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Pirna: Aus dem Wirtshaus Marieneck wird das Babička

Ein Gastronom aus Tschechien übernimmt das Traditionslokal am Markt. Die Eröffnung ist voraussichtlich Anfang September.

Von Mareike Huisinga
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Früher war hier das Wirtshaus Marieneck. Jetzt soll am 1. September in Pirna das Babička mit tschechischen Gerichten eröffnet werden. Es gibt auch besondere Weine.
Früher war hier das Wirtshaus Marieneck. Jetzt soll am 1. September in Pirna das Babička mit tschechischen Gerichten eröffnet werden. Es gibt auch besondere Weine. © Daniel Schäfer

Seit einigen Monaten steht das ehemalige Wirtshaus Marieneck in bester Lage am Pirnaer Markt leer. Das soll sich nun ändern. Hier zieht demnächst das tschechische Restaurant Babička ein. Darauf weisen bereits zahlreiche Aufkleber an den großen Fensterscheiben hin. "Das Lokal eröffnet voraussichtlich am 1. September", bestätigt Helmut Pritsch. Er besitzt das Unternehmen Immoman in Dresden und war mit der Vermaklung des Lokals beauftragt.

Schweinebraten und Knoblauchsuppe

Eins ist bereits jetzt klar: Die Speisekarte wird der tschechischen Küche alle Ehre machen. Denn die Gäste können unter anderem aus den böhmischen Spezialitäten wie Schweinebraten mit Knödeln und Rotkraut, Lendenbraten in Schmandsoße, Gulasch, Karpfen oder Kartoffelsuppe beziehungsweise die Knoblauchsuppe „Česnečka“ wählen. Natürlich werden als Nachtisch auch die berühmte Palatschinken in verschiedenen Variationen angeboten. Der neue Betreiber Josef Miček bindet sich nicht an eine Brauerei, sondern wird eine große Palette tschechischer Biere ausschenken. Und er hat eine Besonderheit im Angebot. "Herr Miček besitzt ein Weinanbaugebiet in Tschechien. Somit stehen auch Weine aus dieser Region auf der Getränkekarte des Babičkas", erklärt Helmut Pritsch. Umbauarbeiten sind nicht geplant. Die frühere Einrichtung wird übernommen. Drinnen bietet das Babička circa 120 Sitzplätze und draußen können rund 80 Besucher Platz nehmen.

Betreiber hat bereits ein Lokal in Dresden

Josef Miček stammt aus Teplice und ist kein Unbekannter in der Region. In Dresden betreibt er bereits seit mehreren Jahren ein tschechisches Lokal mit dem Namen Hurvínek. "Die Großmutter, also die Babička, spielt in dem berühmten Puppentheater Spejbl und Hurvínek auch eine Rolle. Daher die Namensgebung des Lokals in Pirna", erläutert der Immobilienfachmann. Er habe sich gezielt in der Gastroszene umgehört und suchte einen Betreiber, dessen Lokal gute Umsätze macht. "Herr Miček und ich wurden uns schnell einig", so Pritsch. Der neue Gastronom bringt sein Servicepersonal aus Tschechien mit.

Pirnas Oberbürgermeister war für tschechisches Lokal

Mit der Eröffnung des neuen tschechischen Restaurants geht übrigens ein Wunsch von Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) in Erfüllung. "Der OB hatte mir bereits im Vorfeld signalisiert, dass diese Nutzung eine gute Option für den Standort wäre. Denn bisher gibt es kein solches Gasthaus in Pirna", sagt Pritsch.

Und auch die Umgebung begrüßt die Neueröffnung. "Konkurrenz belebt das Geschäft. Weitere Mitbewerber sind immer gut", sagt eine Angestellte des Restaurants Witwe Bolte am Pirnaer Markt.

Der bisherige Pächter des Marienecks, Mario Gabriel, hat zum Jahreswechsel aufgegeben, da er mit Personalproblemen kämpfte. Gabriel selber wandte sich mit einem offenen Brief, den er im Internet publizierte, an seine ehemaligen Gäste. Darin steht unter anderem: "Leider haben sich die Umstände und Voraussetzungen derart geändert, dass ich nach einigen schlaflosen Nächten mich dazu entschieden habe, diese Entscheidung genau so zu treffen." Wer Gabriels Küche genießen möchte, muss jetzt das Ausflugslokal Zur Elbinsel bei Dresden-Zschieren ansteuern. Dort hat der frühere Marieneck-Betreiber seine neue gastronomische Heimat gefunden. Gegenüber Sächsische.de wollte er sich zu dem Thema nicht äußern.

Zur Geschichte von Spejbl und Hurvínek:

  • Spejbl und Hurvínek sind die beiden berühmtesten Marionetten des tschechischen Puppenspielers Josef Skupa. Vater Spejbl wurde 1919/1920 vom Pilsner Holzschnitzer Karel Nosek nach Vorlagen Skupas gefertigt. Im Jahre 1926 folgte Sohn Hurvínek, gefertigt von Gustav Nosek, dem Neffen von Karel Nosek. In späteren Jahren gesellten sich weitere Figuren hinzu: Hurvíneks Freundin Mánička (1930), Hund Žeryk (1930, deutsch auch Jerry) und Frau Kateřina (1971), die Großmutter Máničkas.
  • Kern der meisten, insbesondere der kurzen Stücke sind die Dialoge zwischen dem Vater Spejbl, der oft von sich und seinen Kenntnissen sehr überzeugt ist, und Sohn Hurvínek, der die Selbstüberzeugung des Vaters mit entsprechenden Fragen ins Wanken bringt. Die Stücke sind eine Mischung aus groteskem Humor und Alltagssatire.