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Pirna verlängert Gratis-Nahverkehr

Inhaber der Gästekarte können weiterhin kostenlos Bus und Bahn fahren, weil der Beginn des Pilotprojektes etwas holprig war.

Regionalbahn auf der Stadtbrücke in Pirna: Übernachtungsgäste können den öffentlichen Nahverkehr weitgehend kostenlos nutzen.
Regionalbahn auf der Stadtbrücke in Pirna: Übernachtungsgäste können den öffentlichen Nahverkehr weitgehend kostenlos nutzen. © Daniel Förster

Mit Beginn des Jahres 2020 erhob Pirna eine Abgabe, die äußerst umstritten war: die Gästetaxe. Von Gästen, die in Pirna übernachten, verlangt die Stadt seither zwei Euro am Tag, ganzjährig, nicht nach Saison gestaffelt, wie beispielsweise in anderen touristischen Hochburgen in der Sächsischen Schweiz. Es gibt allerdings einige Ausnahmefälle, in denen Übernachtende von dieser Zahlungspflicht befreit sind.

Mit dem auf diese Weise eingenommenen Geld - geplant sind jährlich rund 200.000 Euro - will Pirna die touristische Infrastruktur intakt halten und weiter ausbauen.

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Im Gegenzug erhalten Gäste eine Gästekarte, die ihnen einige Vorzüge gewährt, beispielsweise ermäßigte Eintrittspreise für öffentliche Einrichtungen in Pirna oder in anderen Gemeinden in der Sächsischen Schweiz.

Corona bescherte einen holprigen Start

Wenig später kam noch etwas hinzu, Pirna war in in dieser Angelegenheit Pilotprojekt. Zum 1. April 2020 schloss die Stadt als erste Kommune in der Sächsischen Schweiz mit dem Tourismusverband "Sächsische Schweiz" einen Vertrag zur "Gästekarte mobil", die weitere Vorteile brachte.

Inhaber der Pirnaer Gästekarte und nun auch dieser Mobilitätskarte konnten von diesem Zeitpunkt an in den Tarifzonen Pirna, Bad Gottleuba, Bad Schandau und Neustadt kostenlos mit Bus, Bahn und den meisten Fähren fahren. Dieser Vertrag sollte zunächst bis Ende 2022 laufen.

Allerdings wurde die Startphase des Pilotprojekts ab April 2020 vom Ausbruch der Corona-Pandemie überschattet. Wegen der dadurch zeitweise eingeschränkten Reisemöglichkeiten in der Anfangssaison 2020 sowie zum Jahresende konnte in diesem Zeitraum nicht realistisch betrachtet werden, wie das Angebot bei den Touristen so ankommt.

Der Tourismusverband bat daher, die Pilotphase zu verlängern, der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) stimmte dieser Verlängerung zu.

Ist die Pauschal-Zahlung sinnvoll?

Und auch Pirna ist nun weiter mit im Boot. Der Stadtrat ermächtigte jetzt mit 16 Ja- gegen sieben Nein-Stimmen Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos), die Verlängerung des Vertrages zur Mobilitätskarte bis 31. Dezember 2023 zu unterzeichnen. Demnach dürfen Gäste auch weiterhin kostenlos mit Bus und Bahn fahren.

Im Rat war allerdings ein Streit über das zugrunde liegende Modell der Mobilitätskarte entbrannt. Der Abgeordnete Tim Lochner (AfD-Fraktion) empfahl, dem Beschluss nicht zuzustimmen. Er bemängelte das System, dass keine quantitativ messbaren Ergebnisse liefere. Da Pirna für die Mobilitätskarte lediglich eine Pauschale an den Tourismusverband zahle, lasse sich nicht erkennen, wie stark die Touristen letztendlich dieses Gratis-Angebot tatsächlich nutzen. Lochner forderte stattdessen ein System, aus dem sich das tatsächliche Nutzungsverhalten ablesen lasse - um zu sehen, ob die gezahlte Pauschale für die Karte überhaupt Sinn macht.

Hanke erwiderte, bei der Mobilitätskarte gehe es darum, für alle Urlauber ein gleiches Angebot zu schaffen. Ob es die Touristen dann letztendlich annehmen, sei aber einzig deren Sache.

Linke-Fraktionschef Tilo Kloss warb unterdessen für das Projekt. "Dadurch wird doch die Attraktivität der Region für die Urlauber erhöht", sagt er. Auch Stadtrat Ralf Thiele (Freie Wähler) plädierte für eine verlängerte Mobilitätskarte. Schließlich stünden Pirna und die Sächsische Schweiz in Konkurrenz zu anderen Urlaubsregionen, da müsse man schon etwas bieten.

Die Mobilitätskarte gilt nicht überall

Geboten wird den Pirnaer Gästen nun die Mobilitätskarte bis Ende 2023, so lange ist die Pilotphase jetzt angelegt.

Finanziert wird das Modell von Beginn an wie folgt: Von der erhobenen Gästetaxe in Höhe von zwei Euro am Tag zahlt Pirna einen Euro davon pauschal für das Mobilitätsangebot an den Tourismusverband.

Die "Gästekarte mobil" funktioniere laut Uwe Tiele, Chef des Regionalverkehrs Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (RVSOE) wie die Kombitickets im VVO. Jeder Gast zahle im Solidarprinzip einen kleinen Obolus, sodass alle günstig unterwegs sein können. In der Startphase unterstützen VVO und RVSOE das Angebot finanziell.

Mit der Mobilitätskarte können die Gäste einen Großteil des öffentlichen Nahverkehrs kostenlos nutzen. Das Angebot gilt allerdings nicht für die Kirnitzschtalbahn, das Wanderschiff auf der Elbe, die grenzüberschreitende Fähre Schöna-Hrensko, die Gierseilfähre im Kurort Rathen, den Personenaufzug in Bad Schandau sowie für private Busangebote.

Pirna legt vor, anderen schließen sich an

Die Mobilitätskarte verfolgt aber noch ein anderes Ziel: sie soll einen sanften und nachhaltigen Tourismus fördern und damit einhergehend einen Anreiz schaffen, dass Gäste vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Damit würde sich auch das Verkehrsaufkommen in der zu Saisonzeiten ohnehin überfüllten Sächsischen Schweiz vermindern sowie die Luftqualität verbessern.

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Pirna war die erste Kommune in der Sächsischen Schweiz, die das Modell "Gästekarte mobil" erprobt. Seit diesem Jahr haben sich weitere Gemeinden, beispielsweise Königstein und Sebnitz, diesem Projekt angeschlossen.

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