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Von der Neueröffnung in den Lockdown

Gerade eröffnet, schon wieder zu: Bars in Pirna bleiben optimistisch und geben nicht auf. Eine Mutmachergeschichte.

Von Mareike Huisinga
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Cindy Huber hofft, dass sie ihre Bar "Cheers" in Pirna bald wieder öffnen kann: Wegen des Lockdowns muss die Bar vorerst geschlossen bleiben.
Cindy Huber hofft, dass sie ihre Bar "Cheers" in Pirna bald wieder öffnen kann: Wegen des Lockdowns muss die Bar vorerst geschlossen bleiben. © Karl-Ludwig Oberthür

Im The Cheers Barroom ist es dunkel. Kein Gast sitzt am Tresen und genießt seine Bloody Mary oder einen Gin Tonic. Dabei lief die neue Bar in der Pirnaer Altstadt an der Langen Straße so gut an. Cindy Huber eröffnete am 9. Oktober und rasselte dann in den derzeit geltenden Lockdown Light. Danach müssen Bars geschlossen bleiben. Diese Regel gilt seit dem 22. November. Fazit: Nach nur sechs Wochen ist schon wieder Schluss mit einem Absacker im Cheers. Und Cindy Huber macht sich nichts vor. "Ich gehe nicht davon aus, dass ich in diesem Jahr noch mal öffnen kann", sagt die Unternehmerin.

Das Cheers legte einen guten Start hin

Wie sie sich fühlt? "Ich bin traurig und empfinde es als schade, dass ich so schnell wieder schließen musste", sagt Huber. Denn der Start ihrer neuen Bar war durchaus vielversprechend. "Es lief wirklich gut an. Zahlreiche Gäste kamen, die meisten aus Pirna und auch einige Touristen, die sich noch in der Stadt aufhielten. Die Stimmung war gut", blickt die Pirnaerin zurück. Besonders freute sie, dass sie bereits Stammgäste hatte und viel positive Resonanz bekam. "Man merkte, die Leute freuten sich, dass sie mal wieder in der Pirnaer Innenstadt in gepflegter Atmosphäre einen Absacker genießen konnten", berichtet Cindy Huber.

Verständnis für die aktuellen Regeln

Obwohl sie das Cheers nicht öffnen darf, hat sie Verständnis für die Maßnahmen, die seit dem 22. November gelten. "Ich sehe die Zahlen und verfolge die Bettenbelegung in den Krankenhäusern. Die Todeszahlen aufgrund einer Corona-Erkrankung sind erschreckend. Die Politiker mussten in dieser Situation handeln", betont sie. Und sie fragt sich weiterhin, ob wirklich Stimmung in der Bar aufgekommen wäre, wenn man weiß, dass das Pflegepersonal in den Kliniken am Limit arbeitet.

Hilfe von der Dehoga

Den konkreten finanziellen Verlust kann sie derzeit noch nicht beziffern. Aber sie hat sich bereits belesen, welche Hilfen vom Staat ihr jetzt zustehen, unter anderem Überbrückungsgelder. Sie wird noch mit ihrer Steuerberaterin darüber sprechen und ist jetzt auch dem Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Sachsen (Dehoga) beigetreten. "Die Dehoga unterstützt uns Unternehmer sehr hilfreich", urteilt sie.

Trotz der schwierigen Situation kommt Aufgeben für Cindy Huber nicht infrage. "Ich bin immer optimistisch", sagt die Unternehmerin, der die Tätigkeit im Cheers viel Spaß macht. "Außerdem betreibe ich die Bar ja nur nebenberuflich, das ist jetzt natürlich finanziell von Vorteil", erläutert Huber.

Von der Bankerin zur Barbesitzerin

Mit dem The Cheers Barroom verwirklichte sich die 42-Jährige einen Lebenstraum. "Ich wollte immer schon mal in einer Bar, also in der Gastroszene arbeiten", sagt die Pirnaerin. Und an diesem Wunsch hat vermutlich auch ihr Onkel einen Anteil. "Er besaß früher ein Sportplatzlokal, da durfte ich als kleines Kind mithelfen, was mir viel Spaß gemacht hat", erinnert sich Huber. Allerdings schlug sie beruflich zunächst einen anderen Weg ein. Huber wächst in Weinböhla auf und macht ihr Abitur, um danach in Dresden Bankwirtschaftslehre zu studieren. "Schon in der Schule war ich gut in Mathematik und hatte Betriebswirtschaftslehre als Leistungsfach", erklärt sie. Drei Jahre arbeitet sie bei verschiedenen Banken, danach wechselt sie zu ihrem Mann in dessen Dresdner Firma. Irgendwann überwiegt der lang gehegte Wunsch und immer wieder schlendert Cindy Huber mit ihrer Familie an dem leer stehenden Ecklokal in der Langen Straße in Pirna vorbei. Schließlich schlägt sie zu. "Die Lage ist gut. Viele Gäste kommen von der Elbe beziehungsweise vom Marktplatz." Sie hofft, dass sie die Bar bald wieder aufmachen kann.

Hugos Bar ebenso vom Lockdown betroffen

Betroffen ist auch die Bar Hugos in der Schmiedegasse, die vor Kurzem mit einem neuen Konzept wiedereröffnete. Auch dieses Lokal musste schließen. "Das ist schon bitter, denn wir hatten einen guten Neustart. Unter anderem organisierten wir zwei Live-Konzerte im Hugos, die gut besucht waren", sagt Inhaber Sebastian Hering.

Jetzt ist alles wieder auf Null gesetzt. Besonders hart: Auch die bereits vorbestellten Weihnachtsfeiern und Familienfeiern können nicht stattfinden. Ebenso kann Hering nicht die geplante Außengastronomie mit Glühweinausschank unter huscheligen Heizpilzen realisieren. Er rechnet mit einem mindestens fünfstelligen Verlust. Aber auch er hat, wie seine Kollegin Cindy Huber, Verständnis für die Maßnahmen. "Ich bin kein Corona-Leugner, sondern Realist", betont Hering.

Bulldogge Hugo langweilt sich

Und Optimist! Denn die Zwangspause werden er und sein Team nutzen, um an dem Konzept des Hugos noch mal zu feilen und einige Umbauten beziehungsweise Verschönerungsarbeiten in der Bar durchzuführen. "Wir freuen uns, wenn wir dann wieder öffnen dürfen", schaut Hering positiv in die Zukunft.

Darauf dürfte sich auch Hund Hugo freuen. Die Bulldogge ist Namensgeber der Bar und immer an der Seite von Herrchen. "Hugo ist langweilig. Ihm fehlen die Gäste, das merkt man deutlich", schmunzelt Sebastian Hering.