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Ex-Polizist wegen Kinderpornografie verurteilt

Ermittler fanden bei dem 49-Jährigen Videos mit teils verstörendem Inhalt. Der Angeklagte schweigt vor Gericht. Er soll sich therapeutische Hilfe suchen.

Videos, die schweren Missbrauch an Kindern zeigen: Ein Ex-Bundespolizist wurde wegen des Besitzes solchen Materials in Pirna verurteilt.
Videos, die schweren Missbrauch an Kindern zeigen: Ein Ex-Bundespolizist wurde wegen des Besitzes solchen Materials in Pirna verurteilt. © imago stock&people

Von Friederike Hohmann

Gerade einmal ein Viertel Gramm wiegt eine microSD-Karte. Solch eine Karte wurde 2019 bei einer Hausdurchsuchung bei André F., der damals Beamter der Bundespolizei beim Bundesgrenzschutz war, beschlagnahmt. Was darauf zu finden war, wiegt für die Oberstaatsanwältin schwer. Ungeheuerlich ist allein die Anzahl der Dateien: Insgesamt 17.682 Bilder und 598 Videos mit kinderpornografischem Inhalt fanden die Ermittler auf der Karte.

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Manche Kinder sind jünger als ein Jahr

Der Oberstaatsanwältin im Pirnaer Gericht fällt die Verlesung der Anklage nicht leicht. Zunächst spricht sie mit normaler Lautstärke. Als sie zum Inhalt einzelner Videos und Fotos kommt, wird ihre Stimme merkbar leise. Das Unbehagen ist nicht nur ihr, sondern allen Beteiligten im Saal anzumerken. Sie muss teils schweren sexuellen Missbrauch von Kindern unter 14 Jahren beschreiben, einige sind noch nicht einmal ein Jahr alt.

Von tiefer Scham bei seinem Mandanten, der sich vor Gericht nicht dazu äußern möchte, spricht der Verteidiger. Die angeklagten Taten gibt André F. im zweiten Termin in dieser Sache unumwunden zu. Zum Auftakt im Januar hatte sein Verteidiger zunächst um ein Rechtsgespräch mit der Richterin und der Staatsanwältin gebeten. Das Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatte fast eine Stunde gedauert.

Insgesamt 56 Stunden Videomaterial gefunden

Zu dem zweiten Termin, der öffentlich verhandelt wurde, war auch ein Sachverständiger geladen. Der IT-Forensiker aus München, der verschiedene beim Angeklagten beschlagnahmte Datenträger untersuchte, bestätigt die Anzahl der gefundenen Dateien. Die Videos, allesamt mit kinderpornographischem Inhalt, ergeben eine Gesamtlaufzeit von 56 Stunden. Er konnte allerdings nicht herausfinden, wann die Daten heruntergeladen wurden. Hinweise darauf, dass André F. diese Dateien an andere weitergab, fand er ebenfalls nicht.

Da der 49-Jährige geständig ist, muss nicht über weitere Details Beweis erhoben werden. Die Staatsanwältin betont in ihrem Plädoyer, dass auf den Dateien, die sich der Angeklagte beschaffte, „sehr sehr schwere sexuelle Missbräuche zum Nachteil von zum Teil sehr sehr kleinen Kindern handelte“, dokumentiert seien. „Wie die produziert werden, mag man sich gar nicht vorstellen.“ Sie hält dem Angeklagten zugute, dass er geständig und nicht vorbestraft ist. Sie bedauert jedoch, dass sie zu seiner Prognose nichts sagen kann.

Angeklagter bemühe sich um Hilfe

André F. soll laut Verteidigung ab dem 1. April als Produktionsmitarbeiter arbeiten. Bei der Bundespolizei ist er nicht mehr tätig. Die Staatsanwältin würde ihm gern therapeutische Hilfe auferlegen. Das ist für seinen Verteidiger das Stichwort für ein Problem, denn die therapeutische Versorgung sei unzureichend. Hier sei der Staat in der Pflicht, um Menschen mit solch einer Erkrankung die Unterstützung zu bieten, die sie bräuchten. Das wäre letztlich aktive Opferhilfe. Indem Menschen wie sein Mandant angeklagt werden, versuche man „mit den Mitteln des Strafrechts zu kitten, was lange vorher stattgefunden hat“. André F. bemühe sich um Hilfe. Die Hausdurchsuchung hätte er als Chance gesehen, seinen Weg zu ändern, erklärte sein Verteidiger.

Die Richterin verurteilt André F. für die Beschaffung und den Besitz von kinderpornografischen Schriften zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten. Die Staatsanwältin hatte zuvor 18 Monate, der Verteidiger sechs Monate gefordert. Er muss außerdem 1.500 Euro an den Verein Opferhilfe Sachsen zahlen und die Kosten des Verfahrens tragen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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