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Die jungen Klimaaktivisten von Pirna

Der Schüler Elias Bistry hat den ersten Klimastreik Fridays for Future in der Elbestadt organisiert. Dabei soll es nicht bleiben.

In Pirna gründet sich eine Ortsgruppe der Aktion Fridays for Future.
In Pirna gründet sich eine Ortsgruppe der Aktion Fridays for Future. © Symbolbild: dpa/Peter Gercke

Elias Bistry hat ein schmales blasses Gesicht. Er schaut ernst. Ernst sind auch seine Themen. Es geht ihm um die Welt, vielmehr um die Rettung der Welt. Klimagerechtigkeit ist sein Thema. Der 16-jährige Schüler will es allerdings nicht nur bei Worten belassen, sondern er handelt. Deshalb hat er jetzt innerhalb der Bewegung Fridays for Future eine Ortsgruppe in Pirna gegründet. "Derzeit sind wir fünf Mitglieder, weitere Interessenten sind herzlich willkommen. Je mehr wir sind, umso mehr können wir erreichen", sagt Elias, der das Schillergymnasium in Pirna besucht.

In den kommenden Tagen findet das erste Treffen der Klimaaktivisten statt. Dann soll das weitere Vorgehen besprochen werden. "Denkbar ist zum Beispiel, dass wir in die Schulen gehen und mit den Schülern und Lehrern über Klimawandel beziehungsweise Klimagerechtigkeit diskutieren. Das ist aber noch nicht konkret mit den Schulleitungen abgesprochen", sagt Elias.

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Erster Klimastreik war voller Erfolg

Ein voller Erfolg hingegen war bereits der erste Klimastreik, den er mit anderen in der Innenstadt von Pirna vor knapp zwei Wochen organisiert hatte. "Insgesamt nahmen rund 70 Personen an der Demonstration im Friedenspark teil. Das war großartig. Klar ist jetzt schon, dass weitere Demonstrationen folgen werden, allerdings nicht jeden Freitag. Der Aufwand ist enorm", blickt Elias voraus.

Warum engagiert sich der Gymnasiast? Wieder schaut Elias Bistry einen Moment auf seine Hände und überlegt, bevor er spricht. "Der Klimawandel betrifft alle, nicht nur Schüler, sondern wirklich alle Generationen auf der gesamten Welt. Millionen Menschen sind bedroht. Wetterextreme nehmen zu. Erst vor Kurzem wurden Tornados in Tschechien und in Kiel beobachtet. Die Erderwärmung ist wissenschaftlich bewiesen. Fazit: Das Problem beginnt nicht erst in 30 Jahren, sondern wir stehen am Anfang, und es wird noch viel schlimmer werden. Ein weiter so ist für mich nicht akzeptabel."

Deshalb fordert er die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels bei der Erderwärmung und konkret für Deutschland den Kohleausstieg bis 2030, eine 100-prozentige Versorgung durch erneuerbare Energien und einen konsequenten CO2-Ausstieg. "Am Ende muss netto weltweit eine Null herauskommen", betont Elias. Aus diesen Gründen wünscht er sich auch mehr mutige Entscheidungen von der Politik: "Zum Beispiel Tempolimit 130 auf den Autobahnen und eine Abschaffung der Massentierhaltung."

Ohne Kerosin nach Berlin

Elias Bistry wohnt mit seiner Familie in Rosenthal-Bielatal und ist bereits seit zwei Jahren bei der Bewegung Fridays for Future aktiv. Er managt die Programmierung der Bewegung für die Nachrichtenplattformen. In den vergangenen Sommerferien nahm er an der Fahrradtour "Ohne Kerosin nach Berlin" teil, die von den Klimaaktivisten Students for Future organisiert wird. Dort lernte er denjenigen kennen, der die Ortsgruppen Fridays for Future in Ostsachsen betreut. "Er hat mich motiviert, eine Ortsgruppe in Pirna zu gründen", berichtet der Schillergymnasiast, der auch privat sehr umweltbewusst lebt. Seine Familie fährt ein Elektroauto und kauft Lebensmittel ausschließlich bei einer Verbrauchergemeinschaft in Dresden ein. Bio, versteht sich. Mit dem Flugzeug in den Ferien nach Malle fliegen, ist für den 16-Jährigen keine Option. Sein liebstes Fortbewegungsmittel? Das Fahrrad.

Klassenlehrer auf Demo dabei

Unterstützung für sein Engagement erhält Elias nicht nur von seinen Eltern. Auch seine Mitschüler interessieren sich für das Thema Klimawandel und stehen dem Problem nicht gleichgültig gegenüber. Sein Klassenlehrer war sogar bei dem ersten Klimastreik in Pirna mit von der Partie.

Geplant ist eine Vernetzung der Pirnaer Aktivisten mit den anderen Ortsgruppen Fridays for Future im Landkreis. Unter anderem ist die Bewegung auch stark in Sebnitz vertreten.

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Derzeit besucht Elias Bistry die zehnte Klasse. Was nach dem Abitur kommt? "Das kann ich noch nicht genau sagen, aber auf jeden Fall etwas mit Naturwissenschaften", meint der Schüler. Vielleicht wird er ja Klimaforscher, wenn es dann nicht zu spät ist.

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