merken
PLUS Pirna

Landkreis SOE: Shopping trifft Handwerk

In der Pirnaer Fußgängerzone übernimmt die Handwerkerschaft einen Laden. Er soll das Schaufenster für Berufe mit Zukunft sein.

Inspizierten gleich mal das Schaufenster: Landrat Michael Geisler, Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke und Kreishandwerksmeister Gunter Arnold.
Inspizierten gleich mal das Schaufenster: Landrat Michael Geisler, Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke und Kreishandwerksmeister Gunter Arnold. © Daniel Schäfer

Dieses Brot ist ungenießbar. Aber schön sieht es aus. In der Dohnaischen Straße in Pirna hat kein neuer Bäcker aufgemacht, sondern der Laden mit der Hausnummer 80, mitten in der Fußgängerzone, wird jetzt von der Handwerkerschaft betrieben. "Wir wollen näher ran an die Menschen, insbesondere die Jüngeren. Und wir müssen das auch", sagt Kreishandwerksmeister Gunter Arnold.

Das Schaufenster ist ein Blickfang. Die Steinmetze haben eine Kreuzblume aus Sandstein zur Verfügung gestellt. Die Tischler präsentieren filigrane Arbeiten und die Design-Lampe aus Holz entfaltet abends ihre Wirkung, wenn die LED-Beleuchtung eingeschaltet wird. Das alles soll Interesse wecken, sich mit Berufen des Handwerks zu beschäftigen.

Anzeige
Erfrischung für jeden Geschmack
Erfrischung für jeden Geschmack

Mit Armaturen der Firma Quooker fließt das Wasser auf Wunsch heiß, kalt, mit Sprudel oder ohne. Im Küchenzentrum Dresden berät man gern dazu.

Mehr Lehrverträge als 2019

Insgesamt verzeichnet die Branche zwar stabile Zahlen bei der Lehrstellenvergabe. Das war aufgrund der Corona-Auswirkungen nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Im Juni meldete die Handwerkskammer Dresden, zu der auch der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gehört, dass bereits 690 Lehrverträge fürs neue Ausbildungsjahr im Handwerk unterschrieben wurden. Das sind nicht nur mehr als im Vorjahr, sondern auch mehr als 2019.

Aber zwischen den Berufsgruppen stellt sich die Lage auch sehr unterschiedlich dar. So berichtet Arnold, der selbst einen Metallbaubetrieb führt, dass er seit Jahren einen Lehrling einstellen möchte, aber niemanden findet. Bei den Tischlern oder Raumausstattern sieht das wieder anders aus. Da gibt es viele Bewerber, aber zu wenige Betriebe, die ausbilden.

Zu denen scheinen jetzt auch noch die Friseure hinzuzukommen. Der Grund: Verunsicherung wegen der Corona-Maßnahmen. "Das haben uns tatsächlich einige Friseurbetriebe zurückgemeldet", erklärt Antje Reichel, die Geschäftsführerin der Handwerkerschaft Südsachsen mit Sitz in Pirna. Auch wenn Test- oder Maskenpflicht gelockert sind, die Corona-Arbeitsschutzverordnung gilt weiterhin. Die besagt unter anderem, dass zehn Quadratmeter je Beschäftigten zur Verfügung stehen müssen. "Da haben sich kleine Läden ausgerechnet, dass sie nicht noch zusätzlich Lehrlinge zum Stammpersonal einstellen können", sagt Reichel.

Beratung für Unternehmensnachfolge

Die Beliebtheit des Friseurberufs hat deswegen aber nicht gelitten. Das Schaufenster in der Pirnaer Fußgängerzone soll darstellen, wie vielfältig das Handwerk ist. In einer vierminütigen Schleife werden aktuell Image-Filme zu fünf Berufen gezeigt. Ein kurzer Stopp wird die Shoppingtour bereichern, hofft man bei den Handwerkern. Die Themen der Filmchen sollen immer mal wechseln. Es gehe nicht nur um die Präsentation von Berufen mit Zukunft.

So ist geplant, dass in dem Ladengeschäft kleinere Beratertage und Veranstaltungen stattfinden, und zwar für alle Generationen und für den gesamten Landkreis. Am 21. Juni wird den gesamten Tag zur Unternehmensnachfolge beraten. "Dafür gibt es schon die ersten Anmeldungen", sagt Reichel und freut sich, dass das Angebot offenbar ankommt.

Weiterführende Artikel

Starthilfe für Jugendliche in Freital-Dipps

Starthilfe für Jugendliche in Freital-Dipps

In Freital und Dippoldiswalde startet ein Projekt. Es soll Jugendlichen mit Startschwierigkeiten helfen, auf dem Arbeitsmarkt Erfolg zu haben.

Trotz Corona: Zahl der Lehrlinge im Handwerk steigt

Trotz Corona: Zahl der Lehrlinge im Handwerk steigt

690 Frauen und Männer beginnen ab Herbst in einem Handwerksbetrieb in Ostsachsen. Doch trotz des guten Auftakts hatten es Firmen schwer, Schüler zu finden.

Handwerk klagt über horrende Preise

Handwerk klagt über horrende Preise

Akuter Materialmangel und hohe Einkaufspreise machen nicht nur dem Bau zu schaffen. Jetzt soll es die Politik richten.

Eine öffentliche Brot-Prüfung, bei der die Qualität verschiedenster Brotlaibe begutachtet wird, ist am 8. Juli vorgesehen. Je nachdem, was noch für Anfragen von Partnern kommen, gibt es weitere Veranstaltungen. Feste Öffnungszeiten des Ladens sind vorerst nicht geplant.

Mehr zum Thema Pirna