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Brutale Schlägerei - wer hat angefangen?

Unter Alkoholeinfluss haben zwei Männer einen dritten schwer verletzt. Nach vielen gegensätzlichen Aussagen zur Tatnacht fällt das Gericht ein überraschendes Urteil.

Vor Gericht steht Aussage gegen Aussage - wem gibt die Richterin in dieser Sache Recht?
Vor Gericht steht Aussage gegen Aussage - wem gibt die Richterin in dieser Sache Recht? © Peter Steffen/dpa

Vor dem Amtsgericht Pirna mussten sich am Montag zwei Männer wegen schwerer Körperverletzung verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, am 13. Dezember 2019 einen anderen Mann äußerst brutal zugerichtet zu haben. Gegensätzliche Aussagen und ungenaue Erinnerungen an die Tatnacht gestalten die Suche nach der Wahrheit schwierig.

"Es fing mit Beleidigungen an"

An den Beginn der Tatnacht erinnern sich sowohl die Angeklagten Hugo S.* und Tom P.*, als auch das vermeintliche Opfer Ingo J.* ähnlich: Es war die Geburtstagsfeier eines gemeinsamen Freundes, bei der sie sich trafen. Über den Abend hinweg kam es vonseiten der beiden 30-Jährigen wiederholt zu Sticheleien und anzüglichen Witzen gegenüber Ingo J. "Es fing mit Beleidigungen an", erklärt dieser. Mit steigendem Alkoholpegel seien die Beschimpfungen heftiger geworden. Für Hugo S. und Tom P. nur Neckereien, für Ingo J. jedoch bitterer Ernst. Kurz bevor J. die Feier am späten Abend verlassen wollte, kam es zwischen ihm und dem Angeklagten S. zu einer letzten Auseinandersetzung, die handgreiflich wurde.

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Wer hat den ersten Schlag gesetzt?

An dieser Stelle beginnen sich die Sichtweisen der beiden Männer zu unterscheiden. Welcher von beiden hat den anderen zuerst geschlagen? Dass im Zuge des Kräftemessens bis zu fünf weitere Partygäste mit einstiegen und prügelten, dessen sind sie sich einig. Wer jedoch angefangen hat, lässt sich beim besten Willen nicht ergründen. Den größten Schaden trug zweifelsohne Ingo J. davon. Mit einem Nasenbruch, einer Jochbeinfraktur, zahlreichen Hämatomen im Gesicht und einem abgeplatzten Schneidezahn kam der 30-Jährige noch am selben Abend ins Krankenhaus. Die beiden Angeklagten kamen verhältnismäßig glimpflich davon.

Vor allem die Verletzung an der Nase, so berichtet J., wird aufgrund der verbliebenen Folgeschäden wohl noch eine Operation nach sich ziehen.

Etwas Buße haben die beiden Angeklagten schon geleistet. Sie haben dem Eigentümer der Wohnung einen Couchtisch ersetzt, der während der Schlägerei zu Bruch gegangen ist. Übrig bleiben da nur noch etliche zerstörte Pflanzen und ein blutbeschmierter Teppich.

Einigung unter den Streitenden?

An eine Verurteilung der beiden Angeklagten ist unter diesen unklaren Umständen nicht zu denken. Von den als Zeugen vorgeladenen Gästen der Feier ist keiner erschienen. Somit bleibt das Gericht im Dunkeln um den tatsächlichen Hergang der Tat. Auf eine Anregung des Geschädigten Ingo J. hin, erwägen die Verteidiger der Angeklagten eine Einigung. Nach fünfzehnminütiger Beratung geben die Anwälte ihren Vorschlag zu Protokoll. Die beiden Angeklagten Hugo S. und Tom P. verpflichten sich, für sämtliche entstandenen Schäden und die aus der Tatnacht resultierenden Folgeschäden von Ingo J. aufzukommen. Für die beiden Familienväter bedeutet das eine Schmerzensgeldzahlung in Höhe von jeweils 1.791 Euro. Zusätzlich, so urteilt die Richterin, müssen sie 1.000 Euro an die Staatskasse entrichten. Das Urteil ist rechtskräftig.

*Namen von der Redaktion geändert.

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