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PLUS Pirna

Burger übern Tisch

Gaststätten sind zu, die Türen trotzdem offen. Wie Gäste das annehmen, was es bringt und wie es organisiert wird: Das Beispiel Platzhirsch in Pirna.

Angerufen, hingefahren, abgeholt, schmecken lassen: Kai Seidel bekommt von Jennifer Fasold seine Burger-Bestellung.
Angerufen, hingefahren, abgeholt, schmecken lassen: Kai Seidel bekommt von Jennifer Fasold seine Burger-Bestellung. © Marko Förster

Das Telefon klingelt seit 16 Uhr. Jennifer Fasold nimmt am Sonnabend die Bestellungen an, vergibt Nummern, sagt Zeiten zum Abholen, reicht die Bestellungen in die Küche. Dort arbeiten Andre Rauh und Mahmad Aga sie ab. Die Menüauswahl ist auf sieben Punkte geschrumpft, trotzdem haben die beiden zu tun. Der "Platzhirsch" am Pirnaer Markt bietet von Donnerstag bis Sonnabend, jeweils von 17 bis 20 Uhr, das "Menü zum Mitnehmen" an. 

Leer: 1.200 Boxen für die Burger sind da und etliche davon schon mit den Namen der Menüs beschriftet. Das gehört zur Vorbereitung.
Leer: 1.200 Boxen für die Burger sind da und etliche davon schon mit den Namen der Menüs beschriftet. Das gehört zur Vorbereitung. © Marko Förster

Ulrike aus Dresden ist am Sonnabend die Erste, die ihre Bestellung abholt. Sie war wandern, früher schon im "Platzhirsch", weiß, dass es hier schmeckt und kam erst nach etlichen Versuchen telefonisch durch. Draußen vor der Tür haben die "Platzhirsche" noch Abstände markiert für die Wartenden. Doch viele sind es nie, es ist alles gut durchdacht und geplant.

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Für die Platzhirsch-Mannschaft ist das Außerhaus-Geschäft vor allem eine organisatorische Herausforderung. Im Gegensatz zum "normalen", also Vor-Corona-Geschäft, ist es aber ein Spaziergang, sagt Chef Magnus Garbotz. Auch an die hundert Bestellungen in drei Stunden sind nichts gegen die 100 Plätze drinnen und draußen, die sonst zehn Stunden am Tag geöffnet sind. Trotzdem gibt es Dinge zu bedenken, an die sonst kein Gedanke verschwendet werden muss. Garbotz hat zum Beispiel jeweils 1.200 Boxen für die Burger, die Pommes und die Saucen bestellt. Ein großer Stapel der Burger-Boxen ist schon mit den jeweiligen Menüs beschriftet. Beim Einkaufen ist er zurückhaltender. Was am Sonntagabend nicht verbraucht wird, kann nicht mehr genutzt werden.

Der Renner auf der Speisekarte

Kai Seidel wird mit "Hallihallo" und "Du" begrüßt. Er nimmt zu seiner Bestellung noch vier Stadtbier dazu. Das Bier vom Pirnaer Gießer ist ebenso im Angebot wie mexikanische Limonade - ab 35 Euro gibt es eine umsonst dazu. Kai Seidel ist im Schnitt einmal im Monat beim "Platzhirsch" zu Gast. Auch beim Frühjahrs-Lockdown hielt er ihm die Treue. "Der Service und das Essen sind prima, ich unterstütze die Leute gern", sagt der Dohmaer. Sein Lieblingsmenü, den Erlpeter mit Ei, gibt es zwar grad nicht. Aber er ist Pirna treu geblieben und hat "Tetzel" bestellt. 

Voll: Sieben Menüs stehen zum Bestellen donnerstags bis sonntags zur Auswahl bereit.
Voll: Sieben Menüs stehen zum Bestellen donnerstags bis sonntags zur Auswahl bereit. © Marko Förster

Der "Tetzel"  ist der Renner bei den aktuellen Bestellungen. In der Küche wird die Reihe der abzuarbeitenden Bestellungen immer länger. Jennifer Fasold und Martin Rühle ergänzen sich am Telefon, beim Ausgaben und Kassieren. "So wird es nicht langweilig", sagt Jennifer Fasold. "Da muss man auf Zack sein", sagt Rühle und lächelt. Trotz Stress und Kurzarbeit. In die drei Stunden an den wöchentlich vier Tagen teilen sich verschiedene Mitarbeiter, damit jeder die Chance hat, etwas dazu zu verdienen.

Viele Gaststätten bieten Service an

Das Hotel "Pirn'scher Hof", der Gießer in Pirna-Copitz, die Destillerie in Rathen und der "Platzhirsch", sie alle gehören zum Unternehmen der Schmees-Besgen GmbH & Co. KG. Die Leute werden so eingesetzt, wie sie gebraucht werden, so dass alle über die Zeiten kommen, sagt Magnus Garbotz. "Wenn es am Ende kein Minus gibt, ist es gut. Ein kleines Plus wäre natürlich am besten." Am Sonnabend sieht es nach Letzterem aus. Entscheidend ist es nicht, aber in diesen Zeiten noch etwas draufzulegen, wäre schwer. Diese Abwägen ist auch für viele andere Gaststätten jeden Tag wieder die Frage. Welchen Aufwand betreiben sie für das Abhol-Geschäft und was bringt es, kurzfristig und finanziell, mittelfristig und ideell. 

Familie Rauh feiert im kleinen Kreis mit zwei Hausständen einen Geburtstag nach. Der vierjährige Timo freut sich auf sein "Rehkitz-Menü" mit Chicken-Nuggets und Pommes. Den Salat will er dem Opa geben. Die Familie ist hin und wieder zu Gast und schätzt besonders die Kinderfreundlichkeit der Gaststätte und mag das Team, nicht nur weil ein Familienmitglied hier kocht. "Wir wollen, dass die Gaststätte bleibt", sagt Mutter Rauh.  

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