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Diensthund mit Knüppel misshandelt?

Bundespolizisten sollen beim Training auf einen Diensthund eingeschlagen haben. Ob das zur gängigen Ausbildungspraxis gehört, muss das Amtsgericht Pirna klären.

Symbolfoto
Symbolfoto © Symbolfoto: Claudia Hübschmann

Von Friederike Hohmann

Jeder Ausbilder macht es so, wie er es für richtig hält. Genauso wie jeder Grundschullehrer, jeder Gymnasiallehrer. Der Lehrer hält sich an die Lehrpläne. Wie er diese umsetzt, ist ihm größtenteils freigestellt. Bei der Bundespolizei scheint es ähnlich zu sein. Zumindest bei der Ausbildung der Diensthunde. In einer Anweisung stehen die Ausbildungsziele, nicht aber die entsprechenden Trainingsmethoden, mit denen die Hunde ausgebildet werden sollen. Das Ziel ist, dass der Hund die Prüfung besteht , um bei polizeilichen Maßnahmen eingesetzt werden zu können.

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So stellt es ein 47-jähriger Beamter der Bundespolizei vor dem Amtsgericht in Pirna dar. Der Mann steht dort zusammen mit einer 42-jährigen Kollegin wegen Vergehen nach dem Tierschutzgesetz vor Gericht - am zweiten Verhandlungstag. Beide hatten Bußgeldbescheide über 300 beziehungsweise 500 Euro erhalten und dagegen Einspruch eingelegt. Richter Jürgen Uhlig hatte sich die Dienstanweisung vorlegen lassen, um zu sehen, ob die Beamten mit ihrem Verhalten gegen die eigenen Vorschriften verstoßen hatten.

Zeugen beobachten Training

Ein Bauarbeiter, der sich eigenen Angaben zufolge gut mit Hundesport auskennt, hatte im Dezember 2018 zusammen mit einigen Kollegen die Bundespolizisten beim Training mit dem Hund namens Stöpsel beobachtet. Stöpsel wurde damals einer sogenannten Schussfestigkeitsausbildung unterzogen. Mit dem Training soll erreicht werden, dass das Tier möglichst wenig auf Knallen und Schüsse reagiert. Der Vierbeiner sei dabei durch Schläge mit einem Knüppel misshandelt worden, lautet der Vorwurf. Der Zeuge und seine Kollegen hatten am ersten Verhandlungstag berichtet, was sie während ihrer Mittagspause auf dem Übungsplatz beobachtet hatten.

Gezielt Aggressivität fördern

Der Richter erwähnt, dass er sich zwar nicht mit Hunden auskennt, aber im Fernsehen schon Reportagen über Pferde- und Hundeflüsterer gesehen hat. Bei der Erziehung von problematischen Tieren spiele nach dem, was er dort sah, der Einsatz von Belohnungen eine große Rolle. Das ist nun für die Beamten die Gelegenheit, zu erklären, worin der Unterschied zwischen privater Hundehaltung, Hundesport und der Ausbildung von Diensthunden besteht.

Die Hunde, die zur Ausbildung angeschafft werden, sollen ein hohes Aggressionspotenzial haben und, selbstverständlich immer mit Beißkorb, auch gegen Zivilisten eingesetzt werden. In der Ausbildung wird also ganz gezielt daran gearbeitet, die Aggressivität der Hunde zu fördern. Dabei könne es auch vorkommen, dass Hunde gegen ihre Ausbilder aggressiv werden. Das sei auch an dem Tag im Dezember so gewesen.

Mit Stock gegen Angriff verteidigt

Mit Stöpsel hätte man zuvor deutlich länger als üblich gearbeitet. Die Ausbilderin sei zuvor schon von Stöpsel angegriffen worden. Diesmal hätte sie aber geglaubt, wieder auf dem Platz üben zu können. Doch der Hund sei plötzlich an ihr hochgesprungen. Sie hätte sich verteidigen müssen. Der dabei eingesetzte Stab sei aber kein Gummiknüppel gewesen. Deren Einsatz sei schon seit zehn Jahren verboten.

Bei einem weiteren Termin kurz vor Weihnachten sollen nun zwei weitere Zeugen gehört werden. Sie sollen berichten, wie Diensthunde der Bundespolizei üblicherweise ausgebildet werden. Dann soll ein Urteil gefällt werden.

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