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Das miese Geschäft der Tierschmuggler

29 illegal eingeführte Welpen entdeckte die Polizei bereits in diesem Jahr an der A 17. Was macht das mit der Seele der Tiere? Ein Interview.

Von Mareike Huisinga
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Regina Walther vom Tierschutzverein Pirna mit Bobby. Bobby wurde nicht geschmuggelt, andere Welpen aber schon.
Regina Walther vom Tierschutzverein Pirna mit Bobby. Bobby wurde nicht geschmuggelt, andere Welpen aber schon. © Daniel Schäfer

Erst vor Kurzem wurden zwei geschmuggelte Welpen von der Bundespolizeiinspektion Berggießhübel auf der A 17 entdeckt und sichergestellt. Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass die Hunde zu jung für den Transport durch Deutschland waren und ein ausreichender Impfschutz ebenfalls nicht vorhanden war. Gegen zwei Bulgaren wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet.

Kein Einzelfall. Das Geschäft mit dem Hundeschmuggel scheint zu laufen. Allein in diesem Jahr wurden 29 Welpen von den Bundespolizisten Berggießhübel an der deutsch-tschechischen Grenze beschlagnahmt. Die Dunkelziffer ist unbekannt, aber sicher höher. Über Tierschmuggel und das Leiden der Jungtiere spricht Sächsische.de mit Regina Walther vom Tierschutzverein Pirna und Umgebung.

Frau Walther, welche zwei Hunde wurden jetzt von den Polizisten entdeckt? Was konkret passiert mit den Tieren?

Ich meine, es war eine Zwergspitzart. Aber so ganz genau konnte man das nicht feststellen, da die Welpen höchstens vier Wochen alt waren. Die geschmuggelten Welpen sind jetzt in einem Tierheim in der Quarantäne. Dort werden sie aufgepäppelt. Herausgegeben werden sie erst, wenn der angebliche Besitzer entsprechende Papiere nachweisen kann. Ist das nicht der Fall, gibt das zuständige Veterinäramt die Tiere zur Vermittlung frei.

In welchem Tierheim im Landkreis die zwei Welpen aktuell untergebracht sind, können Sie nicht sagen?

Das darf ich nicht. Aus Sicherheitsgründen. Denn oftmals stehen mafiöse Strukturen hinter dem Tierschmuggel. Bundesweit ist es schon vorgekommen, dass die Täter in die Tierheime eingebrochen sind, um sich die geschmuggelten Welpen wiederzuholen.

Die jüngst aufgefundenen Welpen waren erst vier Wochen alt. Welche Folgen sind für sie zu befürchten?

Jungtiere, die geschmuggelt werden, sind oft unzureichend geimpft. Das war ja diesmal auch der Fall. Es fehlt der Schutz gegen Tollwut. Sie haben eine Vielzahl von Krankheiten. Oftmals sind sie verwurmt, da sie niemals einem Tierarzt vorgestellt worden sind.

Das sind die physischen Folgen. Was macht es aber mit der Seele des Welpen?

Oftmals sterben die Jungtiere, da sie zu früh von ihrer Mutter weggenommen worden sind. Sie haben keine soziale Prägung, die normalerweise in den ersten acht Wochen stattfindet. Sie sind ebenso traumatisiert aufgrund der langen Autofahrt. Die Welpen leiden entsetzlich. Aber auch für die Muttertiere ist die Situation furchtbar. Sie werden meistens in Käfigen gehalten und dienen lediglich als Gebärmaschine.

Welche Hunderassen werden bevorzugt geschmuggelt?

Es sind Moderassen, wie zum Beispiel Chihuahua, Zwergspitze oder auch Staffordshire-Terrier. Ganz beliebt sind auch Möpse und französische Bulldoggen. In den meisten Fällen werden reinrassige Tiere illegal eingeführt. Die bringen das Geld, nicht die Mischlinge.

Werden auch andere Tierarten geschmuggelt, zum Beispiel Katzen?

Das haben wir bisher noch nicht festgestellt. Jedenfalls nicht im Landkreis. Aber ich fürchte, da könnte sich in der Zukunft auch ein Markt entwickeln.

Wer sind die Profiteure? Wird aus dem Kofferraum heraus verkauft?

Hauptsächlich sind es sogenannte ,Züchter' aus Osteuropa. Sie bringen die Tiere illegal nach Deutschland und suchen sich hier Abnehmer, die die Tiere dann für teures Geld weiter vergeben. Die wenigsten verkaufen direkt aus dem Kofferraum heraus.

Können Sie einschätzen, welche Summe die geschmuggelten Tiere auf dem Markt wert sind?

Mittlerweile zwischen 400 und 700 Euro für einen reinrassigen Welpen. Aber wer denkt, mit diesem Kauf ein Schnäppchen zu machen, irrt. Oftmals sind die Tiere krank, die Folgekosten für den Tierarzt sind hoch, und viele Welpen überleben die frühe Trennung von der Mutter und die Folge-Strapazen der Fahrt später nicht.

Was kann jeder einzelne tun, um das furchtbare Geschäft des Welpenschmuggels zu unterbinden?

Klare Antwort: Hände weg, wenn die Herkunft des Tieres nicht sicher ist. Die geschmuggelten Welpen werden ja verkauft, ohne dass der Käufer die Elterntiere sehen kann. In solch einem Fall sollte jeder Interessent stutzig werden und die Finger von dem Geschäft lassen. Auch von einem Tierkauf aus dem Internet kann ich nur abraten. Es gilt der Grundsatz: Je geringer die Nachfrage nach illegal eingeführten Tieren ist, umso weniger wird geschmuggelt. So kann jeder Tierfreund helfen.

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