicht so an.

Vergangene Woche wurden 15 Personen aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt. Hinzu kamen elf Meister aus dem Landkreis Görlitz. Bei Essen, Trinken und musikalischer Begleitung wurden die Briefe feierlich verliehen. Insgesamt waren an diesem Tag 1.300 Jahre Handwerks-Erfahrung versammelt.

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Dramatische Zeit nach dem Hochwasser 2002

Bei Andreas Unger hat alles in Pirna angefangen, dort hat er gelernt. Nach Abschluss der Lehre und der Armee-Zeit ging es für ihn in die Medizinische Akademie, wo er Operationen fotografiert und gefilmt hat. Danach hat er sich in Pirna mit einem eigenen Laden selbstständig gemacht. Nach der Wende kam das zweite Geschäft in Pirna – inklusive großem Studio, von dem er noch heute schwärmt. Irgendwann zog es Unger zur Industriefotografie. Dort lichtete er Maschinen und Produkte ab. „Ich habe die verschiedensten Richtungen gemacht und alles hat mir Spaß gemacht“, sagt er.

Die Hochwasser 2002 und 2013 waren besonders dramatische Einschnitte, erinnert er sich: „Das Wasser stand zwei Meter hoch im Geschäft, alles weg“. Ein Viertel Jahr lang mussten seine Geschäfte komplett zu bleiben. So erging es damals vielen Läden, Pirna war besonders schlimm von den Hochwassern betroffen. Auch danach lief es erstmal schleppend, die Kunden fehlten und er hatte nur kleine Aufträge wie Passbilder. Das hat ihn jedoch nicht von seiner Leidenschaft abgehalten und es gab viele tolle Momente, wie Hochzeiten, die Begegnungen mit netten Menschen und die Zufriedenheit seiner Kunden. Aber das Schöne am Fotografen-Handwerk sei schon die Fotografie an sich, schwärmt Unger. Es war immer sein Traumberuf gewesen, bereits als Jugendlicher hat er fotografiert.

Fotografen-Beruf heute nicht mehr geschützt

Der Beruf Fotograf habe sich über die Jahre verändert. Zum einen gebe es mittlerweile andere technische Voraussetzungen, besonders nach der Wende war dies zu spüren. Aber auch das Handwerk an sich hat sich verändert: „Die schlechteste Veränderung war die Abschaffung des Meisterbriefes“, sagt Andreas Unger, „Das war schon nachteilig, denn so konnte sich jeder einfach eine Kamera nehmen und sagen, so jetzt fotografiere ich“. 2004 wurde die Meisterpflicht für Fotografen, wie für weitere Handwerke, aufgehoben. Bis dahin wurden ausgebildete Fotografen ein Stück weit vor Konkurrenz geschützt. Seit dem gilt die Meisterpflicht nur noch für handwerkliche Berufe, deren Ausübung gesundheitsgefährdend oder gefährlich für das Leben Dritter sein können sowie bei aussterbenden Berufen, um die Wissensweitergabe zu garantieren.

Mit 69 Jahren hat Andreas Unger seinen Laden abgegeben und ist in den Ruhestand gegangen. Blickt er manchmal wehmütig auf die Zeit zurück? „Nach nun vier Jahren nicht mehr“, schmunzelt Unger und ergänzt: „Meine Frau gar nicht“. Denn sie habe immer im Laden gestanden von früh bis abends, da Unger oft deutschlandweit unterwegs war. Der Plan für den Ruhestand bestand aus Wandern, Rudern und Skifahren. Das hat er auch erfolgreich umgesetzt die letzten Jahre: „Ich gehe zweimal die Woche rudern und natürlich wandern mit meiner Frau, sehr gerne in der Sächsischen Schweiz“.

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Wo der Goldene Meisterbrief hinkommt, weiß Unger auch schon: An die Wand in seinem Arbeitszimmer, wo er seine Fotos bearbeitet. Bei der Übergabe des Briefes stand Andreas Unger ausnahmsweise mal vor der Kamera. Ein komisches Gefühl, wie er findet, er stehe dann doch lieber dahinter.

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