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„Ab in die Mitte“: Pirna räumt gleich drei Preise ab

Bei dem sächsischen City-Wettbewerb gewinnt die Stadt insgesamt 28.000 Euro – um Einzelhandel und Innenstadt weiter zu beleben. Das ist einmalig.

Von Thomas Möckel
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Pirnas früherer Stadtmarketing-Projektleiter Robert Böhme: "Mit "Kauf in Pirna" die Grundlage für preisgekrönte Projekte geschaffen.
Pirnas früherer Stadtmarketing-Projektleiter Robert Böhme: "Mit "Kauf in Pirna" die Grundlage für preisgekrönte Projekte geschaffen. © Daniel Schäfer

Robert Böhme hatte sich extra noch einmal zuschalten lassen. Der frühere Projektleiter fürs Stadtmarketing hatte Pirna kürzlich aus privaten Gründen verlassen, er arbeitet jetzt in Hoyerswerda. Doch die Videokonferenz, die das Rathaus kurzfristig angesetzt hatte, wollte er keinesfalls verpassen. Es gab Großartiges zu verkünden.

In der einberufenen Schalte ging es um den Landeswettbewerb „Ab in die Mitte“, laut der Initiatoren ist das DIE sächsische Plattform für kreative Stadtentwicklung. Er stehe für Ideenaustausch und unkonventionelle Möglichkeiten, frischen Wind in die Innenstädte zu bringen.

Pirna zeigte sich diesmal besonders kreativ und erfolgreich: Die Stadt räumte in diesem Jahr gleich drei Preise ab, so viele wie keine andere Stadt. Dabei war die Konkurrenz bei der Auflage 2021 besonders groß. 48 Kommunen hatten sich um die Preise beworben. Mehr Teilnehmer gab es nur im Wettbewerb-Startjahr 2004.

Pirna gewinnt insgesamt ein Preisgeld von 28.000 Euro. Böhme hat großen Anteil an dem Erfolg, es war sein Vorschlag, gleich zwei Beiträge ins Rennen zu schicken. „Wir mussten das einfach nutzen, die Ideen waren ja da“, sagt er. Man habe auf jenen Konzepten aufgebaut, die ohnehin in der Schublade lagen. Entsprechend groß ist nun die Freude.

Stadtmarketing-Ideen allesamt aus der Pandemie

Christian Flörke, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP), bei der das Stadtmarketing vordergründig angesiedelt ist, zeigt sich völlig überrascht von dem Erfolg. „Wir konnten gar nicht glauben, dass wir bei der Preisvergabe dreimal aufs Podium gerufen wurden“, sagt er. So etwas habe es in der 18-jährigen Geschichte des Wettbewerbs noch nicht gegeben.

Auch Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) frohlockt angesichts des guten Abschneidens. „Unsere Ideen, die allesamt in der Pandemie geboren sind, sind nun preisgekrönt. Das alles hat nur so gut funktioniert, weil alle innerstädtischen Akteure gut vernetzt an einem Strang gezogen haben“, sagt der Rathauschef. Die jahrelange Arbeit im Netzwerk Citymanagement habe sich nun ausgezahlt. Er sei dankbar für jedes einzelne Engagement.

Der Ehrenreigen für Pirna gelang darüber hinaus auch deswegen, weil finanziell mächtig aufgestockt wurde. Üblicherweise unterstützt das Land den Wettbewerb mit einem Preisgeld von 100.000 Euro. Um aber die Folgen der Corona-Pandemie zu lindern, kamen in diesem Jahr 300.000 Euro dazu, so konnten zusätzliche Preise in der Kategorie „Ab in die Mitte PLUS“ vergeben werden. Davon profitiert auch Pirna.

Erfolgreiche Online-Transformation

So geht der vom sächsischen Wirtschaftsministerium ausgelobte und mit 10.000 Euro dotierte Sonderpreis „Einzelhandel“ an Pirna – für das Projekt „KiPStar 4.0 – Digitale Herausforderungen gemeinsam meistern“. Dieses Vorhaben, so die Jury, unterstütze die Händler auf kreative Weise und leiste einen Beitrag dazu, das Stadtzentrum zu beleben und attraktiver zu machen.

Dieses Projekt basiert auf der Initiative „Kauf in Pirna“ (KiP), gegründet ursprünglich als großer Online-Marktplatz. Auf der dazugehörigen Internetseite www.kaufinpirna.de sind nahezu sämtliche Geschäfte in der Pirnaer Innenstadt nebst ihrem Angebot aufgelistet – besonders hilfreich für jene, die keinen eigenen Onlineshop haben.

Mit „KiPStar 4.0“ wird dieser begonnene Prozess nun weiter ins digitale Zeitalter transformiert. Die Jury zeigte sich besonders überzeugt davon, dass dieses Projekt den Einzelhandel in der Innenstadt durch die enge Verknüpfung von Online- sowie der Vor-Ort-Aktivitäten in besonderem Maße stärke.

Lokale Packstationen für Händler und Kunden

„KiPStar 4.0“ setzt beispielsweise auf eine neue Form von „Click & Collect“, gerichtet vor allem an jene Kunden, die es aufgrund ihrer Arbeitszeiten nicht zu den üblichen Öffnungszeiten in die Stadt schaffen. Mit dem neuen Modell können sie Waren aus einem Geschäft in der Innenstadt bestellen, die sie vielleicht im Schaufenster gesehen haben. Geplant ist, dafür dann spezielle Packstationen im Zentrum aufzustellen. Dort deponiert der Händler die bestellte Ware, der Kunde kann sie abholen, wann es ihm beliebt.