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Pirnas kreativer Stadtmarketing-Kopf geht

Robert Böhme verlässt die Stadt aus privaten Gründen. Seine Ideen aber bleiben - und auf seinen Nachfolger warten große Fußstapfen.

Robert Böhme vor dem Laden des Citymanagement-Vereins in der Schössergasse: Es sind noch viele coole Ideen in der Pipeline.
Robert Böhme vor dem Laden des Citymanagement-Vereins in der Schössergasse: Es sind noch viele coole Ideen in der Pipeline. © Daniel Schäfer

Es sind Ideen, Konzepte, Projekte, die bleiben, die nachhallen, die sichtbar sind. Sie alle tragen eine besondere Handschrift. Vor Jahren schon ließ er Pirnas Händler ganz persönlich für die Stadt werben und tapezierte die großen Plakatwände mit den entsprechenden Postern auch mal selbst. Er ließ die Pirnaer auf einem Wimmelbild wimmeln, schuf maßgeblich das digitale Schaufenster mit. Er initiierte die Kampagne "Kauf in Pirna" (KiP) und ließ dazu ein passendes KiP-Lädchen an verschiedenen Stellen in der Altstadt aufploppen. Er ließ eine freche Göre namens Pine ins Pirnaer Rathaus einziehen und einen Blog für Kinder schreiben, er etablierte Pirnas ersten Podcast.

In der Corona-Pandemie schob er die Aktion "Pirna-Gutschein" mit an, ein Pilotprojekt, was inzwischen viele Nachahmer findet, eine Anfrage dazu kam beispielsweise aus Rostock. Und eines lässt die Leute bis heute staunen: das eher zufällig entstandene orange-blaue Pirna-Logo, das auf der einen Seite die Stadtsilhouette zeigt, und wenn man es herumdreht, die Silhouette von Sandsteinfelsen in der Sächsischen Schweiz. Seine Ideen heimsten mehrere Preise ein.

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Und weil er offenbar noch nicht ausgelastet war, lenkte er ab 2017 als Vorsitzender auch die Geschicke des Vereins "Citymanagement Pirna".

Eine neue Kreativ-Ära

Es war am 1. April 2016, als diese neue Kreativ-Ära begann und Pirna maßgeblich geprägt hat - in Gestalt von Robert Böhme. Seit diesem Zeitpunkt war Böhme, Jahrgang 1984, Abitur am Kamenzer Lessing-Gymnasium, gelernter Mediengestalter, studierter Kommunikations- und Politikwissenschaftler, Projektleiter für das Stadtmarketing bei der Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP). Eine ähnliche Aufgabe hatte er zuvor in Eberswalde inne.

Sein Vorgänger Olaf Franke hatte schon gute Strukturen geschaffen, Böhme legte noch eine Schippe drauf, professionalisierte die Abläufe, netzwerkte, schuf einen großen Kreativ-Kreis mit vielen Mitstreitern. "Mittlerweile funktioniert hier alles, da muss ich mir um Pirna keine Gedanken machen", sagt Böhme. Und was so nach Abschied klingt, ist auch einer.

Rückzug aus privaten Gründen

Nach fünfeinhalb Jahren endet Böhmes Kreativ-Zeit in Pirna, in Kürze wird er die Stadt aus privaten Gründen verlassen. "Es sind gesundheitliche Gründe, die die Familie betreffen", sagt er, "und es gilt jetzt, meine Familie zu schützen." Mit der Familie zieht er in die Nähe von Hoyerswerda, eine Gegend, aus der Böhme stammt.

Dort wohnen Eltern und Schwiegereltern, dort können sie Robert und die Familie unterstützen, was in Pirna wegen der Entfernung nicht funktioniert hätte. Ende Oktober ist sein letzter Arbeitstag.

Sein Chef, SEP-Geschäftsführer Christian Flörke, wollte ihn trotz des Wohnortwechsels beruflich weiterhin hier halten. Er bot Böhme an, größtenteils im Homeoffice zu arbeiten und nur ab und an nach Pirna zu pendeln. Doch schweren Herzens lehnte Böhme ab. Ein solcher Berufsalltag, sagt er, hätte ohne die Begegnungen und Gespräche mit den Menschen in Pirna nicht funktioniert. Entsprechend groß ist nun der Abschiedsschmerz.

Der Abschied fällt schwer

"Wir verlieren einen engagierten Botschafter für unsere Sandsteinstadt", sagt Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke. Böhme habe über Jahre das Marketing-Außenbild Pirnas geprägt. Kreative Ideen, gepaart mit witziger Werbung hätten für eine Aufmerksamkeit gesorgt, die zweimal mit dem Finaleinzug beim Dresdner Marketing-Preis belohnt wurde. "Dankbar ob dieser geleisteten Arbeit und dennoch voll Wehmut lassen wir ihn mehr als ungern ziehen, haben aber für die privaten Gründe durchaus Verständnis", sagt Hanke.

Auch für Flörke ist Böhmes Weggang ein trauriger Anlass, der Abschied fällt schwer. "Robert hat einen riesigen Prozess angeschoben, sagt der SEP-Chef, "ihm und seinem Team gebührt dafür großer Dank." Böhme ist ganz gerührt davon. Es ehre ihn sehr, sagt er, dass er trotz seiner schwierigen privaten Situation so herzlich verabschiedet werde.

Ein Kumpeltyp, immer herzlich und offen

Sein Abschied wiegt umso schwerer, weil mit ihm einer geht, mit dem es nicht nur auf der Arbeitsebene funktionierte. "Auch privat hat er sich mit vielen gut verstanden", sagt Pirnas Stadtsprecher Thomas Gockel. Böhme ist ein Kumpeltyp, immer offen für ein Gespräch, er kann gut zuhören, aber auch gut reden. Wenn er Ideen und Projekte verkündete, sprudelte es nur so aus ihm heraus. Und er rief auch schon mal tief in der Nacht Freunde an, um ihnen von einer eben eingefallenen Idee zu berichten.

Auch privat lebt Böhme seine Kreativität aus, er schreibt Gedichte und Lieder, spielt Gitarre und singt.

Auch privat kreativ: Robert Böhme schreibt Lieder, spielt Gitarre und singt.
Auch privat kreativ: Robert Böhme schreibt Lieder, spielt Gitarre und singt. © Daniel Förster

Stelle ist schon ausgeschrieben

Dass es schwer werden wird, einen Nachfolger für ein solches Multitalent zu finden, wissen Stadt und SEP. An der Stelle, angesiedelt bei der SEP, halten sie aber weiter fest, es soll jetzt kein Vakuum entstehen. Der Posten ist schon ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist endet am 10. Oktober. Die oder der Neue wird voraussichtlich zum Jahreswechsel den Dienst antreten.

Aus Sicht der Stadt ist es immens wichtig, auch weiterhin Stadtmarketing zu betreiben, die Gelder dafür sollen auch künftig fließen. Die Stadt finanziert das Stadtmarketing jährlich mit 150.000 Euro, mit diesem Geld werden der Projektleiter und die Projekte finanziert. "Das Geld hilft unheimlich, um coole Ideen zu entwickeln", sagt Böhme.

"Macht keinen Quatsch"

Die Erfolgs-Lorbeeren will er allerdings nicht allein einheimsen. "Ich hatte ein super Team und tolle Mitstreiter", sagt Böhme, "und ich durfte Sachen machen, die bislang keiner machen durfte." Und er geht ja nicht so ganz. Für die nächsten Jahre, sagt Böhme, seien noch viele coole Projekte in der Pipeline. Er ist nur ein wenig traurig, dass er sie nicht mehr persönlich begleiten kann.

Gleichwohl will er seiner Arbeit treu bleiben, er hat ein adäquates Stadtmarketing-Angebot aus Hoyerswerda, er will diesen Job unbedingt weitermachen, weil er dafür brennt. Und auch auf Pirna will er ab und an noch ein wachsames Auge haben. "Macht keinen Quatsch", schreibt Böhme zum Abschied auf Facebook, "und wenn doch, dann wartet, bis ich zu Besuch bin."

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